Oberzell wurde im Jahr 1167 erstmals urkundlich erwähnt, als Bischof Herold von Würzburg den heutigen Sinntaler Ortsteil - neben Bellings, Breitenbach, Hohenzell, Kressenbach, Marjoß, Oberkalbach und Wallroth - sowie das Kloster Schlüchtern unter den Schutz des Adeligen Marquard von Grumbach stellte. Manches, was den Ort in seiner 850-jährigen Geschichte ausmachte, ist noch heute im Ort erkennbar.

Wenn die Oberzeller in diesen Tagen ihre Häuser und Grundstücke für das Fest herrichten, dann sind in Vorgärten und auf Vordächern immer wieder landwirtschaftliche Geräte zu sehen - oft aus Holz. In dem waldreichen Gebiet von Buchonia spielte der Rohstoff von jeher eine bedeutende Rolle. Wurden in Oberzell und in Ziegelhütte einst Löffel, Kornschaufeln, Kuchenbretter und ähnlicher Bedarf für Haus und Hof sowie zur Zeit des Ersten Weltkriegs Holzschuhe für Soldaten hergestellt, so finden sich auch heute mit Schreinereien, Stiel-Produzent und Sägewerk noch große holzverarbeitende Betriebe in dem Ort zu Füßen des Haag, der mit 585 Metern höchsten Erhebung im Main-Kinzig-Kreis.

Der Name des kleineren "Ortsteils" Ziegelhütte verweist zudem auf einen weiteren einst wichtigen Wirtschaftszweig. 1704 gab es hier erstmals Ziegler, deren Wohn- und Brennenhaus an der Stelle stand, die heute als Anwesen "önner Hötte" auf der Ziegelhütte bekannt ist. Im Jahr 1890 allerdings stellte der letzte Ziegler die Produktion ein, da die Qualität der Ziegel nicht mehr den Anforderungen genügte. 100 Jahre zuvor hatte sich dort eine Siedlung um den Betrieb gebildet.

Wesentlich älter ist also Oberzell an sich. Die Chronisten gehen davon aus, dass das Tal der Schmalen Sinn bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war - etwa 5000 bis 3000 Jahre vor Christus. Das belegen Funde aus der Oberzeller Flur, etwa ein 18,4 Zentimeter langer Steindolch und Steinäxte.

Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung 1167 lebten in "Cella", das als Dorf mit Kirche beschrieben wird. Um diese hatten die Siedler ihre Häuser als ein Haufendorf gruppiert. Immer wieder ist in der Chronik von schwankenden Bevölkerungszahlen zu lesen; auch der Dreißigjährige Krieg ging nicht spurlos an dem Ort vorüber. Durchziehende Soldaten plünderten auch in der hiesigen Region die Dörfer. In Oberzell sank die Zahl der Haushalte von 50 auf 9. Bereits 100 Jahre später zählte Oberzell aber wieder zu den größeren Ortschaften in der Gegend.

Mittelpunkt zur Gründungszeit war wohl bereits wie heute eine Kirche. Das heutige Gotteshaus wurde am 15. September 1867 von Superintendent Wendel aus Hanau eingeweiht.

Mit anderen Bauprojekten in der jüngeren Geschichte Oberzells waren die Einwohner des Sinntaler Ortsteils wesentlich länger befasst: Lange Zeit rangen sie um den Ausbau der Ortsdurchfahrt und den Bau einer Ortsumgehung. Mit letzterer befassten sich Behörden, Verwaltungen und Gremien mehr als 40 Jahre - im Herbst dieses Jahres soll die Kreisstraße endlich eröffnet werden.

Oberzells Ortsvorsteher und der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft "Zell bleibt Zell", Mike Richter, zeigt sich stolz auf seinen Heimatort und seine Mitbürger: Bei den immensen Vorbereitungen und der Gestaltung der Jubiläumsfeier zeige sich wieder einmal welchen tollen Zusammenhalt und welch hohes Leistungsvermögen ein Ortsteil mit mittlerweile nur noch knapp 1000 Einwohnern erzielen könne, würdigt er.

Richter ist überzeugt: "Das Ortsjubiläum bietet einen hervorragenden Anlass für einen Brückenschlag zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft." Solch ein Jubiläum solle Erinnerungen wachrufen und deutlich machen, dass hier über Jahrhunderte eine starke Gemeinschaft zusammengewachsen sei. "Dies wird mit dem stehenden Festzug und mit der eigens zu diesem Anlass erstellten Chronik eindrucksvoll dokumentiert", schreibt er in einem Grußwort. An ganzen 80 Ständen werden am Samstag und Sonntag allerlei Attraktionen und freilich auch Speis' und Trank angeboten. Altes Handwerk sowie regionale Spezialitäten erwarten die Besucher dabei ebenso wie jede Menge Musik.

Einen Meilenstein und ein wichtiges Signal sieht der Ortsvorsteher in dem Fest: Die Oberzeller versuchten mit einer starken Dorfgemeinschaft der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken und ihren Ort attraktiv zu halten. Auf der Festmeile, die auch mit einer Wegebahn befahren werden kann, spiegele sich das breite Spektrum von Interessen, Begabungen und Fähigkeiten innerhalb des Dorfes wider. Richter und sein Team freuen sich auf ein "spannendes und interessantes Festwochenende" und auf die Besucher. Dass die Oberzeller sich und ihr Dorf in Szene setzen können, haben sie im vergangenen Jahr bei einer Bürgerwette bewiesen. Da gelang es ihnen gemeinsam binnen vier Tagen eine beachtliche Festmeile zu gestalten.

Veranstaltungsprogramm

25. Mai
Kirchenjubiläum in und um die Kirche; 10. 30 Uhr Festgottesdienst mit Dekan Wilhelm Hammann und dem Chor "Sound Of Joy"

26. Mai 19 Uhr: Festkommers im Bürgerhaus

27. Mai ab 15 Uhr Stehender Festzug - Musik und Tanz; 11 - 20 Uhr: Hubschrauberrundflüge; 15 Uhr Festeröffnung; 16 und 18 Uhr Dreschvorführung; 16 und 17.30 Uhr Schreinerei-Führung; 17 und 19 Uhr Hebeladevorführung; 19 Uhr Jugendblasorchester Scholz; 20 Uhr Live-Übertragung DFB-Pokalfinale; 21 Uhr Sinntal-Sound; 22 Uhr Western-Nacht; 22 Uhr Feierabänd XL

28. Mai 9.30 Uhr Gottesdienst
ab 10.30 Uhr: Stehender Festzug (es fährt eine Wegebahn); 10.30 Uhr: Stadtkapelle Ostheim; 11 bis 20 Uhr: Hubschrauberrundflüge, 11 Uhr Rhöner Spräublöaser; ab 11 Uhr: Dreschvorführungen; ab 12 Uhr: Hebeladevorführungen; 13 Uhr: Menschenkickerturnier; 13.30 Uhr: Musikverein Hattenhof; 13.30 Uhr: Brotausschießen
14 Uhr: Jagdhorn-/Alphornbläser; 14 und 16 Uhr: Schreinerei-Führung; 14.30 Uhr: Sinntal-Sound; 16 Uhr: Finale des Torwandschießens; 17 Uhr: Preisverleihung; 18 Uhr: Sinntal-Abend; 21.30 Uhr: Serenade

2. Juni 18 Uhr Pfingstbaumfest vor dem Bürgerhaus; der Jugendverein stellte den Baum

Internet sinntal-oberzell.de