Obwohl Riedenberg nur knapp tausend Einwohner zählt, konnte es doch im 20. Jahrhundert vier Gasthäuser vorweisen, eines im damaligen Unterriedenberg, die restlichen in Oberriedenberg.

Fragt man die Nachkommen, so stand damals die nicht enden wollende Arbeit im Vordergrund. 364 Tage war geöffnet, lediglich am Heiligabend war die Familie für sich. "Selbst an diesem Tag musste man so einige Wirtshaushocker noch nachdrücklich nach Hause schicken", erinnert sich Renate Vogler aus dem früheren "Weißen Roß". So ist es fast verständlich, dass nur noch zwei Gasthäuser ihre Pforten sporadisch öffnen, die anderen beiden seit Jahren ganz zu sind. Dennoch hatten alle Glanzzeiten. Willi Mathes, der zusammen mit Frau Carmen noch an bestimmten Tagen öffnet, weiß, dass sein Urgroßvater Michael Reidelbach der Gründer war.
Den Namen Mathes bekam man erst durch die Heirat von Michaels Tochter mit Anton Mathes. An diese wurde das Gasthaus überschrieben, nachdem der Sohn zu viel trank.

Ernst und Willi Mathes führten das Haus weiter. Die Fremdenzimmer waren ausgebucht in den Zeiten des ersten Autobahnbaus. "Meine Mutter kochte zweimal am Tag für die Arbeiter, mittags und nochmal mitten in der Nacht", erzählt Willi. Die Bevölkerung habe sich regelmäßig am Abend in der Wirtsstube getroffen. "Auch weil wir einen der ersten Fernseher hatten. Ich kann mich an die Rosenmontagszüge im Fernsehen erinnern, als das halbe Dorf bei uns war." Heute ist nur noch an zwei Abenden für Stammtische und nach Bedarf für Familienfeiern offen. "Jeder geht seinem Beruf nach, die Kinder haben kein Interesse. So wird es wohl auch irgendwann einmal vorbei sein mit ,Henneres‘, so der Dorfname", prognostiziert er.

Autobahnbau bringt viel Arbeit

Auch die Gaststätte Vorndran öffnet an zwei Abenden und am Sonntagmorgen ihre Türen. Dann sitzt Klara Vorndran, mit 80 Jahren die älteste Wirtin des Ortes, bei ihrer Stammtischrunde. "Ich bin das von Kindheit an so gewohnt", erzählt sie. Ihre Großmutter, Barbara Hahn, war seit 1900 die Wirtin, des damals noch "Weißen Rosses". Ganz alleine hatte sie das Haus, nach dem frühen Tod ihres Mannes aufgebaut. Bis 1913 hieß das Gasthaus noch so. Ab dann hatte Otto Römmelt die Anteile und den Namen aufgekauft. Er richtete sich in der Dorfmitte ein. Das bisherige "Weiße Roß" hieß von nun an Gaststätte Hahn. Es wurde anschließend von Wilhelm Hahn weitergeführt und an seine Tochter Klara übergeben. Mit ihrer Heirat bekam das Wirtshaus den Namen Vorndran. Auch hier gab es drei Fremdenzimmer, die lange von den Steinhauern des Basaltwerkes belegt waren, und die auch verköstigt wurden. Lange hatte die Musikkapelle dort ihren Proberaum. "Solange ich es noch kann, werde ich auch weiterhin noch in der Wirtsstube stehen. Doch was danach kommt - wer weiß", sagt Klara Vorndran.

Seit 1988 hat das spätere "Weiße Roß" geschlossen. Was unter Otto und Mathilde Römmelt als Wirtshaus und Kramerladen begann, wurde von deren Sohn Alfred nach dem Krieg als Metzgerei und Wirtshaus weitergeführt. "Allerdings war damals in der Metzgerei noch lange nicht so viel los, wie jetzt, sodass ich sogar als erst achtjähriges Mädchen oft alleine in der Metzgerei verkaufen konnte", erinnert sich die Tochter Alfreds, Renate Vogler, die zusammen mit ihrem Mann Egmar das Gasthaus schließlich übernahm.
Unvorstellbar viel Arbeit gab es auch für die Römmelts in Zeiten des Autobahnbaus. Die Kantine des Baulagers wurde beliefert. Vater Alfred fuhr mit Schwiegersohn Egmar den Abschnitt von Elfershausen bis Speicherz ab und versorgte die Arbeiter mit Frühstück. "Unser Familienleben fand in Wirtsstube und Metzgerei statt."

Froh über viele freie Abende

Doch irgendwann stand die Schließung der Gastwirtschaft zur Diskussion. "Ich war zunächst sehr dagegen, schließlich waren wir Wirtsleute seit Generationen. Nachdem die Poststelle hier ihre Schalterräume einrichten wollte, fiel die Entscheidung gegen das Gasthaus." Renate Vogler war schnell froh über diese Entscheidung: "Wie schön die nun folgenden freien Abende dann tatsächlich waren, hatte ich mir nicht träumen lassen."
Auch die Gaststätte "Zum Halbmond" ist seit 1999 Geschichte. Gegründet wurde sie von Jakob Henkel und an Josef Henkel weitergegeben, den Vater der letzten Wirtin Eva. Sie übernahm diese mit ihrem damaligen Mann, der jedoch aus dem Krieg nicht mehr zurückkam. Zusammen mit ihrem zweiten Mann Richard Römmelt betrieb sie die Gaststätte bis ins hohe Alter. Noch mit 87 Jahren stand Richard Tag für Tag hinter der Theke. In den Nachkriegszeiten fanden die größten Veranstaltungen im großen Saal statt. 1984 war damit Schluss. Der Trakt wurde zur Wohnung umgebaut, so dass nur noch der Gastwirtschaftsbetrieb weiterlief. Auch hier endete es, wie bei der Gaststätte "Zum Weißen Roß", mit der Schließung, da sich kein Nachfolger mehr fand.

Tradition wird enden

So wird es auch wohl in Riedenberg absehbar sein, dass es irgendwann keine Gasthäuser mehr geben und eine jahrhundertelange Tradition zu Ende gehen wird.