"Die Diskussion um die Starkstromtrasse durch die Region nimmt Fahrt auf. Aber ich rate: Halten wir unser Pulver für den Moment trocken, an dem wir wirklich eine Einflussmöglichkeit haben", so kommentiert Fuldas Landrat Bernd Woide (CDU) die Gründung des Vereins RhönLink gegen Stromtrassen durch die Kreise Fulda und Bad Kissingen.

Der am Wochenende gegründete Verein stellt die Notwendigkeit der Trasse in Frage und will verhindern, dass er durch die Landkreise verläuft. Woide gibt zu bedenken, dass der Bundestag über die Frage der Notwendigkeit der Trasse vor einem Jahr entschieden habe. Wenn das Land Bayern, wie von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) geäußert, die Trasse für unnötig halte, müsse er im Bundesrat einen Antrag einbringen.

Antrag von Tennet abwarten

Ob die Starkstromtrasse, die nach den bisherigen Plänen entlang der A7 verlaufen könnte, am Ende tatsächlich durch Osthessen führe, könne der Kreis nur begrenzt beeinflussen. "Wir sollten unsere Möglichkeiten nicht überschätzen. Es gibt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass unsere Region betroffen sein wird", räumt Woide ein. Als Privatunternehmen unterliege Tennet auch nur wenig politischem Einfluss, sondern es sei stark kostenorientiert.

Wenn man auf den Verlauf der Trasse durch Osthessen Einfluss nehmen wolle, dann sei es am besten, man warte ab, bis Investor Tennet einen Antrag auf den Beginn der Bundesfachplanung stelle und dann auch klar mache, wo die Präferenztrasse entlangführen soll und wo Tennet Alternativtrassen sehe. Das könnte nach Angaben des Unternehmens im Oktober sein.

"Auf Basis dieses konkreten Antrags sollten wir diskutieren. Dann sollten wir uns im Landkreis zusammensetzen und eine fundierte Stellungnahme abgeben. Wenn ich jetzt herausposaune, dass ich die ganze Trasse nicht will, schwäche ich meine Position als Verhandlungspartner", sagt Woide. Die entscheidende Diskussion sei rechtlich. Sie finde aber erst dann statt, wenn ein konkreter Antrag vorliege. Die Position des Landkreises Bad Kissingen sei allerdings eine andere. Dort will Tennet nach den bisherigen Vorplanungen die Trasse durch Gebiete führen, die von der Unesco vor wenigen Tagen zur Kernzone des Biosphärenreservats erklärt worden sind.

Einflussmöglichkeit nutzen

"Eine Trasse durch das Biosphärenreservat? Das geht natürlich nicht. Da unterstütze ich meinen Bad Kissinger Landratskollegen Thomas Bold (CSU) vollkommen", sagt Woide. Bold droht für den Fall, dass Flächen des Reservats tangiert werden, mit Klage. Im Landkreis Fulda sei das Biosphärenreservat jedoch nicht betroffen, sagte Woide. Die Einflussmöglichkeit, die der Kreis habe, soll er nutzen, um Veränderungen im Trassenverlauf im Kreis oder Erdverkabelungen in bestimmten Abschnitten zu erreichen. Unterdessen bemängelt die SPD-Kreisvorsitzende Sabine Waschke, dass Woide vor einer Woche an einer Anhörung im Hessischen Landtag zu SuedLink nicht teilgenommen habe. Der Landrat habe eine Gelegenheit zur Einbringung der Interessen des Landkreises verstreichen lassen.

Woide entgegnet, dass bei der Anhörung fast ausschließlich rechtliche und technische Fragen sowie die Frage der Notwendigkeit diskutiert worden seien. Dazu könne er als Landrat nichts beitragen. Da es nicht um kommunale Belange gegangen sei, habe der Kreis nicht präsent sein müssen.