Die Zukunft der Wildfleckener Mittelschule ist eine ungewisse. "Dass es da bald einige Veränderungen geben wird, ist ja schon allgemein bekannt", sagte Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) im Gemeinderat. Mit voraussichtlich 87 Schülern im kommenden Schuljahr ist die Wildfleckener Schule in ihrer früheren Eigenständigkeit jedenfalls längst stark bedroht.

Aufgrund des gravierenden Schülermangels ist bereits der Schulverbund der drei benachbarten Mittelschulen Bad Brückenau, Schondra und Wildflecken gegründet worden. Kleinhenz teilte mit, dass ab dem kommenden Schuljahr 2014/2015 die 7. Klasse aus Wildflecken nach Brückenau umzieht und dort an der Mittelschule unterrichtet wird. Dieser Entscheidung waren zwar kontroverse Diskussionen über die Zukunft der Mittelschulen im Altlandkreis Bad Brückenau vorausgegangen. Aber: "Von unseren Eltern gab es keine Einwände oder Bedenken, was die Abwanderung der 7. Klasse nach Bad Brückenau betrifft", sagte Kleinhenz den Kommunalpolitikern. Die künftigen Schülerzahlen in Wildflecken seien aufgrund der häufigen Zu- und Wegzüge in der Kommune nur sehr schwer zu prognostizieren. Man müsse sich aber bewusst machen, dass die Schülerzahlen langfristig noch weiter fallen, machte der Rathauschef klar. "Wir hängen in der Luft", sagte Wolfgang Illek (CSU). Weil die Zukunft der Wildfleckener Mittelschule am seidenen Faden hänge, komme man auch bei der Grundschule nicht so richtig weiter, bedauerte Illek. Grund- und Mittelschule sind gemeinsam in der ehemaligen US-Schule in der Rhönkaserne untergebracht.

"Grundschüler in den Ortskern"

Das ursprüngliche Grundschulgebäude in der Wildfleckener Ortsmitte steht derzeit leer und soll eine Generalsanierung bekommen. Illek machte sich dafür stark, die Grundschüler so schnell, wie es geht, wieder in den Ortskern zurückzuholen. Dazu müsse man bei der Generalsanierung aber auch einen Schritt weiterkommen.
Die Höhe der Zuschüsse für die Sanierungsmaßnahmen ist noch vollkommen ungeklärt. "Unsere Grundschule müssen wir unbedingt im Ort erhalten", sagte Kleinhenz. Dass dies bei der Mittelschule bei weiter fallender Belegung nicht dauerhaft gelingen wird, daraus machte Kleinhenz kein Geheimnis: "Wir müssen eben Jahr für Jahr versuchen, unsere Interessen durchzusetzen. Hätten wir nicht gekämpft, dann würde es schon im kommenden Jahr keine Wildfleckener Mittelschule mehr geben." Illek machte unterdessen deutlich, dass das große Schulgebäude in der Kaserne jährlich enorme Unterhaltskosten verschlingt. Daher müsse die Gemeinde sehr schnell eine Lösung finden, um eine Rückkehr der Grundschüler in den Ortskern zu forcieren.

Doch auch der Schulverbund der Brückenauer, Wildfleckener und Schondraer Mittelschule wird wohl kein Dauerbrenner werden. 391 Schüler lautet die aktuelle Summe des relativ jungen Schulverbundes. "Selbst diese Zahl reicht eigentlich nicht für einen dauerhaften, eigenständigen Schulverbund", betonte Kleinhenz. Langfristig müsse wohl über eine größere Lösung im Raum Bad Kissingen und Hammelburg nachgedacht werden.

Zweifel bei den Räten

"Wie ist denn die Stimmung unter den drei Schulstandorten?", wollte Herbert Nowak (OWII) wissen. "Es ist kein Hauen und Stechen", sagte Kleinhenz. Aber jeder Bürgermeister wolle natürlich die eigene Schule so lange wie möglich in seinem Ort halten: "Wir haben eine tolle Schule. Deshalb haben wir darum gekämpft."
Dass zunächst die Klassen fünf, sechs, acht und neun in Wildflecken bleiben, schien den Räten aber nicht so ganz schlüssig. Holger Trump (CSU/ PWG) bezweifelte, dass nach einer Auslagerung der 7. Klasse nach Bad Brückenau genau diese Schüler in der 8. Klasse dann wieder nach Wildflecken zurückkehren werden. "Da fehlt mir die Sinnhaftigkeit", so Trump.

Nicole Müller (PWW) stellte die Frage in den Raum, ob nicht eine Zusammenlegung von Jahrgangsstufen eine Lösung sein könnte. Überdies regte Müller eine Grundsatzfrage an: "Welchen Sinn macht es für die Gemeinde, die Mittelschule in den kommenden Jahren noch weiter im Ort zu halten?"

Bürgermeister Kleinhenz glaubt nicht an eine schnelle Lösung, zumal die Gemeinde zunächst noch auf die ehemalige US-Schule angewiesen ist, solange die Grundschule im Ort nicht saniert ist. "Das ist eine ganz schwierige Materie. Wir müssen jedes Jahr die Karten neu mischen", sagte Gerd Kleinhenz.