Diakon Horst Conze sitzt am Tisch von Familie Garcia in der Flüchtlingsunterkunft in Schondra. Sie planen die Taufe von Baby Liz Emely, der jüngsten Tochter, die Anfang Januar geboren wurde. Doch die Gesichter sind betrübt. Nicht wegen der Taufe, sondern wegen des bevorstehenden Umzugs nach Zeitlofs. "Ganz besonders trifft es Lizmary, die hier in der Grundschule voll intergiert ist und Freunde hat", sagt Conze. Erst letztes Jahr hat die Elfjährige in Schondra die Kommunion empfangen. Die Taufe - sagt die Familie - wollen sie trotzdem hier machen, auch wenn sie bis dahin nicht mehr hier wohnen dürfen. Denn Ende März wird die Unterkunft im ehemaligen Möbelhaus Ankenbrand geschlossen.

Für die Unterbringung der Flüchtlinge ist die Regierung von Unterfranken zuständig. "Derzeit werden nach und nach die sogenannten ,dezentralen Unterkünfte' auf Wunsche der Regierung von Unterfranken geschlossen", sagt Pressereferentin Lena Pfister vom Landratsamt Bad Kissingen. Das Landratsamt selbst ist für die Anmietung der Unterkünfte zuständig. Bereits Ende Dezember wurde die Unterkunft in Wernarz geschlossen. "Weitere Unterkünfte im Raum Bad Brückenau sind allerdings noch so belegt, dass eine Schließung nicht möglich ist", fügt Pfister hinzu.

Der erste Grund für die Schließung ist offensichtlich: der Rückgang der Flüchtlingsströme. Die Regierung von Unterfranken gibt dazu weitere Auskünfte: "Umsteuerung ist das konkrete Stichwort", sagt Pressesprecher Johannes Hardenacke. Seit April 2016 sei die Regierung damit beschäftigt, die vielen kleinen Unterkünfte zugunsten einer Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften (GU) zurückzufahren, deren Kapazitäten entsprechend ausgebaut werden. "Hintergrund sind organisatorische und finanzielle Optimierungen der Asylbewerberunterbringung", ergänzt Hardenacke. Für die GU Volkers gebe es demnach keine Schließungspläne, denn mit aktuell 64 Personen ist die Unterkunft gut belegt.


Näher am Arbeitsplatz

Und was ist mit den verbliebenen Flüchtlingen in Schondra? Die derzeit 16 Flüchtlinge werden auf bestehende Unterkünfte verteilt, lautet die Auskunft von Pressereferentin Pfister. "Bei der Verlegung wird darauf geachtet, dass bestehende Arbeitsverhältnisse bestehen bleiben können." Für Familie Garcia aus Kuba heißt das, sie werden noch näher an der Arbeitsstelle von Yoansy Garcia in Weißenbach wohnen. Ein Pluspunkt ist das allemal, findet die Familie, "doch die soziale Integration leidet", fügt Conze hinzu. "Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden", sagt Tochter Lismary traurig, die für die Familie übersetzt.


Auch Zurückhaltung erlebt

Diakon Conze zieht Bilanz aus den letzten zweieinhalb Jahren Flüchtlingsarbeit in Schondra. Denn kurz bevor es im Oktober 2014 losging mit der Unterbringung, absolvierte er eine Fortbildung im Asylrecht, die ihn zumindest teilweise auf die Flüchtlinge vorbereitete. "Zuerst kamen viele Wirtschaftsflüchtlinge vom Balkan zu uns", sagt er. Diese mussten teilweise ein Jahr auf ihr Interview in Zirndorf warten, um dann ein dreiviertel Jahr später abgeschoben zu werden. "Da kann ich den Ärger in der Bevölkerung durchaus verstehen, die sich ein schnelleres Verfahren gewünscht hätte", fügt er hinzu und "schließlich kamen Afghanen und Syrer zu uns, die durchweg froh waren, am Leben zu sein und dankbar, dass sie hier aufgenommen wurden." Die Reaktionen aus der Bevölkerung "waren meistens neutral bis positiv", sagt Conze. Auch Zurückhaltung habe er oft erlebt, fügt er an.

"Die Kommunikation und Abstimmung mit dem Landratsamt lief sehr gut, doch sobald es eine Stufe weiterging, fingen die Probleme an", sagt er zur Zusammenarbeit mit den Ämtern. "Und auch in Schondra wurde ehrenamtlich viel auf die Beine gestellt, beispielsweise Deutschunterricht, ein Begegnungsfest und drei Bürgerabende wurden angeboten", lobt Conze ausdrücklich die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. Letztendlich würde er es jederzeit wieder machen, überlegt Conze, denn "wer, wenn nicht wir, sollte den Flüchtlingen helfen?", meint er.