Der Generationswechsel bei der Führungsspitze der Werksfeuerwehr von Paul & Co in Oberwildflecken ist vollzogen. Der neue Kommandant Marius Stranzik hat nach der Verabschiedung des heutigen Ehrenkommandanten Georg Fuchs im vergangenen Jahr längst die Arbeit aufgenommen und steht gleich vor einigen neuen Herausforderungen.

Wie die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis, so stellt auch die Werksfeuerwehr auf Digitalfunk um. Das erleichtert die Zusammenarbeit mit den Wehren in der Nachbarschaft. "Bei einem großen Ernstfall sind wir natürlich auf die Unterstützung der Kameraden von außen angewiesen", sagte Stranzik, der bei der Jahresversammlung das gute Verhältnis mit den Nachbarwehren ausdrücklich lobte.


Kleiner Schwelbrände

"Das ist keine Selbstverständlichkeit", machte stellvertretender Kommandant Michael Hackl deutlich. Stranzik ließ die Einsätze des vergangenen Jahres Revue passieren. Kleinere Schwelbrände im Bereich der Abfallentsorgung konnten dank der Werksfeuerwehr schnell unter Kontrolle gebracht werden. Traditionell ist die Werksfeuerwehr auch bei Veranstaltungen von Wehren in der Region präsent. In Seminaren hat sich die Werksfeuerwehr mit modernen Einsatztaktiken beschäftigt. "Die zunehmende Verbreitung von Kunststoff macht vielen Feuerwehren ganz schön zu schaffen. Bei Bränden erhöht der Kunststoff die Intensität enorm", sagte Stranzik. An jedem zweiten Samstag im Monat hält die Paul & Co Werksfeuerwehr ihre Übungen ab.

Für alle Werke erarbeitet die Führung der Werksfeuerwehr ein Brandschutzkonzept, das auf die Rahmenbedingungen vor Ort zugeschnitten ist. Auch im firmeneigenen Intranet ist die Werksfeuerwehr mittlerweile vertreten und informiert dort aktuell.


Betriebsbegehung

"Im Ernstfall haben wir nicht die Zeit, um telefonisch Auskunft über die Lage zu geben", machte Stranzik klar. Der Kommandant dankte für die Unterstützung aus den Reihen der Geschäftsleitung. "Auch im Jahr 2016 haben wir noch einiges vor." Geplant ist zum Beispiel eine Betriebsbegehung zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr aus Oberwildflecken. Michael Hackl ging auf die Themen Atemschutz und Drehleiter ein. Gerade beim Umgang mit der Drehleiter werde man auch weiterhin auf die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr setzen. "Diese Kooperation ist für beide Seiten wichtig." Bei einer Alarmierungsübung wolle man in nächster Zeit feststellen, wie schnell das Ausrücken im Einsatzfall funktioniert.


Winterdienst problematisch

Geschäftsführer Manfred Kunert zeigte sich beeindruckt vom kontinuierlichen Engagement der Wehr, auch in der Freizeit der Mitarbeiter. "Die Werksfeuerwehr übernimmt Verantwortung für den Schutz von 470 Arbeitsplätzen", sagte Kunert. "Es ist in der Vergangenheit mehrfach deutlich geworden, wie wichtig der Brandschutz für das gesamte Unternehmen ist."

Kunert machte aber auch darauf aufmerksam, dass der Winterdienst auf der Zufahrtsstraße nach Oberwildflecken nicht ausreichend sei, um im Ernstfall die Unterstützung durch die Wehren in der Nachbarschaft sicherzustellen. Gerade zu nächtlicher Stunde sei es bei starkem Schneefall kaum auszudenken, wenn schwere Rettungsfahrzeuge auf halber Strecke steckenbleiben. Kunert richtete daher seinen Appell an den Landkreis, das bestehende Winterdienstkonzept zu hinterfragen. Ebenfalls kritisch im Ernstfall sei die Mobilfunkversorgung im Ortsteil Oberbach. In der heutigen Zeit sei es kaum noch vertretbar, dass dort große Areale vollkommen vom Handynetz abgeschnitten sind.

Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) hob hervor: "Der neue Kommandant stellt sich der Verantwortung und neuen Herausforderungen. Er macht seine Sache sehr gut." Kleinhenz ging auf die kritische Situation bei der Wasserversorgung im August 2015 ein und sicherte zu, dass solche Engpässe mit der neuen Wasserversorgung für Oberwildflecken künftig ausgeschlossen werden können.


Schnell unter Kontrolle

Rund zwei Millionen Euro investiere der Markt in das neue Versorgungssystem. Der Rathauschef zeigte Verständnis dafür, dass im Sommer vergangenen Jahres die Sorge im Unternehmen groß gewesen ist. "Aber die Lage wurde schnell unter Kontrolle gebracht, sodass keine Gefahr mehr bestand", sagte Kleinhenz, der die Bedeutung der Wasserversorgung für die Produktionssicherheit und den Brandschutz heraushob.


Michael Latus geehrt

Kreisbrandmeister Wolfgang Kenner berichtete von der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis. Auch er stellte die problemlose und langjährige Zusammenarbeit mit der Werksfeuerwehr in den Mittelpunkt. Zudem erläuterte Kenner das Thema Digitalfunk ("das ist ja in aller Munde") und die Ausbildungsmöglichkeiten für Atemschutzträger. Gerade beim Atemschutz greift die Werksfeuerwehr auf die Angebote des Landkreises im Aus- und Fortbildungszentrum in Oberthulba zurück.
Für 20 Jahre aktiven Dienst in der Werksfeuerwehr wurde Michael Latus geehrt.