Wohin sollen die Kinder nach Schulschluss gehen, wenn die Eltern noch arbeiten? Lebhaft diskutiert wurde in der Gemeinderatssitzung über die Schulkindbetreuung, die derzeit noch durch die Kindergärten in Motten und Kothen abgedeckt wird. Der Mottener Kindergarten sieht sich mit der zusätzlichen Krippengruppe ausgelastet, Schulkindbetreuung wird dort nicht mehr angestrebt. Die möglichen Varianten stellte Kämmerer Steffen Schneider jetzt in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor.


Mindestens 14 Schüler nötig

Die offene Ganztagsschule würde bedeuten, dass die Kinder bis 16 Uhr in der Grundschule bleiben. Wer die Kinder dort betreut, bestimmt die Schulleitung. Voraussetzung ist eine Gruppengröße von mindestens 14 Kindern, die vier Tage pro Woche das Angebot nutzen.

Für die Eltern wäre diese Variante kostenfrei, sie müssten lediglich für die Mittagsverpflegung sorgen. Die Gemeinde wäre schülerbeförderungspflichtig und würde den Bustransport von der Schule nach Hause übernehmen. Der Freistaat Bayern fördert dieses Projekt mit 33 700 Euro, jedoch haben die Kommunen einen Eigenanteil von mindestens 5500 Euro zu tragen.

Möglich wäre auch die verlängerte Mittagsbetreuung, ebenfalls bis 16 Uhr, ebenfalls in der Grundschule. Die Kinder müssten nach Betreuungsende von den Eltern abgeholt werden. Der Staat unterstützt die Kommunen hier mit höchstens 9000 Euro. Zusätzlich anfallende Kosten müssten über Elternbeiträge bzw. gemeindliche Zuschüsse abgedeckt werden.

Eine weitere Alternative wäre die Mittagsbetreuung im Kothener Kindergarten, hier müsste die Gemeinde für Personal sorgen, nicht aber für die Beförderung der Kinder. Die Eltern müssten ihre Kinder von der Mittagsbetreuung abholen, von der Schule dorthin fährt der Schulbus. Auch finanziell gebe es für die Kommune keinen verpflichtenden Beitrag, die Kosten "wären auf Elternbeiträge umzulegen", so Schneider. Bei dieser Alternative müssten mindestens zwölf Kinder für jeweils zwei Tage pro Woche angemeldet sein.

Kritik gab Gemeinderätin Lena Möller (Freie Wähler Kothen-Motten-Speicherz) weiter. Die Betreuung im Kindergarten sei nicht schulkindgerecht, "eine Schulkindbetreuung da, wo die Schüler sind" hält sie für sinnvoller. Wichtig sei qualifiziertes Personal, dem pflichtete Gemeinderat Marco Hillenbrand (Freie Wähler Kothen-Motten-Speicherz) bei: "Es gibt keinen Bedarf, wenn die Kinder nur gehortet werden."


Elternabend geplant

Lena Möller bat darum, dass alle Varianten an einem Elternabend vorgestellt werden. "Verlässliche Zahlen" seien nötig. Genau die liegen der Gemeinde noch nicht vor, da noch keine Daten und Bedarfsmeldungen bekannt sind. Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) will kurzfristig einen Fragebogen erstellen, der den Bedarf abfragen soll. Kurzfristig müsse mit der Schulleitung auch ein Termin für einen Elternabend gefunden werden, denn die Antragsfrist für diese Art der Betreuung läuft bereits am 3. Mai aus.

Auf die Frage von Gemeinderat Guido Schreiner (Wählergemeinschaft Motten), ob es nicht auch Betreuungsmöglichkeiten im privaten Bereich gebe, gab Vogel zu bedenken, dass dies zwar ehrenamtlich sei, aber auch auf Dauer? "Das sollte Qualität haben." Dafür lohne es sich, "ein paar Euro mehr auszugeben".

Für eine kleine Schule mit gerade einmal 59 Schülern sei es schwierig, die Mindestzahl von 14 für die Ganztagsbetreuung zu erreichen. Was gewünscht6 wird, soll die Auswertung der Fragebögen ergeben. "Wir brauchen Zahlen und Fakten, aber mindestens die Mittagsbetreuung muss gesichert werden", fasste Gemeinderat Guido Schreiner zusammen.

Sicher ist: Sollte ein Ganztagsangebot zustande kommen, ist keine Mittagsbetreuung in den Kindergärten mehr möglich. "Für ein System muss man sich entscheiden, anders ist es personell und finanziell nicht machbar", machte Steffen Schneider klar.

Einvernehmen bestand bezüglich der Generalsanierung der 35 Jahre alten Mittelschule. "Es haben sich einige Baustellen aufgetan", sagte Bürgermeister Jochen Vogelt. Zwar ist die Stadt Bad Brückenau Bauherr, dennoch müssen die Gemeinden ihr Einvernehmen geben und sich "gemäß Vertrag an den Kosten beteiligen". Diese werden aktuell mit insgesamt 8,6 Millionen Euro angegeben. Von einem 75-prozentigen Fördersatz wird ausgegangen.

"Was kostet uns das?" war die Frage von Gemeinderat Marco Hillenbrand. Hierzu gebe es noch keine Zahlen, antwortete Jochen Vogel. Zu der Generalsanierung gebe es "keine Alternative" und "keinen Grund, nicht zuzustimmen", sagte Vogel. Der Gemeinderat stand denn auch einstimmig hinter ihm.