"Ich hab 'ne Menge Zeug gemacht", kann Rainer Betz die Laudatio vom Vorsitzenden der Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), Edmund Wilhelm, bestätigen. Für sein Mitwirken im Bayerischen Jagdverband seit 40 Jahren ist er mit der Ehrennadel und für viele weitere Ämter mit dem Ehrenkranz in Silber geehrt worden.
Die Liste der Ämter, Posten und Aktivitäten ist wirklich lang. Aus Liebe zur Natur beließ Rainer Betz sein Schaffen nicht nur bei seiner Tätigkeit als Forstamtsrat, welche er seit 1959 und von 1966 bis zu seiner Pensionierung vor acht Jahren im Forstbetrieb Hammelburg ausübte. In der Zeit bildete er Forstleute aus, war Laufbahnprüfer für die Revierförsterprüfung und Jägerprüfer für die Regierung Unterfranken. Zudem war er als Schwarzwildberater und Hegeringleiter tätig. Viele Jahre war er Reviergruppensprecher und baute die Rotwildgruppe Bad Brückenau auf.

Noch immer bildet Rainer Betz Jagdscheinanwärter im Revier Hammelburg aus und ist Jagdberater des Landkreises und Naturschutzbeirat. Für den Bund Naturschutz leitet er Führungen, wie zum Beispiel die Mühlenwanderung. Privat hat der Unterleichtersbacher zirka 150 Pudelpointer-Welpen gezüchtet, was ihm schon drei Züchter-Ehrenteller bescherte.

Amphibienteiche angelegt

In seiner Freizeit legt er Amphibien-Teiche an, bis jetzt sind es 50 Stück. An diesen Teichen lebt inzwischen wieder der Schwarzstorch. In den Teichen züchtet Betz den deutschen Edelkrebs, den er anschließend in die Bäche aussetzt und so zur Artenvielfalt beiträgt. Rainer Betz geht es "um die ganze Natur". Sie war schon immer sein Interesse, bereits als Kind wollte er Förster werden. Die Jagd übt er in einem Pirschbezirk im Forstbetrieb Hammelburg noch aus und sieht es als wichtigen Teil des Naturschutzes. "Man muss fair jagen", erklärt der 73-Jährige. "Man muss eine Auswahl treffen, keine Muttertiere erlegen, und es muss ein guter Schuss sein." Das getötete Tier soll nicht unnötig leiden müssen. Jagd bedeutet für Betz sowohl die Regulation des Wildbestandes, als auch dessen Schutz. Der gleichen Meinung ist auch Kreisjagdberater Heinz Müller. Als falsch sieht er das Zitat "Nur ein totes Reh, ist ein gutes Reh" an. Dies sei nicht mit "vernünftiger Jagdkultur zu vereinbaren". Zwar liegen die Zahlen der erlegten Böcke unter dem Ziel. Im Jagdjahr 2013/2014 wurden im Altlandkreis Bad Brückenau 51 Böcke (fünf Jahre und älter), 134 Böcke (zwei bis vier Jahre) und 102 Jährlinge geschossen. Mit 18 Prozent, 47 Prozent und 35 Prozent sei dies in der Statistik ungünstig, doch "die Abschusserfüllung sei nicht immer das Ziel". Kein hoher, sondern ein gesunder Rotwildbestand sei angestrebt, der vor allem durch das Schonen der Rehe mittleren Alters erreicht werden könne.

"Waldverträglich abgegrenzt"

Die Hegegemeinschaft habe 15 822 Hektar spezielle Rehwildfläche. Mit 2,9 Rehen pro 100 Hektar (Hegegemeinschaft 594), 2,6 (HG 595) und 3,6 (HG 596) sei ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, der aber "auch so gewollt" sei. Der Wildbestand sei "waldverträglich abgegrenzt", sagt Heinz Müller. Im Drei-Jahres-Zeitraum 2013 bis 2016 liege die Abschusszahl bei Rehwild bei 26 Prozent. "Das ist ein sehr guter Wert", betont Müller. Wichtig nannte es der Jagdberater, Aktivitäten zu entwickeln, die die Lebensbedingungen der Tierwelt verbessern sollten. Die Jäger sollten ihre Anliegen gebündelt und durch einen starken Verband vertreten. Edmund Wilhelm, Vorsitzender der Kreisgruppe, informierte über die sich aus Litauen und Polen her ausbreitende Afrikanische Schweinepest. Die Krankheit, die sowohl Wild- als auch Hausschweine befällt, führe binnen zehn Tagen zum Tod der infizierten Tiere. Die Anzeichen sind Fieber, Fressunlust, Atemprobleme, Durchfall und Blaufärbung der Haut. Die Jäger sind aufgefordert, Fallwild, das eindeutig nicht an Schuss- oder Unfallverletzungen gestorben ist, unverzüglich dem Veterinäramt mitzuteilen.

Schwarzwildringleiter Gerhard Fiedler berichtete über die Schwarzwild-Situation im Altlandkreis. Im vergangenen Jahr erlegten die Jäger 948 Sauen, 200 mehr als im Jahr zuvor. Auch die durch Wildschwein verursachten Schäden stiegen von rund 20 000 Euro auf 48 167,80 Euro an, was einem pro Sau hervorgerufenen Schaden von 50,81 Euro gleichkommt. Im Landkreis Bad Kissingen wurden 3 242, in ganz Bayern 65 718 Wildschweine geschossen.

Der Forstbereich Brückenau konnte in insgesamt 18 Drückjagden mit 296 erlegten Tieren einen neuen Rekord verzeichnen. Fiedler lobte die gute Zusammenarbeit mit den Grundstückseigentümern und dass sich bayernweit bereits 360 Hegegemeinschaften am Schwarzwild-Monitoring beteiligen. 69 Schießleistungsabzeichen waren 2013 erreicht worden. Gerhard Fiedler führt dies auf das "Ergebnis intensiver Schießübungen" zurück. Er regte an, ein jährliches Übungsschießen einzuführen.

Zum Thema "Wolf" erwähnte Fiedler, dass in Deutschland wieder 26 Rudel lebten. Im Erzgebirge seien zwei Rehe mit Kehlkopfbiss gefunden worden, in Ostsachsen lebten zehn Rudel. Dass der Rückgang des Muffelwildes um 60 Prozent auf einen vermehrten Wolfbestand zurückgeführt werden könnte, stellte Fiedler in Frage. Ebenso sei das Vorkommen des Wolfes in Bayern schwer zu beziffern.

Stellvertretender Landrat Erwin Müller verwies auf die wichtige Rolle der Jagd in einem so waldreichen Landkreis. Jeder Mensch habe die Pflicht, für die "Lebensbedingungen der Tiere einzustehen", der Jäger habe eine besondere Verantwortung, die gesellschaftliche Anerkennung verdiene. Reinhard Landgraf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bekräftigte die wichtige Rolle der Jäger, auch im Hinblick auf den Auftrag gegen den Klimawandel. Durch Waldverjüngung können "klimaresistente Flächen" geschaffen werden.
Ute Becker, Mottens zweite Bürgermeisterin, brachte die Qualität des heimischen Wildbrets zur Sprache.