Die Pläne im Dritten Reich waren hochtrabend. Eine dann doch nie fertiggestellte Fernstraße sollte den Norden direkt mit dem Süden des Landes verbinden. Das knapp 70 Kilometer lange Autobahnteilstück "Strecke 46" zwischen Spessart und Rhön, das auch durch den heutigen Markt Zeitlofs führt, wurde in den Jahren 1937 bis 1940 errichtet. Erhalten geblieben sind noch 47 Bauwerke sowie deutlich erkennbare Trassenbereiche. Diese Artefakte bilden Deutschlands längste historische Autobahnruine.

"Die steinernen Zeitzeugen auf unserem Gemeindegebiet lagen die letzten Jahrzehnte in einer Art Dornröschenschlaf", sagt Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU). Das änderte sich aber spontan, als der Rathauschef vor rund anderthalb Jahren mit Dieter Stockmann zu einem Termin in der Gemarkung Rupboden zusammentraf. Stockmann ist ein ausgewiesener Experte in Sachen "Strecke 46" und hat über dieses Thema unter anderem bereits 2002 ein Buch veröffentlicht. Beide waren seinerzeit rund zwei Stunden unterwegs, und Friedrich fand die Führung von Anfang an "hoch interessant und sehr spannend". Er sei ganz begeistert gewesen und habe unter fachkundiger Anleitung Dinge entdeckt, "von denen ich bis dahin absolut nichts gewusst habe".

Mit 100 000 Euro gefördert

So war es für ihn nur folgerichtig, dass sich Zeitlofs kürzlich dem Projekt mit dem Arbeitstitel "Inwertsetzung der historischen Strecke 46" anschloss. "Der Gemeinderat steht voll dahinter", betonte der Bürgermeister. Träger ist der Landkreis Main-Spessart. Weitere Partner der Kooperationsvereinbarung sind die Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte (AGAB) e. V., die Gemeinden Burgsinn und Gräfendorf sowie einige Grundeigentümer. Gefördert wird das Ganze vom Bayerischen Kultusministerium mit 100 000 Euro. Lange Zeit sei laut Friedrich für solche Maßnahmen kein Geld da gewesen. Man könne froh sein, dass die Mittel jetzt freigestellt wurden. Ziel des Projekts, dessen Laufzeit bis Februar 2017 terminiert wurde, ist es unter anderem, Wissen über Lebens- und Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit zu bewahren und auf unterhaltsame Weise weiterzugeben. Die Verantwortlichen wollen mit dem einmaligen Technikdenkmal auch einen Anziehungspunkt über die Grenzen der Region hinaus schaffen.

Der Gemeinde Zeitlofs fällt in der Kooperationsvereinbarung ein klar umrissenes Aufgabenfeld zu. Dieses beinhaltet neben anderen Regularien auch die Durchführung von Umsetzungsarbeiten vor Ort. Konkret heißt das für Friedrich: "Wir müssen die Landschaft aufarbeiten, Anlagen und Wege frei legen sowie diverse Pflegemaßnahmen in der Natur ergreifen und natürlich Informationsschilder an den einzelnen markanten Punkten aufstellen."

Nicht verherrlichen und vergessen

Um eventuellen Kritikern schon im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, betont das Gemeindeoberhaupt schon heute, dass auch die Nazi-Zeit zur Geschichte gehöre. Man wolle nichts verherrlichen, dürfe aber auch nicht einfach alles vergessen. Inzwischen habe es mehrere Gespräche gegeben, was im Zeitlofser Raum im Hinblick auf die "Strecke 46" alles angeboten werden kann. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass das Hauptaugenmerk auf den Rupbodener Bereich gelegt werden soll. Wenn die Grundsteine für die Routenverläufe gelegt sind, kann er sich weitere attraktive Details vorstellen. "Mir schwebt für die Gäste nach der Führung beispielsweise eine Einkehr in den örtlichen Wirtshäusern vor." Einen persönlichen Plan hat Friedrich im Auge: "Nach meiner Amtszeit werde ich mich als Reiseleiter selbst auf der Strecke 46 betätigen."

Historie An der Maßnahme "Strecke 46" waren direkt am Bau zeitweise 4500 Personen beschäftigt. Unter ihnen waren zahlreiche Gastarbeiter, vor allem aus der heutigen Tschechischen Republik. Weitere 4000 Personen waren bei den Zulieferbetrieben angestellt. Wegen des Abzugs von Arbeitern für den Bau des Westwalls, aber auch wegen schlechten Wetters kam der Autobahnbau nicht voran. Nach Kriegsbeginn wurden die Arbeiten im Jahr 1940 eingestellt.

Überlegungen Ab dem Jahr 1948 gab es dann neue Überlegungen zur Fertigstellung der "Strecke 46". Doch die gewonnenen Erfahrungen aus den zehn Jahren Autobahnbau führten doch schließlich zur endgültigen Aufgabe der Autobahntrasse.