"Wir haben ein großes Alleinstellungsmerkmal: unsere Militärhistorie", sagte Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) beim abschließenden Workshop rund um das neue Tourismuskonzept für die Marktgemeinde. "Wir sind Truppenübungsplatz-Gemeinde. Es gibt enge emotionale Bindungen von ehemaligen Soldaten der Bundeswehr und der US-Army, die viele Jahre in Wildflecken gedient und gelebt haben. Dieses Potenzial können wir touristisch nutzen."

Kleinhenz ging auch auf die Geschichte der abgesiedelten Dörfer auf dem Truppenübungsplatz ein. Die Nachkommen der zweiten und dritten Generation werden sich in Zukunft noch stärker dafür interessieren, wo ihre Vorfahren herkommen, ist der Rathauschef sicher. Kurzurlauber, Tagestouristen, Naturliebhaber, Familien und Rhönurlauber möchte die Marktgemeinde noch häufiger anlocken.

Kleinhenz machte keinen Hehl daraus, dass in der Gemeinde ausreichende Hotellerie und Gastronomie schlichtweg fehlen. "Wir haben kleine Schwächen. Wir müssen uns auf drei Themen konzentrieren: Naturtourismus, Militärgeschichte und Outdoor-Adventure." Dabei dürfe die Gemeinde keinen Alleingang machen, sondern sich auf die bestehenden Strukturen in der bayerischen Rhön stützen: "Nur so kann es gelingen, dass wir auch die Lebensqualität unserer eigenen Bürger steigern."

Thema Militärgeschichte

Oliver Melchert und Dana Roberts von der Tourismus- und Regionalberatung "BTE" präsentierten die Ergebnisse aus den bisherigen Workshops. Wildflecken müsse noch stärker von den vielen Attraktionen in der Rhön profitieren, forderte Melchert. Er warnte davor, dass die Gemeinde für viel Geld eigene Messe-Auftritte oder Werbemaßnahmen auf den Weg bringt, denn die Rhön funktioniere bereits bestens als touristische Marke. "Wir sind der Meinung, dass das Haus der Schwarzen Berge noch eine wesentlich zentralere Rolle spielen muss", sagte Melchert weiter. Das Thema Militärgeschichte werde beispielsweise noch gar nicht in dieser Einrichtung aufgegriffen. Gemeinderat Hans-Joachim Gehrlein (PWW), früher Standortältester der Bundeswehr in Wildflecken, vertrat die Ansicht, dass die militärhistorische Sammlung auf dem Truppenübungsplatz aus dem Militärgelände herausgelöst werden könnte. So ließe sich auch gewährleisten, dass Besucher dauerhaft Zugang erhalten. Bislang sind die Interessierten auf das große ehrenamtliche Engagement von Adolf Kreuzpaintner angewiesen, der die Sammlung aufgebaut hat und betreut sowie die Führungen selbst durchführt. Gehrlein ist überzeugt, dass es mittlerweile eine Chance gibt, das Militärmuseum aus der Kaserne herauszulösen. "Es wäre einen Versuch wert." Dann aber stellt sich die Frage, wohin mit der Ausstellung, und wie wird die Betreuung gewährleistet?

Mehr gastronomische Angebote

Denn bei einem dauerhaft geöffneten Museum mit entsprechenden Führungen und Vorträgen könne man sich nicht nur auf das ehrenamtliche Engagement einzelner Bürger verlassen. Da brauche es eine breitere Basis. Einig waren sich die Teilnehmer, dass das Thema Militärhistorie präsenter gemacht werden solle.

Melchert sprach auch das Fehlen von vielfältigen gastronomischen Angeboten in der Marktgemeinde an. Am Haus der Schwarzen Berge könnte eine Art "Biergarten" eine neue Attraktion darstellen, auch im Zusammenhang mit einem Wohnmobilstellplatz. Die momentanen Besucherzahlen seien jedenfalls steigerungsfähig. Dana Roberts machte auf die steigende Tendenz der Wanderurlaube aufmerksam.

"Wandern ist ein Freizeitsport, der auch jüngere Urlauber interessiert." Die Nähe zum Kreuzberg könnte hierbei ein wichtiger Pluspunkt sein. Auch sehr originelle Angebote sollen helfen, den Tourismus zu stärken. Gerade im Outdoor-Bereich gebe es zu wenig geeignete Trainingsstrecken für Amateursportler, die sich beispielsweise für Brave heart Battles interessieren. Die Ideen reichten von Glamour-Camping über Baumhaushotels bis hin zu Hängemattencamps und Baumzelten. Auch der Rhöner Sternenpark könne den Rahmen bieten, nachts geführte Wanderungen und Camps durchzuführen.

Mountainbiker im Blick

Für Mountainbiker müssten die vorhandenen Strecken optimiert werden. Anspruchsvolle Trails mit Hindernissen und attraktiven Aussichtspunkten seien sehr gefragt. Dabei müsse auch die Busverbindung für Mountainbiker nutzbar gemacht und über Servicepunkte in der Marktgemeinde nachgedacht werden. Immer wieder kamen die Tourismusexperten auf das Haus der Schwarzen Berge zu sprechen, dessen Potenzial noch nicht ausreichend genutzt werde.