Es wird noch ein paar Monate dauern, bevor die Bagger anrücken können, um das alte Fabrikgebäude der Firma Ferkinghoff abzureißen. An selber Stelle soll ein 2200 Quadratmeter großer Rewe-Supermarkt mit Backshop und großer Parkplatzfläche entstehen. Der Stadtrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung dem bürokratischen Prozedere gewidmet und die nächsten baurechtlichen Schritte vorbereitet.

Zum einen muss der für das Grundstück vorliegende Flächennutzungsplan angepasst werden. Aktuell ist dort ein Gewerbegebiet ausgewiesen, der geplante Supermarkt wäre dafür allerdings zu groß und unzulässig. Laut Verwaltung ist es in diesem Fall möglich, das benötigte Sondergebiet Einzelhandel in einem vereinfachten Verfahren auszuweisen. Das ist günstiger und geht schneller. Zum anderen muss der Investor einen Bebauungsplan für den Supermarkt aufstellen und vom Bauamt genehmigen lassen.

"Vorher müssen noch einige Dinge geklärt sein", erklärte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) während der Sitzung. Die Stadt knüpft die Anpassung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes an eine Bedingung: Der Investor muss sich vertraglich verpflichten, die Planung an einen externen Architekten zu vergeben und die Kosten zu übernehmen. Der Stadtrat hat nach kurzer Beratung mit einer Gegenstimme grünes Licht gegeben, unter dem Vorbehalt, dass der Durchführungs- und Kostenübernahmevertrag zustande kommt.

Bekenntnis zur Region

Ferkinghoff hat die Produktion in Bad Brückenau 2012 eingestellt. Der Fabrikverkauf wurde an der Stelle weitergeführt. Ihn gibt es bis heute. Das soll auch so bleiben, sagt Outlet-Geschäftsführerin Friederike Ferkinghoff. Das Geschäft gehe gut und soll in Zukunft ausgebaut werden. Wenn die Rewe-Pläne umgesetzt werden, werde der Fabrikverkauf an einen neuen Standort fortgeführt. Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. "Es ist kein Problem, kurzfristig umzuziehen", meint Ferkinghoff. Die Unternehmerin bekennt sich zu der Region, wenngleich sie sich nicht allein auf Bad Brückenau festlegt. "Wir wollen in der näheren Umgebung bleiben", sagt sie.


Hintergrund: Geschichte der Kleiderfabrik Johann Georg Ferkinghoff

1932 gründete Johann Georg Ferkinghoff in Würzburg eine Herren-Kleiderfabrik. 1938 entstand ein Zweigwerk in Rothenfels am Main, das Stammwerk in Würzburg wurde im Krieg ausgebombt. Der damalige Bürgermeister und Freund der Familie Egid Trost holte die Firma 1953 als einen der ersten Industriebetriebe in die Kissinger Straße nach Brückenau, was vor allem Arbeitsplätze für Frauen schuf. Auf bis zu 230 Mitarbeiter wuchs die Belegschaft an. In die Produktion wurde ständig investiert. Noch 1997/98 wurde angebaut, bis zum Jahr 2000 produzierte Ferkinghoff ausschließlich in Deutschland. Ab 2001 restrukturierte sich das Unternehmen, verlagerte einen Teil der Produktion ins Ausland, zunächst in die Türkei, später nach Polen. Die Mitarbeiterzahl wurde auf rund 85 reduziert.

Insolvenz Die Geschäftsführer Friederike und Rainer Ferkinghoff stellten im Juli 2011 Insolvenzantrag für die J. G. Ferkinghoff GmbH & Co. KG. Das Insolvenzverfahren wurde zum 1. September eröffnet. Ende des Jahres erhielten die Mitarbeiter die Kündigung, die Produktion wurde 2012 eingestellt. Der Fabrikverkauf wurde weitergeführt und besteht bis heute.

Supermarkt
Der Stadt wäre ein neuer Produktionsbetrieb mit vielen Arbeitsplätzen oder ein Baumarkt auf dem Gelände lieber. Allerdings sind die Bemühungen um ein nachfolgendes Unternehmen nicht voran gekommen. Das alte Fabrikgebäude soll jetzt abgerissen werden. Auf dem 7600 Quadratmeter großen Grundstück ist ein Rewe-Markt mit Backshop auf einer Fläche von 2200 Quadratmetern angedacht. Außerdem sollen 107 Kundenparkplätze entstehen. Der Stadtrat hat sich im Januar grundsätzlich für den Bau des Rewe-Marktes ausgesprochen. Der Beschluss war einstimmig.