Eine gute und eine schlechte Nachricht hat Herbert Markert im Gepäck, als er die Kriminalstatistik 2016 präsentiert. Die gute zuerst: Kinder und Jugendliche sind deutlich seltener unter den Tatverdächtigen zu finden. Im Jahr 2013 machten sie noch 20,5 Prozent der Tatverdächtigen aus. 2016 waren es 12,8 Prozent, ein Wert, der nur wenig vom unterfränkischen Durchschnitt von 11,2 Prozent abweicht.

"Das werte ich als Ergebnis sehr guter Arbeit aller, die mit der Er ziehung und Entwicklung von Kindern betraut sind", freut sich Markert, der ab April nach kurzer Pause wieder die Polizeiinspektion (PI) Bad Brückenau leiten wird. Besonders hoffnungsvoll ist er angesichts der Tatsache, dass sehr wenige Kinder auffällig werden. Es sind vielleicht fünf, die ihm Sorge bereiten und dauerhaft auf Abwege geraten könnten.


Rauschgiftszene im Visier

Weniger erfreulich hingegen ist der Anstieg der Straftaten auf 850 Fälle. Damit ist das Niveau von 2012 erreicht. Damals hatte ein Einzeltäter in Wildflecken die Zahlen nach oben getrieben. Diesmal ist es wieder der Markt, der fast ausschließlich für den Anstieg verantwortlich ist: 214 Fälle - 85 mehr als im Vorjahr - nahm die Polizei auf. Der Anstieg ist vor allem bei Körperverletzungen (plus 15), Beleidigungen (plus 23) sowie Sachbeschädigungen (plus 17) spürbar. Auch das Thema Rauschgift ist für den Trend verantwortlich.

"Die hohe Zahl erklärt sich auch durch den erhöhten Kontrolldruck", erklärt Markerts Stellvertreter Jürgen Schmitt. Denn: "Wir arbeiten in Wildflecken im Bereich Rauschgift schon seit längerer Zeit, offen und verdeckt", berichtet Markert von den Ermittlungen. 29 Delikte (2015: 9) registrierte die Polizei, allein elf davon beim Handel mit Drogen.


Unrechtsbewusstsein sinkt

Im gesamten Altlandkreis Bad Brückenau wurden 84 Fälle im Zusammenhang mit Rauschgift bekannt. Als besorgniserregend bezeichnet Markert, dass von 79 Tatverdächtigen 18 Jugendliche gewesen sind. "Das Unrechtsbewusstsein sinkt", sagt er und macht darauf aufmerksam, dass die Diskussion um Legalisierung von Cannabis oder der Konsum vermeintlich legaler Kräutermischungen langjährige Präventionsarbeit gefährde.


Ausländerkriminalität unterm Durchschnitt

In der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers und in den dezentralen Unterkünften im Dienstbereich der Polizeiinspektion (PI) Bad Brückenau lebten 2016 durchschnittlich 232 Personen. 22 der insgesamt 437 Tatverdächtigen im Bad Brückenauer Gebiet hielten sich als Asylbewerber, Kontingent- oder Bürgerkriegsflüchtlinge, Geduldete (zum Beispiel als abgelehnte Asylbewerber) oder unerlaubt im Dienstbereich auf.

Diese fünf Prozent der Tatverdächtigen sind für 4,9 Prozent (32 Fälle) der Straftaten verantwortlich. Dabei ist aber zu beachten: Diese Zahlen beziehen sich nur auf Zuwanderer. Insgesamt fielen 56 ausländische Tatverdächtige der Polizei auf, das entspricht 12,8 Prozent. "Wir liegen damit aber weit unter den Zahlen von Unterfranken und Bayern", fasst Herbert Markert zusammen. Zehn Straftaten sind Körperverletzungen. Fünf Personen aus dieser Gruppe stehen in Verdacht, Diebstähle begangen zu haben, darunter fallen drei Ladendiebstähle. Weitere Delikte sind Beleidigung (5 Fälle), Sachbeschädigung (2) sowie zwei Fälle des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Weitere 34 Ausländer begingen 2016 im Bereich der PI Bad Brückenau Straftaten: Dabei handelt es sich um 22 EU-Bürger und zwölf Personen aus Nicht-EU-Staaten.


Trend bei Diebstahl kehrt sich um

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass im Bereich der Ladendiebstähle von 2015 auf 2016 eine völlige Wende der Tatverdächtigenherkunft eintrat. Wurden 2015 noch 17 Ladendiebstähle von Ausländern und neun von deutschen Tatverdächtigen begangen, so waren in 2016 19 von 27 Tatverdächtigen deutsche Staatsbürger und nur acht hatten eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. 22 Straftaten wurden registriert, bei denen ausländische Personen Opfer von Straftaten im Bereich der PI Bad Brückenau wurden. 21 Fälle davon waren Körperverletzungen. Der Polizeichef weist aber darauf hin, dass diese mehrheitlich auf Konflikte untereinander zurückzuführen seien. Deutsche seien nur in zwei Fällen leicht verletzt worden.

Die Zahl der Zuwanderer an der Gesamttatverdächtigenzahl liegt in Unterfranken bei 8,1 Prozent. Sie begingen 25,5 Prozent der geklärten Straftaten. Bayernweit liegt die Zahl höher, nämlich bei 34,4 Prozent (2015: 31,5 Prozent). Hierbei handelt es sich aber nicht nur um Asylbewerber, sondern um alle Ausländer. Die Zahl politisch motivierter Straftaten lag bayernweit bei 370 Fäl l en, davon 218 rechts, 77 linksmotiviert.


Details aus der Kriminalstatistik


Sexuelle Selbstbestimmung
Sieben Straftaten gegen die se xuelle Selbstbestimmung registrierte die Polizei 2016. Im Vorjahr waren es noch zwölf. Alle Fälle konnten aufgeklärt werden.

Internetkriminalität Straftaten im Internet tauchen oftmals in der örtlichen Polizeistatistik nicht auf, da eine Tat dort erfasst wird, wo sie begangen worden ist. Dennoch nahmen die Polizeiinspektion Bad Brückenau sowie die Kriminalpolizei Schweinfurt 2016 insgesamt 126 Anzeigen auf, bei denen Bürger aus dem Altlandkreis Opfer von Internetkriminalität wurden. 65 Mal hat ten die Täter mit ihrer Masche Erfolg. Dabei entstand Schaden von knapp 30 000 Euro.

Häusliche Gewalt Von jeher eine hohe Dunkelziffer herrscht bei Gewaltanwendung in privatem Kontext. Hier sank die Zahl der Fälle, bei der die Polizei gerufen wird, von 51 (2015) auf 47 (2016)

Gewalt gegen Polizisten Die bundesweit registrierte Zunahme von Aggressionen gegen Einsatzkräfte ist auch in der Region zu beobachten. In 20 Fällen (2015: 19) wurden Polizisten an gegangen. Elfmal blieb es bei Beleidigungen und Drohungen, allerdings wurden insgesamt fünf Beamte verletzt.

Vandalismus Obwohl ein paar der jungen Leute, die für Serien von Vandalismus in der Kurstadt verantwortlich waren, nicht mehr in der Stadt anzutreffen sind, be wegt sich die Zahl der Sachbeschädigungen auf hohem Niveau: 136 Fälle stehen 119 Fällen im Vorjahr gegenüber. Dies bezieht sich auf den gesamten Altlandkreis. In der Stadt waren es 86 Fälle, von denen etwa jeder dritte aufgeklärt wurde.