Bis ins 19. Jahrhundert hinein lassen sich die kirchenmusikalischen Wurzeln der Georgibläser zurückverfolgen, die Mitte des vorigen Jahrhunderts sogar einmal offiziell als Stadtkapelle firmierten. Zum 50-jährigen Bestehen findet nun am Samstag, 8. April, ein Jubiläumskonzert statt. Beginn ist um 19.30 Uhr im Saal des katholischen Pfarrheims Bad Brückenau. Karten sind im Vorverkauf im Pfarrbüro erhältlich.

1967 gründete der damalige Stadtpfarrer Edgar Hilpert die Pueri Cantores Brückenau mit den St.Georgi-Chorbuben und der St. Georgi-Knabenkapelle. Die Internationale Vereinigung der Pueri Cantores ist eine Vereinigung von katholischen Jugendchören aus aller Welt, die 1951 vom Heiligen Stuhl anerkannt wurde. 1988 übernahm der junge Musiklehrer Andreas Kleinhenz die Knabenkapelle und formte sie in den nächsten 24 Jahren als symphonisches Jugendblasorchester zu einem Oberstufenorchester, das seit vielen Jahren Mitglied im nordbayerischen Musikbund ist.


Vorbereitung auf das Leben

Stadtpfarrer Michael Krammer hat dazu einmal geschrieben: "Sehr weit hat damals mein Vorgänger Pfarrer Hilbert gedacht, als er eine katholische Blaskapelle ins Leben rief. Es geht ja nicht nur darum, dass die Begleitung von Prozessionen und Festen garantiert wird. Hier wurde nachhaltig ein ganzheitliches Projekt der Jugendarbeit in unserer Mitte aufgebaut und etabliert. (...)

Bei der Blasmusik wird der ganze Mensch gefordert und gefördert. Talente und Begabungen werden entdeckt und zur Reife geführt. Die Notwendigkeit des für manchen vielleicht mühseligen Übens führt den Einzelnen wie auch den gesamten Klangkörper des Orchesters zu Gelingen und Erfolg.


Ein Norddeutscher in der Rhön

Gerade die Erfahrung von Erfolg im Zusammenhang mit Einüben der Fertigkeit von Fingern, Lippen und Zunge, die Wertschätzung und der Applaus des immer begeisterten Publikums bauen bei vielen jungen Menschen Grundlagen für das spätere Leben als Erwachsene auf. Körperbeherrschung, Disziplin, Beharrlichkeit, die Bewältigung von Konflikten und der Umgang mit Scheitern, die Übernahme von Verantwortung und das Einüben von Sozialverhalten sind Dinge, die selbstverständlich bei den Georgi-Bläsern (...) an die jungen Menschen von der Bläserklasse weitergegeben werden und selbstverständlich in das Leben übertragen werden, um mit solchen hervorragenden Voraussetzungen ausgestattet in dieser stark differenzierten Welt bestehen zu können."

Die Ausbildung neuer Musiker war ja von Anfang an ein Grundpfeiler für das erfolgreiche Fortbestehen des Orchesters. Seit vielen Jahren machen dies Holzbläserlehrer Klaus Bühre und bei den Blechbläsern Andreas Kleinhenz, abgelöst von Manuela Möller, die vor einigen Jahren auch die Leitung der Bläserklasse übernahm.
Mit dem Ausscheiden des "Eigengewächses" Lukas Breitenbach nach dem letztjährigen Jahreskonzert als Dirigent betrat die Führung der Georgibläser mit dem Engagement eines auswärtigen, in Bad Brückenau gänzlich unbekannten Dirigenten , Neuland.

Ulrich Moormann, geboren 1963 in Meppen im Emsland, übernahm die Leitung der Georgi-Bläser. Nach dem Studium der katholischen Kirchenmusik und der Kapellmeisterausbildung in Stuttgart und Karlsruhe wirkt er seit 1994 als Regionalkantor im Bistum Fulda. Hier war er zwischen 1997 und 2009 Leiter des Kammerorchesters der Jugend e.V. Fulda und Dirigent verschiedener Bläserensembles. Neben den "Georgis" dirigiert er zurzeit noch das sinfonische Blasorchester VFL Marburg.


Nach vorne schauen

"Während meines Studiums habe ich Nordlicht die Dichte der Blasmusik hier im süddeutschen Raume kennen und schätzen gelernt. Sie ist neben der Kirchenmusik mein zweites musikalisches Standbein", so der beim Generalvikariat in Fulda angestellte und für die kirchliche Bläserarbeit zuständige neue Dirigent. Zugunsten der "Georgis" gab er ein Dirigat in Mellrichstadt auf.

Das vergangene Jahr diente für Orchester und Dirigent zum Kennenlernen. Markus Hehn, Sprecher des fünfköpfigen Vorstandsteam der Georgis über seinen Dirigenten: "Er ist auf seine Weise sehr humorvoll, aber norddeutsch herb. Wir haben uns aber sehr gut aufeinander eingespielt."
"Wir wollen nicht nur Rückschau halten auf die musikalische Entwicklung der letzten Jahre, sondern mit neuen Stücken Anregung und Anstoß geben für neue und junge Musikinteressierte, bei uns mitzuspielen", sagt Ulrich Moormann über das Jubiläumskonzert.


Kompositionsauftrag

Bei einem musikalischen Jubiläum ist es außerdem Usus, einen kostspieligen Kompositionsauftrag zu vergeben. Mit dem jungen Komponisten Yannik Helm aus Fulda konnte dies kostenneutral und topmodern verwirklicht werden, war dieser doch lange Moormanns Orgelschüler. Heute studiert Helm in Würzburg und schreibt Werke auch für das Mainfrankentheater. Er studierte mit den Georgibläsern sein neues Werk "Machu Picchu" ein. Er wird das sehr moderne symphonische Werk beim Jubiläumskonzert auch selbst dirigieren.
Standesgemäß wird der gesamte Konzertabend durchgängig von Georgibläsern gestaltet. Zunächst spielt fast ein Dutzend Ehemaliger Ohrwürmer vergangener Konzerte. Die "Georgi-Revival-Bläser" proben seit einem halben Jahr wieder emsig mit. Einige von ihnen wollen wieder regelmäßig im Hauptorchester mitspielen.
Nach der Pause werden traditionell wieder die "Georgi-Kids", die Bläserklasse von Manuela Möller, ihr Können zeigen. Das Hauptorchester wird heuer ausnahmslos moderne symphonische Stücke, darunter einige Filmmusiken spielen. Liebhaber der volkstümlichen Blasmusik werden heuer also etwas enttäuscht sein.