Gemeinderat Alfons Erb (Wählergemeinschaft Motten) brachte es nach erneut langer Diskussion um die Schulkindbetreuung auf den Punkt: "Ich bin enttäuscht über den Rücklauf - schad' um die Mühe". Die Antworten, die sich die Gemeinde durch den Fragebogen erhofft hatte, sind zu gering und zu unterschiedlich, um die verschiedenen Bedarfsmeldungen in einem Modell bündeln zu können.

Jugendbeauftragte Lena Möller war seiner Meinung: "Die Not der Eltern ist wohl nicht groß genug, wenn so wenig Rückmeldungen vorliegen", und auch keine Erziehungsberechtigen den Weg ins Rathaus zur Gemeinderatsitzung gefunden hätten. Sie stellte die Notwendigkeit in Frage, ob die Gemeinde Geld in die Betreuung der Schulkinder investieren solle. Die Betreuung wäre durch die Eltern privat zu organisieren, eine ausgebildete Tagesmutter stünde vor Ort zur Verfügung.

Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) und Kämmerer Steffen Schneider präsentierten die Auswertung der Umfragebögen: die notwendige Mindestzahl wurde nicht erreicht. Angeboten hätte die Gemeinde die offene Ganztagsschule und die verlängerte Mittagsbetreuung, beides in der Grundschule in Motten. Für die Schulkindbetreuung im Kothener Kindergarten lagen lediglich drei Meldungen vor.

Da es ein Knackpunkt zu sein schien, dass die Eltern ihre Kinder selbst abholen hätten müssen, schlug Lena Möller vor, die Kinder mit einem späteren Bus nach Hause bringen zu lassen. Dieser Bus müsste jedoch von der Gemeinde extra bestellt und bezahlt werden - auf Grund der geringen Rückmeldungen keine praktikable Lösung.


Kein akuter Investitionsbedarf

Gemeinderat Markus Bug (Freie Wähler Kothen-Motten-Speicherz) schlug vor, dass die Schulkinder mit dem täglich fahrenden Schulbus bis zum Kindergarten in Kothen gelangen könnten. Von dort könnten die Mottener Kinder mit einem aus Brückenau kommenden Schulbus wieder nach Hause. So wüssten arbeitende Eltern ihren Nachwuchs zumindest bis circa 14 Uhr betreut. Eine Betreuung in der Schule, zumindest bis 12.30 Uhr, wünschte sich Guido Schreiner (Wählergemeinschaft Motten) und fand in Alfons Erb einen Unterstützer. Diese "kleine Lösung" wäre gerade für die Familien eine Möglichkeit, die die Zeit bis zum Mittag überbrücken müssen.
Das Umfrageergebnis zur Kenntnis nehmend, kam Bürgermeister Vogel zu dem Schluss, dass "kein akuter Bedarf besteht, in die Schulkindbetreuung zu investieren". Im Kothener Kindergarten besteht weiterhin die Möglichkeit der Betreuung wie bisher. Vogel werde bei der Mottener Schulleitung anfragen, ob eine Betreuung bis 12.30 Uhr möglich wäre. Kritik gab es an fehlender Flexibilität, einerseits an dem staatlichen Angebot, andererseits bei den Eltern. Funktionierten Fahrdienste bei allen anderen Angeboten reibungslos, würde dies gerade im Zusammenhang mit Schule und Kindergarten "kritisch" gesehen, betonte Vogel. Die staatlichen Vorgaben für die Förderung einer Schulkindbetreuung seien zu starr.

Zum Regionalplan Südhessen, demzufolge zwischen Oberzell und Speicherz Windräder geplant sind, hat die Gemeinde eine Stellungnahme ausgearbeitet. Die Raumordnungsplanung, Geräuschemission, Lichtreflexion, Schattenschlag und - besonders in Speicherz lebende - Schwarzstörche und Rotmilane seien "bei uns beachtenswert", merkte Vogel an. Der Gemeinderat lehnt die Ausweisung des Vorranggebietes einstimmig ab.


Bürgerentscheid?

Bezüglich des dritten bayerischen Nationalparks sagte das Ortsoberhaupt: "Ich sehe das grundsätzlich positiv", doch müssten erst alle Fragen geklärt sein, um eine Diskussion überhaupt führen zu können: "Alles andere ist Spekulation." Der von den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön Grabfeld sowie dem Bayerischen Jagdverband zusammengestellte Fragenkatalog lag den Gemeinderäten vor. Nicht klar beantwortete und geregelte Themen wie Nutzungsrechte, Jagd, Arbeitsplätze, Landwirtschaft und Einbindung der Gemeinde könnten "vor Ort ein entsprechendes Problem werden", konstatierte Vogel.

Sind - diversen Umfragen zufolge - andere Nationalpark-Gegenden sowohl von Tourismus, als auch finanziell "belebt", zweifelte Gemeinderat Wolfgang Jung (Wählergemeinschaft Speicherz) dies für "unseren Bereich" an. Auf Nachfrage erklärte Vogel, dass zur Bürgermitbeteiligung ein Bürgerentscheid "wenn überhaupt, nur am Schluss" angestrebt werden solle. Beide Bauanträge passierten den Rat ohne Einwände. Für einen in Kothen beantragten Anbau an ein Garagengebäude befürwortete der Gemeinderat den Befreiungsantrag bezüglich der Dachfläche, Kniestockhöhe und Grenzbebauung. In der Buchenstraße darf der Bauherr ein Dachgeschoss ausbauen und drei Gauben errichten.