Im Gemeindegebiet Osterrain, rund eineinhalb Kilometer vom Ortskern entfernt, liegen möglicherweise die Ursprünge von Schönderling: wissenschaftliche Untersuchungen belegen eine mittelalterliche Bebauung in diesem Bereich.

Die Erinnerung an ein verschwundenes Dorf ist in der örtlichen Überlieferung seit Generationen lebendig, hier und da wurden am Osterrain in der Vergangenheit Beobachtungen gemacht, aber nicht weiter wissenschaftlich ausgewertet. Bis vor kurzem einerseits erste archäologische Oberflächen-Funde aufgelesen und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gemeldet wurden, und andererseits Zeitzeugen sehr genau den Standort eines Brunnens in diesem Bereich benennen konnten.

Sieben Tage lang widmeten sich nun Mitarbeiter vom Lehrstuhl für vor- und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg, unter der Leitung von Nils Ostermeier, dem Areal. "Wir haben tatsächlich Spuren von mehreren Häusern und zwei Wegen, die in einer Gabelung münden, entdeckt", fasst er die Arbeit der archäologischen Untersuchung zusammen.

Es wurde ein Gebiet von insgesamt acht Hektar mit einem Magnetometer vermessen, wobei Anomalien im Erdmagnetfeld registriert werden, die auf archäologische Strukturen im Untergrund hinweisen können. "Die Mitarbeiter der Uni liefen in der Summe 80 Kilometer, das entspricht der Strecke von Würzburg nach Schönderling", würdigt Gerhard Morber, Initiator dieser einmaligen Aktion, diese Arbeit: "Bei Wind und Wetter, bei Sonnenschein und Regen sind sie wie ein Uhrwerk das ganze Gebiet mit Ihren Messgeräten abgelaufen."


Rund 300 Oberflächen-Funde

Und Morber ist überaus zufrieden, wurden doch zudem noch insgesamt rund 300 archäologische Oberflächen-Funde entdeckt und aufgenommen. "Neben den vielen freiwilligen Helfern aus Schönderling haben auch die Maulwürfe wertvolle Arbeit geleistet", sagt er augenzwinkernd. Insgesamt rund 220 Stunden Eigenleistung wurden von den Schönderlinger Helfern erbracht, tagelang untersuchten sie Maulwurfshügel auf Funde hin und unterstützten die gesamte Prospektionsabwicklung und Vermessung. Frischer Kaffee und eine kräftige Brotzeit rundeten das ehrenamtliche Engagement ab.

Ralf Obst vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Sachgebiet Ehrenamt in der Bodendenkmalpflege, ist begeistert: "Alles lief Hand in Hand. Die Voraussetzung für unsere Zuschüsse waren die Eigenleistungen und die finanzielle Unterstützung der Marktgemeinde Schondra in Höhe von 2500 Euro." Er freue sich sehr über das große ehrenamtliche Engagement sowie über die Arbeit des Teams der Universität Würzburg, das mit viel Enthusiasmus an diese Aufgabe herangegangen sei."


Dank an Grundstückeigentümer

Sein Dank gilt auch den Grundstückseigentümern und den Pächtern: "Jetzt in der vegetationslosen Zeit konnten die Wiesen gut untersucht werden." Die "Schätze", die zu Tage kamen, seien wissenschaftlicher und heimatgeschichtlicher Natur. Die Frage, ob das Dorf am Osterrain der Vorgänger des siedlungstopografisch günstiger gelegenen Schönderling ist, bliebe noch offen, denn die Lage am Osterrain wäre für eine relativ kurzfristige spätmittelalterliche Niederlassung nicht ungewöhnlich. Eine mögliche Umsiedlung der Bevölkerung nach Schönderling und damit Vergrößerung des Ortes hält er dagegen für wahrscheinlich.

Information aus erster Hand erhielten die Schüler der 9. Klasse der Sankt-Martin-Schule Riedenberg. Klassenlehrerin Katja Morber, eine gebürtige Schönderlingerin, unternahm zusammen mit ihrem Kollegen Klaus Bergmann einen Ausflug zum Osterrain. Die Schüler waren durchweg interessiert und ließen sich von Nils Ostermeier ausführlich die einzelnen Arbeitsschritte erläutern. Und die schönste Aussage des Vormittags war natürlich: "Die Arbeit hat sich gelohnt, wir haben tolle Funde gemacht. Wir können sagen, dass hier ein mittelalterliches Dorf mit mehreren Hofstätten stand."

Umfang des Projekts: Geophysikalische Magnometer-Prospektion, inklusive wissenschaftlicher Auswertung, Infotafel vor Ort, Broschüre (500 Stück), Vortrag für die Bevölkerung

Zuschüsse: 2500 Euro Marktgemeinde Schondra, 4640 Euro finanzielle Unterstützung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege - 220 Stunden ehrenamtliche Eigenleistung.

Prospektionen: zerstörungsfreie Magnometer-Prospektion durch den Lehrstuhl für vor- und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg; Begehung und Auflesen sowie Einmessen von Oberflächen-Funde durch ehrenamtliche Mitarbeiter und den Lehrstuhl für vor- und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg.

Erkundete Fläche: zirka acht Hektar, 91 Grids (Messflächen) à 30 auf 30 Meter.

Befunde und Funde: wahrscheinlich mehrere Häuser und zwei Wege (Auswertung folgt); 300 archäologische Oberflächen-Funde, davon zirka 200 Keramikscherben, vor allem spätes Mittelalter, 13./14. Jahrhundert; zirka 60 Ziegelfragmente, bislang undatiert;
zirka 40 Holzkohleteile, bislang undatiert ein Feuersteinartefakt, vermutlich aus der Steinzeit
Alle Funde werden noch wissenschaftlich ausgewertet (Inventarisierung und Kartierung nach zeitlichen und funktionalen Aspekten usw.).

Eckpunkte zeitlicher Verlauf: 10. November 2016: Einreichung Projekt beim BLfD; 17. Januar: Zuschussgenehmigung durch den Markt Schondra; 14. Februar: Projekt wird durch den Beirat des Sachgebietes Ehrenamt in der Bodendenkmalpflege beraten und vom Beirat befürwortet, Zuschussgenehmigung; 15. Februar: Beauftragung Julius-Maximilian-Universität Würzburg, Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie; 24. Februar: Kickoff; 27. Februar bis 8. März: archäologische Erkundung durch die Uni Würzburgund ehrenamtliche Helfer; in Vorbereitung: Infotafel, Broschüre und Vortrag im Rahmen der Feierlichkeiten zum Ortsjubiläums 2017 vom 1. bis 3. Juli.