Der Kindergarten in Volkers ist im Umbruch. Nicht ohne Kritik ist dort ein Neubau geplant. Viel wurde in letzter Zeit darüber geredet. Doch die Einwohner Bad Brückenaus können sich glücklich schätzen, denn neben Volkers bietet die Stadt den Familien drei weitere Kindergärten. Um den Kindergarten "Sonne, Mond und Sterne" in Wernarz ist es recht ruhig. Das nimmt diese Zeitung zum Anlass, einmal genauer hinzuschauen.


Unterschiedliche Methoden

Unaufgeregt und friedlich spielen die Kinder im Sand. Ein paar fahren mit den Laufrädern im Kreis. Es ist ein heißer Sommertag. Daniela Werner, die Leiterin des Kindergartens Wernarz, beobachtet alles von einem Schattenplatz aus. "Jeder Kindergarten ist anders, denn der Bildungs- und Erziehungsplan wird durch Persönlichkeiten gefüllt, die unterschiedliche Herangehensweisen und Erfahrungen haben", überlegt sie. "Die Bad Brückenauer Kindergärten haben alle die selben Vorgaben, doch in jedem einzelnen werden Sie unterschiedliche Methoden finden, die auch auf Faktoren wie Größe des Kindergartens, Sozialstruktur, Infrastruktur etc. zurückzuführen sind", fügt sie hinzu. Große Kindergärten hätten ganz andere Möglichkeiten und Qualitäten wie kleine. Zu vergleichen seien sie deshalb nicht, und, so meint sie aus Erfahrung, die Eltern suchen sich heute den Kindergarten für ihren Nachwuchs ganz gezielt aus. Was den Eltern eben wichtig erscheine. Möchten sie eine städtischere Umgebung, dann wählen sie den großen Kindergarten in der Stadt.
Der Vorteil daran sei auch, dass die Grundschule direkt nebenan liege. Die eingruppigen Kindergärten seien oft familiärer als die großen, betont die Leiterin. Mit 25 Kindern sei Wernarz nahezu ausgelastet.
Und für die kommenden zwei Anmeldeperioden seien sie ebenfalls ausgebucht. "Nachwuchssorgen gibt es nicht", meint Werner. Die Stadt bestätigt das. Auch Flüchtlingskinder kommen immer wieder recht kurzfristig in den Kindergarten. Momentan seien es drei.


Kindergarten seit 1974

Seit 1974 gibt es in Wernarz den Kindergarten. Regina Ziegler, erste Leiterin des Kindergartens, hat ihn damals aufgebaut. Das zweistöckige Gebäude wird nur im unteren Teil als Kindergarten genutzt.
Die Kinder hier kommen aus Bad Brückenau, dem Staatsbad, Wernarz und Eckarts. Manchmal gebe es auch Kinder aus Züntersbach, Altengronau oder Roßbach, erzählt Werner. In den 1990er Jahren wurde zu dem alten Gebäude ein Anbau hinzugefügt, sowie der Eingang von der Straße wegverlegt, zur Sicherheit der Kinder, gibt die Stadtverwaltung Auskunft.


Viele Feste

In diesem Anbau befinden sich heute der Garderobenbereich, eine Turnhalle sowie im oberen Stockwerk Toiletten und Büro. "Das ist ausreichend", meint die Kindergartenleiterin zufrieden. "Es ist wirklich was ganz Besonderes, dass sich die Stadt vier Kindergärten leistet", lobt sie Bad Brückenau. Hier werde darauf geachtet, dass es für die Familien passt, fügt sie hinzu.
Jutta Weidner, eine Kollegin von Werner, ist seit 1979 dabei. Was die Besonderheit im Kindergarten Sonne, Mond und Sterne ist? "Wir sind ein sehr familiärer Kindergarten und haben viel Platz", meint sie nach kurzer Überlegung. "Wernarz feiert gerne", fügt Werner lachend hinzu, die seit 1999 das Haus leitet. Zusammen mit den Kolleginnen und Eltern werden verschiedene Feste organisiert. Das Willkommensfest diene dazu, dass sich die Eltern und die Kinder untereinander kennenlernen. "Die Eltern haben sich das gewünscht, dass ein enger Kontakt besteht", ergänzt sie. Es werden natürlich auch St. Martin, Ostern oder Sommerfeste gefeiert. Für die Arbeit mit Kindern sei es auch wichtig, dass das Personal nicht jedes halbe Jahr wechselt. Jedes Kind sei anders und habe ganz unterschiedliche Qualitäten. "Die Persönlichkeit kann man nur fördern, wenn sich ein Kind wohl fühlt", ist sie sich sicher, deshalb sei es ein großes Anliegen, die Kinder so zu nehmen, wie sie sind. Und alle unter einen Hut zu bringen mit den unterschiedlichen Fähigkeiten, das sei dann die große Herausforderung für das Personal.


Andere Fähigkeiten gefordert

Die Zeiten haben sich auch im Kindergarten geändert. Es werden ganz andere Fähigkeiten vom Personal gefordert. "Nehmen wir nur das Mittagessen. Früher gingen die Kinder mittags für zwei Stunden nach Hause und kamen dann wieder. Heute gehört das Essen für viele in der Gruppe mit dazu", sagt Werner. Mit Messer und Gabel umgehen zu lernen, sei heute auch Teil des Erziehungsauftrages.
"Man kann den Beruf nur machen, wenn man Kinder liebt", sagt sie zum Abschluss, und nach kurzem Zögern fügt sie hinzu, dass es auch nie langweilig werde, denn die Arbeit mit Kindern unterliege einer großen Dynamik.
"Ein ständiges Anpassen an die aktuelle Situation, wie die Sozialstruktur der Familien, das Alter, das Einzugsgebiet. Alles wandelt sich ständig." Daher seien der Austausch mit den Kollegen der anderen Kindergärten und Weiterbildungen in diesem Bereich sehr wichtig.