Das Seniorenheim wird zwar gebaut. Die Kosten der Misere trägt aber im Wesentlichen der Steuerzahler. Hintergrund: Auf dem Gelände an der Ernst-Putz-Straße stand früher das Bad Brückenauer Kreiskrankenhaus. Mit dem Bau der Prümmer-Klinik stand das Gebäude lange leer und wurde schließlich abgerissen. Doch für das Grundstück fand sich - wohl vor allem wegen der schwierigen topografischen Lage - kein Investor. Eigentümer des Geländes ist der Landkreis Bad Kissingen.

Schwierige Hanglage

Gleichzeitig plante die Carl von Heß'sche Sozialstiftung, die ebenfalls dem Landkreis gehört, das in die Jahre gekommene Seniorenheim Haus Waldenfels durch einen Neubau zu ersetzen. Dass dieser Neubau nur ein paar 100 Meter weiter entstehen sollte, ist - und bleibt - ein Glücksfall für Bad Brückenau. Es war aber auch ein schlauer Schachzug des Landkreises. So waren - so schien es zumindest - gleich zwei Probleme vom Tisch.

Von Anfang an war klar: Der Neubau in den Hang hinein würde teuer werden. Wie teuer, das konnte damals noch keiner ahnen. Mit großer Energie kratzten die Verantwortlichen an Fördergeldern zusammen, was zu bekommen war. 1,2 Millionen Euro wurden bewilligt. Als Eigenanteil trug die Stadt Bad Brückenau rund 500.000 Euro. Der Kreistag beschloss, für grundstücksbezogene Mehrkosten aufzukommen.

Fördermittel aufgestockt

Dann geriet der Hang ins Rutschen. Allein die Sofortmaßnahmen zur Hangsicherung kosteten etwa eine halbe Million Euro, für rund 1,8 Millionen Euro wurde eine Bohrpfahlwand mitsamt Entwässerungssystem gesetzt. Wegen des Zeitverzugs stiegen zudem die Preise und die Unternehmen reichten zahlreiche Nachträge ein.

Lag die Kostenschätzung beim Baustart bei 18 Millionen Euro, so geht der Bauherr - die Carl von Heß'sche Sozialstiftung - inzwischen von 23,5 Millionen Euro aus. Die Fördergelder seien auf 3,4 Millionen Euro aufgestockt worden, bestätigt Vorstand Marco Schäfer. "Den größten Schaden hat die Stiftung aber selbst." Die Gesamtsumme der Mehrkosten lasse sich noch nicht abschließend beziffern.

Der Landkreis springt ein

Mit der Aufstockung der Fördermittel steigt natürlich auch der kommunale Eigenanteil. "Das konnten wir allein nicht stemmen", erklärt Kämmerer Leo Romeis. Für die Stadt Bad Brückenau sei es beim Eigenanteil von 480.000 Euro geblieben. Den Restbetrag von 880.000 Euro habe der Landkreis getragen, sagt Romeis. Die Brückenauer Rhönallianz ist übrigens finanziell nicht am Neubau von Haus Waldenfels beteiligt. "Die Mitgliedskommunen mussten das Projekt lediglich befürworten", erklärt Romeis.

Die Brückenauer beschäftigt noch eine andere Frage: Werden die Mehrkosten in Zukunft auf die Bewohner umgelegt? Dieser Befürchtung erteilt Vorstand Marco Schäfer eine klare Absage und erneuert die Zusage, die schon Landrat Thomas Bold in seiner Funktion als Vorsitzender des Stiftungsrates gegeben hat: "Die Mehrkosten werden nicht auf die Mieter umgelegt." Der Grund? Das Haus müsse in Bezug auf die anderen Anbieter konkurrenzfähig bleiben.