"Wenn ich trotzdem Hilfe benötige, ist mein Sohn Dirk zur Stelle." Beide wohnen im gleichen Haus in der Schlesierstraße in Oberwildflecken. Sie begrüßt den Autor dieses Artikels in Begleitung ihres Hundes. "Mein Molly ist schon 14 Jahre alt und beißt nicht. Er bellt nur recht laut, damit ich ihn auch höre", erzählt Elfriede Korbstein.
"Langeweile kommt bei mir nicht auf. Am Fernseher verfolge ich gerne den Radsport und Tennisspiele. Kreuzworträtseln und das Lesen der Tageszeitung gehören auch zu meinen Hobbys", verrät die Jubilarin.

Geboren wurde sie am 16. Juli 1934 in Königsberg/Ostpreußen. Hier verbrachte sie ihre Kindheit mit drei Brüdern und drei Schwestern bei ihren Eltern Martha und Walter Tolksdorf. "Leider sind sie schon alle gestorben", bedauert sie. "Ich war elf Jahre alt, als wir 1945 gezwungen wurden, unsere Heimat zu verlassen", erzählt Elfriede Korbstein. Ihr Vater sei bereits 1944 an den Folgen einer Kriegsverletzung in Arnstadt/ Thüringen gestorben. Auf der Flucht habe ihre Mutter und die Geschwister sie beim Einschiffen auf ein Flüchtlingsschiff am Hafen in Gotenhafen verloren, als Panik wegen eines Fliegeralarms ausgebrochen war. "Ich wurde von einem Bediensteten der Bahn in Dänemark im Zug aufgelesen und von ihm im dänischen Aalborg in einem Flüchtlingslager abgeliefert", erinnert sie sich. "Meine Mutter hat mich nach der Trennung unserer Familie erst 1948 mit Hilfe des Roten Kreuzes wieder ausfindig gemacht", erzählt die Jubilarin. Sie und ihre Geschwister waren auf der Flucht in Stuttgart in einem Flüchtlingslager gelandet.

"Meinen Mann Klaus habe ich zufällig in einer Eisdiele in Horb kennengelernt", erinnert sie sich. Elfriede Korbstein war zu dieser Zeit bei der Firma Daimler-Benz in Böblingen angestellt. "Mein Mann war zu dieser Zeit als Soldat in Böblin gen stationiert. Geheiratet haben wir am 3. Juni in Untertalheim/Neckar." Aus der Ehe sind drei Kinder, Dirk, Belinda und Sabrina, hervorgegangen. Zur Familie gehören zwischenzeitlich vier Enkel und fünf Urenkel.

"Mein Mann und seine Familie sind 1947 als ,Heimatvertriebene‘ nach Oberwildflecken gekommen." Als "Freiwilliger" ist er 1962 zur Bundeswehr gewechselt, wo er am Standort Böblingen stationiert war. "Von Untertalheim sind wir 1962 nach Oberwildflecken umgezogen", sagt sie.

In Oberwildflecken hat Elfriede Korbstein von 1975 bis 1980 im CVJM-Heim als Raumreinigerin gearbeitet. Im Anschluss war sie bis zum Abzug der Amerikaner von Wildflecken im Jahr 1994 als Reinigungskraft beschäftigt. "Im gleichen Jahr bin ich in Ruhestand gegangen", erinnert sich Elfriede. Ihr Mann ist 2009 gestorben. An die Zukunft hat sie nur den einen Wunsch, dass ihr die Gesundheit noch lange erhalten bleiben möge.