Völlig überraschend starb am Wochenende der Wildfleckener Helmut Raab im Alter von 71 Jahren. Raab, der 33 Jahre Geschäftsleiter der Marktgemeinde Wildflecken sowie geschäftsführender Beamter war, engagierte sich vielfältig ehrenamtlich in den Vereinen. Besonders beim SV Wildflecken war er quasi "Mädchen für alles". Für die Saale-Zeitung und die Main-Post übernahm er von seiner Schwester Erna Helfrich, nach deren Tod im April 2000, die ausführliche Berichterstattung aus Wildflecken und Umgebung. Als versierter Kenner der örtlichen Gegebenheiten war er in dieser Funktion ein wichtiges Verbindungsglied zu den örtlichen Vereinen.

Ansprechpartner für alle

44 Jahre betrug seine Amtszeit beim SV Wildflecken. Unter sechs Vorsitzenden war er Schriftführer, teilweise auch zusätzlich Protokollführer. "Wenn man die Ämter mit einer Familie vergleicht, war Helmut die Mutter des Vereins. Er kümmerte sich um alles und hatte auch für jeden ein offenes Ohr", sagte der damalige Vorsitzende Jürgen Peterek.

Durch seine Tätigkeit als Kämmerer bei der Gemeinde hatte Raab zahlreiche Kontakte und Verbindungen zu Regierung und Landratsamt. Er war Ansprechpartner für alles, was Gemeinde und Verein betraf.
Sein beruflicher Weg führte ihn in die Kommunalverwaltung und dort bis zum geschäftsleitenden Angestellten im Wildfleckener Rathaus. Helmut Raab, der im September 2005 in den Ruhestand ging, hat die Marktgemeinde mitgeprägt.

1978 Geschäftsleiter im Rathaus

1970 machte er die Vereinigung der früheren Gemeinden Wildflecken und Neuwildflecken mit. 1978 trug er bereits die Verantwortung als Geschäftsleiter im Rathaus, als bei der Gebietsreform der Nachbarort Oberbach eingemeindet wurde, und der Markt Wildflecken seine heutige Form bekam. Der schnelle Abzug der Amerikaner 1994 und die Einschnitte bei der Bundeswehr ließen im Rathaus die Arbeit nicht ausgehen. Auch der starke Strom von Aussiedlern Mitte der 90er Jahre samt explodierenden und heute wieder schrumpfenden Schülerzahlen gehört dazu. Er selbst war als Kämmerer auf der einen Seite bestrebt, das Geld zusammenzu- halten. Auf der anderen Seite hat sich Raab aber dafür eingesetzt, die Gemeinde lebenswert zu gestalten und Geld für Bibliothek oder Schwimmbad lockergemacht.

In der Gemeindekasse hat Raab seine Laufbahn begonnen. Nach der Lehre bei der Stadt Brückenau arbeitete er zwei Jahre als Kassenverwalter der Kurstadt. Dann hatte der damalige Neuwildfleckener Bürgermeister Helmut Patzke, ein Nachbar Raabs, mit seinem Werben Erfolg. Er holte Raab in die Gemeinde zurück, in der die Familie nach der Absiedelung von Reußendorf heimisch geworden war. In der kleinen Gemeinde musste der Kassenverwalter auch andere Aufgaben übernehmen. Die Flexibilität kam ihm bald zugute. Weil der Posten des Kassenverwalters bei der früheren Gemeinde Wildflecken auch besetzt war, der Kämmerer aber kurzfristig ausschied, übernahm Raab dieses Amt beim Zusammenschluss Neuwildfleckens mit Wildflecken und wurde stellvertretender Geschäftsleiter.

Schon ein Jahr später übernahm er die Leitung der Geschäfte im Rathaus. Vier Bürgermeister hat er erlebt. In Brückenau Egid Trost, dann Helmut Patzke bis zu dessen Tod 1979. Mit Walter Gutmann wurde ein Schulfreund Raabs neuer Chef, mit dem er schon im Vorstand des SV Wildflecken eng zusammenarbeitete. Unter Alfred Schrenk beschloss Raab, der dem öffentlichen Dienst seit 45 Jahren angehört hatte, seine Laufbahn.
Beim SV Wildflecken betreute Raab den Info-Kasten am Sportheim, gab die Vereinsinformationen an das Gemeindeblatt weiter und kümmerte sich um den elektronischen Schriftverkehr. Der Schriftführer arbeitete bei der Gründung der Jugendfördergemeinschaft mit und vieles mehr. Eine seiner ersten Tätigkeiten war das Anlegen eines Archivs. Außerdem fertigte er 1979 und 1984 zum 45- und 50-jährigen Jubiläum des SV jeweils eine Festschrift an. Dies war auch bei der Erstellung der Chronik von Thomas Helfrich sehr bedeutsam. Viele Auszeichnungen erhielt Raab im Laufe der Jahrzehnte, darunter das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt. In all den Jahren hat sich viel getan im Sportverein: Neubau des Sportheims, Sportplatzbau unter Mithilfe der Amerikaner, Errichtung und Erweiterung der Flutlichtanlage, Ausbau des Sportheimsaales, Einbau einer Beregnungsanlage für den Sportplatz und noch einiges mehr.

Requiem am Donnerstag

Das Requiem findet am Donnerstag, 27. November, 14.30 Uhr, im Kirchenzentrum statt, anschließend Urnenbeisetzung auf dem Bergfriedhof.

Helmut Raab hinterlässt eine Frau und drei Töchter. gl