Niels studiert in Erlangen, er steckt zur Zeit mitten in den Vorbereitungen für sein bevorstehendes Examen. Obwohl sein Abitur mittlerweile acht Jahre zurückliegt, zieht es ihn einmal im Jahr zurück in seine ehemalige Schule, das Franz-Miltenberger-Gymnasium in Bad Brückenau. Denn einen Bestandteil seiner Schulzeit will Niels einfach nicht aufgeben: das Theaterspielen.

Zum ersten Mal stand er als Sechstklässler auf der Bühne, als Mammut, dessen Leben schließlich ein tragisches Ende nahm. Im Laufe der Zeit in der Schulspielgruppe Kompass wurde das Schauspielern zur Leidenschaft, die bis heute anhält: Am Samstag, 20. Juni, wird Niels Hönerlage wieder an einer Vorstellung beteiligt sein. Dank der Theatergruppe "Kompassion". Diese gibt es nun seit fast zehn Jahren. Die Idee, mal wieder gemeinsam ein Stück zu inszenieren, wurde damals geboren, als bei einem Treffen ehemaliger Mitglieder der Schultheatergruppe spontan Improvisationstheater gespielt wurde. Das Projekt wurde zum Selbstläufer, so dass für die Ehemaligen das Einstudieren und Aufführen eines Theaterstücks einmal im Jahr mittlerweile fest eingeplant ist.

Passion für das Theater

"Wir waren von Anfang an eine super Truppe, kennen uns mittlerweile eine gefühlte Ewigkeit und haben einfach alle Spaß am Theaterspielen", erzählt Angelika Heinz über die Gruppe. Aus diesen Komponenten geht auch ihr Name hervor: ",Kompassion‘ steht zum einen dafür, dass sich noch alle mit der Schultheatergruppe Kompass verbunden fühlen und natürlich die Passion für das Theater teilen. Zum anderen für das Zusammenkommen alter Freunde, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten", erklärt Dirk Hönerlage, der bei "Kompassion" Regie führt. Termine für diese Treffen zu finden ist allerdings oft nicht ganz leicht: Dadurch, dass manche Mitglieder inzwischen Familien haben, die meisten in ganz Deutschland verstreut leben und in Beruf oder Studium eingespannt sind, ist gute Organisation nötig, bis das Stück steht. Doch selbst wenn kurzfristig noch jemand abspringen muss, findet sich eine Lösung. Beispielsweise wurden in diesem Jahr bisher noch nicht wieder aktive Ehemalige wie Markus Brust, der mittlerweile an der Brückenauer Realschule unterrichtet, mit ins Boot geholt.

Große Verwirrung

Licht- und Tontechniker Stefan Klug, der auch kurzerhand zum Schauspieler umfunktioniert wurde, sieht seiner neuen Aufgabe positiv entgegen: "Ich habe bisher immer nur hinter den Kulissen gestanden, aber jetzt habe ich wirklich Lust, mich auf etwas Neues einzulassen." Im diesjährigen Stück "Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni spielt er Silvio, in den Rosaura (Kristin Hönerlage), die Tochter des venezianischen Kaufmanns Pandolfo (Stefan Jäger), verliebt ist. Nachdem Federigo Rasponi, dem Rosaura eigentlich versprochen war, in einem Duell von Florindo (Markus Brust) getötet wird, fühlt sich Rosaura frei und hofft, Silvio heiraten zu können. Florindo verschwindet aus Angst vor der Justiz, seine Geliebte Beatrice (Carolin Gutmann) vermutet ihn in Venedig und taucht dort in Männerkleidung und unter dem Namen ihres Bruders Federigo Rasponi auf. Im Hause Pandolfo sorgt der scheinbar doch nicht tote Fede rigo für große Verwirrung.

Voller Vorfreude

Doch das Durcheinander wird noch gravierend gesteigert, als der von Beatrice eingestellte Diener (Jörg Hilsdorf) auch Diener des verzweifelt gesuchten Florindo wird. Durch die doppelte Dienerschaft werden Briefe und Koffer vertauscht, bis die Liebenden einander für tot halten. "Es ist das reine Chaos: Auferstandene Tote, Frauen in Männerkleidung, Vertragsbruch und schwingende Degen, liebende Fress- und Hungerwänste, orangierende Servierkünstler. Ein schnelles, abwechslungsreiches Stück, linke Tür, rechte Tür, vorne, hinten, zwei Herren, ein Diener... ob das gut geht, verrate ich noch nicht", erzählt Jörg Hilsdorf, der in allen Stücken mitgewirkt hat, voller Vorfreude auf die Aufführung.

"Der Diener zweier Herren" Samstag, 20. Juni, Saalöffnung 19 Uhr, Aufführungsbeginn 19.30 Uhr. Studiobühne Franz-Miltenberger-Gymnasium Bad Brückenau, ohne Vorreservierung, Eintritt frei, Spenden erwünscht.