Die Innenentwicklung ist eines der großen Themen der Kreuzbergallianz, das alle fünf Mitgliedsgemeinden gleichermaßen beschäftigt. Daher fand nun eine gemeinsame Sitzung der Stadt- und Gemeinderäte aus Wildflecken, Bischofsheim, Oberelsbach, Sandberg und Schönau statt. In dieser berichteten Dr. Jochen Karl vom Büro IB Umweltplanung (Staufenberg) und seine Mitarbeiterin, die Innenentwicklungsberaterin der Kreuzbergallianz Margit Trabert, über die bislang getätigten und die weiteren Aufgaben in der Innenentwicklung der Kreuzbergallianz.

Seit 1. Januar 2014 sind Karl und seine Mitarbeiterin für die Kreuzbergallianz tätig. Wie Bischofsheims Bürgermeister Udo Baumann (CSU), der zugleich der Vorsitzende der Kreuzbergallianz ist, eingangs erläuterte, haben alle fünf Mitgliedsgemeinden die gleichen Probleme: "Die Bevölkerung nimmt ab und wir haben große Mühe, Leerstände wieder zum Leben zu erwecken." Bereits 2012 wurde in einem ersten Schritt über die Verwaltungen der einzelnen Gemeinden eine Flächenmanagement-Datenbank angelegt, die von der Innenentwicklungsberaterin in den vergangenen Monaten aktualisiert wurde. Die Daten auf den neuesten Stand zu bringen, habe viel Zeit in Anspruch genommen, erläuterte Karl. "Mittlerweile sind wir auf Stand und können mit den Daten arbeiten." Und hier setze nun die eigentliche Aufgabe der Innenentwicklungsberatung an, die als Anlaufstelle für die Bürger zu verstehen sei. Zu den Aufgaben dieser gehöre die Kontaktaufnahme zu Bau- und Kaufwilligen ebenso wie zu potenziellen Verkäufern. Mit einer kostenlosen Erstberatung trete die Innenentwicklungsberaterin als eine Vermittlerin auf, die Kontakte zu Behörden, Ämtern, Gemeinden und Verwaltungen herstelle. Die häufigsten Anliegen der Bürger ranken sich um Verkauf, Modernisierung, Sanierung, Instandsetzung, des Weiteren ginge es um Fragen wie Abriss und Neubau sowie städtebauliche Fragen, informierte Margit Trabert. Diese Fragen seien fachspezifisch und können je nach individueller Situation ganz unterschiedlich gelagert sein. Fragen nach Sanierungskosten, Immobilienwert, Fördermöglichkeiten, Umbaupotenzial, Unterstützung beim Marketing seien Punkte, die in die aufbauende und weiterführende Beratung einfließen. Diese Fachberatung soll den Kauf-, Bau- und Verkaufswilligen in der Kreuzbergallianz ebenfalls kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Gutscheinsystem erarbeitet

Um dies zu ermöglichen, werde derzeit ein Gutscheinsystem erarbeitet, das noch in diesem Jahr aufgelegt werden soll. Ein entsprechender Förderantrag liege derzeit bei der Regierung von Unterfranken. Die Bereitschaft, die Fachberatung zu bezuschussen, sei bereits in Aussicht gestellt, ergänzte Bürgermeister Baumann. "Bislang gibt es in ganz Unterfranken und sogar bayernweit kein vergleichbares Projekt. Die Kreuzbergallianz ist ein Vorreiter." 60 Prozent staatlicher Zuschuss werde erwartet, den Restanteil müsse jede Kommune selbst übernehmen.

Auch wenn der Bewilligungsbescheid noch nicht vorliege, sei es doch jetzt schon sinnvoll und wichtig, auf die Möglichkeiten der Innenentwicklung aufmerksam zu machen, intensiv in der Bevölkerung ins Gespräch zu bringen und zu ermuntern Kontakt mit der Innenentwicklungsberaterin aufzunehmen, darüber waren sich Karl wie auch Bürgermeister Baumann und Trabert einig. Letztere sprach von bisher 23 verschiedenen Anfragen und Kontakten, doch eine Weitervermittlung zur Fachberatung habe bislang nicht stattfinden können. Im Moment könne aber schon darauf hingewiesen werden, dass das Gutscheinsystem kommen wird. Nach der Sommerpause soll es soweit sein. Um in den Genuss des Fachberatungsgutscheins zu kommen, müssen bestimmte Regularien erfüllt werden: Das Gebäude muss mindestens zwölf Monate leer stehen und vor 1960 erbaut worden sein. Oder es handelt sich um eine Baulücke im unbeplanten Innenbereich bzw in einem vor 1995 erschlossenen Bereich. Je nach Lage und Situation, ob im Altort oder Baudenkmal werden unterschiedliche Stunden für die Beratung zur Verfügung stehen.

Nur Privatpersonen beraten

Die Beratung richtet sich ausschließlich an Privatpersonen und werde nicht auf Geschäftsbetriebe ausgedehnt. Friedbert Herleth von der Sparkasse Bischofsheim verwies auf die Notwendigkeit Gebäude, beispielsweise nach einem Todesfall zügig zu vermarkten. Hier greife die Beratung der Kreuzbergallianz nicht.
Aufgrund des zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmens habe die Kreuzbergallianz entschieden, sich auf die großen Problemfälle, die langfristigen Leerstände, zu konzentrieren, erklärte Karl. "Jede Kommune kann bei Bedarf die Beratung trotzdem zur Verfügung stellen und die Kosten selbst übernehmen", erklärte Jürgen Eisentraut vom Amt für ländliche Entwicklung. Jürgen Eisentraut sieht im Projekt Innenentwicklung ein großes Potenzial und verwies auf die gut 50 bis 60 Beratungen in den Walddörfern, die über die Dorferneuerung bereits getätigt wurden, ähnliches gelte für Oberweißenbrunn, wo auch die Dorferneuerung greife. Doch der Erfolg der Innenentwicklung lasse sich nicht an Zahlen und Beratungen festmachen, machte er deutlich. Es sei ein zeitaufwändiges Projekt, das zum Großteil von der Bereitschaft der Bürger zur Mitarbeit abhänge.