Die beiden wegen Mordes angeklagten Männer aus Schlüchtern sehen ihre Rolle bei der Automatensprengung lediglich als Mitläufer. Außerdem wollen sie die Verletzungen des 47-jährigen Mittäters aus Zeitlofs nicht als lebensgefährlich eingestuft haben.

An Prozesstag Nummer zwei vor dem Landgericht Hanau hatten der 52-jährige Frührentner aus Schlüchtern und sein 35-jähriger Komplize, ein Produktionshelfer aus einem Stadtteil, die Möglichkeit zur Aussage. Vorgeworfen werden ihnen Mord und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Sachbeschädigung und schwerem Diebstahl. Der jüngere Mann muss sich zudem wegen eines Verstoßes gegen das Kriegswaffen-Kontrollgesetz verantworten.

Die beiden Angeklagten verweigern jedoch bislang vor Gericht die Aussage. Stattdessen verlas Richter Dr. Peter Graßmück die Protokolle ihrer richterlichen Vernehmungen im Vorfeld. Demnach sehen sie den Zeitlofser als Ideengeber des Coups an. Er habe sich in Zeitungen über Automatensprengungen informiert, über Google den einsam gelegenen Bahnhaltepunkt Wittighausen-Gaubüttelbrunn in Tauberfranken ausfindig gemacht.

Klare Aufgabenverteilung

Kurz vor der Tat sprach er die beiden Komplizen an, die sich angeblich vorher - obwohl beides Schlüchterner - nicht kannten; und sich auch vor Gericht gestern keines Blickes würdigten. Der 35-Jährige will nur auf Drängen des Zeitlofsers und mit einem "schlechten Gefühl" mitgemacht haben, der 52-Jährige, um aus der erwarteten Beute einem seiner drei Kinder ein neues Fahrrad zu kaufen.

Vor Ort gab es eine klare Aufgabenteilung: Der Jüngste sollte den Fluchtwagen, den Mercedes des mutmaßlichen Anführers steuern, obwohl ihm der Führerschein wegen einer Alkoholfahrt entzogen war. Er wartete in einem nahen Feldweg. Der 52-Jährige war für das "Schmiere stehen" in der Nähe des Haltepunktes zuständig. Der Zeitlofser wollte sich um die technische Umsetzung der Sprengung kümmern. Und das ging gehörig schief: Zunächst verklebte er alle Öffnungen, dann leitete er Gas in den Automaten. Doch offenbar trat dieses vorab aus den Schlitzen teilweise wieder heraus, so dass es wohl schon beim Anmachen eines Feuerzeugs zur Explosion kam. Der 47-Jährige wurde unter der rund 30 Kilogramm schweren Frontplatte des Geräts eingeklemmt.

Die beiden Komplizen fuhren ihn anschließend zum Bahnhof Salmünster, wo sie ihn ablegten, weil sie die Nähe zum dortigen Krankenhaus als günstig einschätzten. An der Schlüchterner Klinik fürchteten sie die Überwachungskameras am Gebäude. Der 35-Jährige setzte unter dem Namen "Thomas Müller" einen Notruf bei der Rettungsleitstelle ab. Dann flüchteten sie nach Schlüchtern, entsorgten im Müllcontainer der Berufsschule die restlichen Gaskartuschen und stellten das Auto am Bahnhof ab.

Zwischenfall mit Anwalt

Als Minuten später der Rettungswagen eintraf, war der Mann bereits "klinisch tot", berichtete ein 46-jähriger Rettungsassistent. Da konnte auch der kurz danach hinzueilende Notarzt nicht mehr helfen. Der wunderte sich jedoch über den Verletzten: keine Schuhe, nur trockene Socken an den Füßen trotz der feuchten Witterung, die Oberbekleidung über den Kopf gezogen und angezogene Handschuhe.

Vorfall am Rande der gestrigen Verhandlung: Am Pressetisch nahm zum Auftakt ein Rechtsanwalt Platz. Er vertritt einen Mann aus dem Raum Schlüchtern, der im Zusammenhang mit dem beim 35-Jährigen aufgefundenen Sprengstoff stehen soll. Der Advokat machte sich dort eifrig Notizen, ehe ihn der Richter von dem Tisch verwies. Seit dem gestrigen Verhandlungstag tritt die Mutter des Zeitlofsers nun mit einer Rechtsanwältin als Nebenklägerin auf.

Prozess dauert länger

Zunächst waren für den Mordprozess beim Landgericht Hanau fünf Verhandlungstage vor der Ersten großen Strafkammer angesetzt. Da jedoch der Zeitrahmen nicht ausreicht, wurden gestern zwei weitere Termine festgelegt. Urteilsverkündung soll nunmehr am Donnerstag, 17. Juli, sein.