Dass der Sebastianstag auf dem Kreuzberg nicht nur für die Forstleute und Waldarbeiter von großer Bedeutung ist, zeigte die große Zahl der anwesenden Bürgermeister und Landräte beziehungsweise stellvertretenden Landräte aus Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen und Main-Spessart sowie der
Vertreter der Forstbetriebe.

Bereits zum elften Mal organisierte Gotthard Schwender aus Gräfendorf diesen Dankgottesdienst der Wald- und Forstleute. Damit folgen sie einer alter Tradition. "Aus früherer Zeit ist überliefert, dass am
Sebastianstag Säge, Axt und Beil ruhen, um dem Heiligen Sebastian für ein unfallfreies Arbeitsjahr zu danken und ihn weiterhin um seinen Schutz für das bevorstehende Jahr zu bitten." Dass auch der Nachwuchs sich der Tradition bewusst ist, und diese pflegt, zeigten Auszubildenden der Forstbetriebe Bad Brückenau, Bad Königshofen und Heigenbrücken, in dem sie in ihrer forstlichen Montur den Altardienst übernahmen. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch den Chor
"Ma so ma so" aus Gräfendorf.


Wettereinflüsse und Stürme machen Arbeit noch gefährlicher

Die Arbeit im Wald sei für viele nach wie vor ein Traumberuf. Der überwiegende Teil der Arbeitszeit werde in der freien Natur verbracht, ein vielfältiges und abwechslungsreiches Arbeitsprogramm lasse die Arbeit nicht langweilig werden. "Es soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich gleichzeitig auch um einen sehr gefährlichen Beruf handelt, bei dem 2017 in Bayern 26 Menschen im Wald ihr Leben lassen mussten", sagte Schwender. "Immer mehr Wettereinflüsse und Stürme
lassen im Wald besondere Situationen entstehen, die uns täglich zeigen, wie gefährlich die Arbeit im Wald ist. Die kleinste Unachtsamkeit kann fatale Folgen haben und manchmal gibt es Fälle, bei denen man alles richtig gemacht hat, aber die Natur doch einen eigenen Willen an den Tag legt."

Rückblickend habe jeder wohl schon eine Situation erlebt, in der der am Abend dachte: "Heute hatte ich wieder ein mal Glück gehabt." Der Heilige Sebastian als Schutzpatron der Waldarbeiter und Forstleute wurde  im Gebet und Gesang gebeten:  "Heiliger Sebastian, bitte, dass uns Gott verschone."


Leben des Heiligen Sebastians

Pater Martin, der Guardian des Klosters Kreuzberg, der die Sebastiansmesse mit den Wald- und Forstleuten feierte, sprach über die Notwenigkeit des Berufsstandes, um den Wald vor Ausbeutung zu bewahren. In seiner Predigt ging er auf das Leben des Heiligen Sebastians ein, der der Legende nach Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof in Rom war, sich öffentlich zum Christentum bekannt und notleidenden Christen halt, woraufhin ihn Kaiser Diokletian zum Tode verurteilte und
von numidischen Bogenschützen erschießen ließ. Diese hölzernen Pfeile verbinden den Heiligen Sebastian mit allen, die mit Holz zu tun haben, erklärte Pater Martin. Es gebe auch heute noch viele verschiedene Arten von Pfeilen, die im übertragenen Sinne mit Worten abgeschossen werden.

Um Schutz vor diesen Pfeilen und um Bewahrung selbst solche auszusenden könne der Heilige gebeten werden. Zugleich sei der Vorbild für Standfestigkeit im Glauben, denn die Pfeile der Bogenschützen töten ihn nicht. Nach seiner Genesung bekannte er sich erneut zum Christentum. "Nach dem Fallen wieder aufstehen, das ist wichtig. Aufstehen für Menschlichkeit ohne Rücksicht auf die eigene Person", betonte Pater Martin.