Wie aus früherer Zeit überliefert, ruhen am Sebastianstag Säge, Axt und Beil, um dem Heiligen Sebastian für ein unfallfreies Arbeitsjahr zu danken und ihn um Schutz für das Jahr zu bitten Zum 46. Mal fand das Sebastiansfest in der Klosterkirche am Kreuzberg statt.

Wieder war die Kirche übervoll. Die Seitengänge waren bis in den vorderen Bereich voll mit Menschen. Noch weihnachtlich präsentierte sich die Klosterkirche, wie alle Jahre am 20. Januar. Vor dem Altar die Figur des Heiligen Sebastian, die vor einigen Jahren von Forstleuten angeschafft wurde. Außerdem wurden Axt, Beil und Säge symbolisch niedergelegt. Eine aus einem Holzstamm geschnittene 46 ergänzte die Zusammenstellung und wies auf die langjährige Tradition hin. Organisiert wird der Sebastianstag von Gotthard Schwender aus Gräfendorf, er hat die Organisation vor einigen Jahren vom mittlerweile verstorbenen Unterweißenbrunner Anton Räder übernommen. Unverändert geblieben ist in all den Jahren der Dank an den Heiligen Sebastian, den Schutzpatron der Waldarbeiter und Forstleute, den die Forstarbeiter und alle dem Forst Nahestehenden ihm in der Klosterkirche abstatten.

So viele Leute zusammengebracht

"Ich bin stolz, dass so viele diesen Tag in Ehren halten und heute so ein Andrang im Gotteshaus herrscht. Man sieht daran, dass die Waldarbeiter eine sehr gute Kameradschaft pflegen. Keine andere Berufsgruppe bringt an einem Wochentag so viele Leute zu einer Brauchtums-Veranstaltung zusammen", sagte Schwender. Besonders freute er sich, dass die Auszubildenden des Forstbetriebs Heigenbrücken als Messdiener Pater Stanislaus Wentowski am Altar zur Seite standen.

Johannes Keßler an der Orgel und die Bergmusikanten aus Waldfenster sorgten für die passenden Klänge.
In der Ansprache gab Gotthard Schwender seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Tradition des Sebastianstages noch lange fortgeführt werden kann. "Ich bin der Meinung, dass Bräuche und Traditionen in einem Beruf, diesen zu etwas Besonderem werden lassen." Die Arbeit im Wald bezeichnete Schwender als eine der gefährlichsten, die es gebe. "Sie entspricht täglich der Leistung eines Spitzensportlers und man muss immer 100 Prozent geben. Die kleinste Unachtsamkeit kann fatale Folgen haben. Nichts gleicht dem anderen, jeden Baum gibt es nur einmal, und vieles ist nicht kalkulierbar." Es sei sehr wichtig vor Waldarbeit Respekt zu haben. Angst dürfe man nicht haben, denn Angst blockiere. Die Angst durch gesunden Respekt zu ersetzen, das mache die Arbeit sicher, erklärte Schwender.

Trotz der Gefahren, sei für viele Menschen die Arbeit im Wald nach wie vor ein Traumberuf. Die Forst- und Waldarbeiter schauten am Sebastianstag auf die Standfestigkeit des Märtyrers, der durch sein mutiges Bekenntnis auch Vorbild im Glauben sei. Gemeinsam wurde um Bewahrung, Schutz und Segen gebetet.

Das Lebenszeugnis des Heiligen Sebastian griff Pater Stanislaus in seiner Predigt auf, in der er über Leben und Tod des Märtyrers sprach. Warum musste Sebastian sterben? Was hatte er verbrochen und warum wurde er heiliggesprochen? Zivilcourage habe Sebastian gezeigt, indem er den Gefangenen Mut zusprach und dafür sorgte, dass die Hingerichteten bestattet wurden.