Prinz Matthias II. von der ersten großen Bad Brückenauer Karnevalsgesellschaft trägt im 60. Jahr nach deren Gründung den Beinamen "der ökumenische Saunatänzer aus königlichem Haus". Da stellt sich die Frage, was denn ein kirchlicher Begriff wie Ökumene in einem närrischen Titel zu suchen hat.

Der Prinz, Matthias Grief, der im Dorint Kurhotel im Staatsbad im Management angestellt ist ("aus königlichem Haus") und der ein begeisterter Saunagänger und Gardist der Prinzengarde ist, ist vor allem in seiner Heimatgemeinde, der Pfarreiengemeinschaft "Obere Rhön" als Pfarrgemeinderatsmitglied sehr stark in der Ökumene aktiv.

Als überzeugter und aktiver Christ war es ihm wichtig, auch in Bad Brückenau den Bezug zwischen Kirche und Fasching, zwischen Glauben und Narretei herzustellen. In Städten wie Würzburg oder Fulda ist dies bereits langjährige Tradition.

"Als ich Pfarrvikar Norbert Wahler angerufen habe und ihm meinen Wunsch nach einem Faschingsgottesdienst unterbreitet habe, war er sofort begeistert. Es war dann sein Gedanke, diesen Gottesdienst ökumenisch zu gestalten", berichtet Matthias Grief, der nicht nur Initiator des Gottesdienstes war. Er hat auchh maßgeblich dessen Gestaltung geplant und die auf die Karnevalsgesellschaft und das örtliche Faschingsbrauchtum abgestimmten Fürbitten verfasst.

In vollem Ornat, angeführt von der Standarte der Gesellschaft zog das närrische Volk gemeinsam mit den beiden Geistlichen in das gut gefüllte Kirchenschiff der Stadtpfarrkirche ein.

Sitzungspräsident Dieter Seban begründete in seinen einleitenden Worten den Sinn dieses Gottesdienstes: "Anscheinend ist der Wunsch des Menschen, der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten, mal in eine andere Rolle zu schlüpfen, ein wenig Schabernack zu treiben, ein anderer Mensch zu sein, oder einfach mal die Sorgen und Nöte des Alltags hinter sich zu lassen tief in uns verwurzelt". Genauso tief verwurzelt wie das religiöse Streben der Christen, dem Bindeglied wohl zwischen den beiden doch scheinbar so großen Gegensätzen.

Der evangelische Pfarrer Gerd Kirchner fand in seiner packenden Predigt zahlreiche weitere Bindeglieder und Spannungsbögen zwischen Glauben und der Faßnacht. Er sagte: "Euer Ordensgeklimper vor der Brust erinnert mich an die Glocken des Herzens, Fasching ist euch Herzensangelegenheit", dabei zeigte er stolz seinen Faschingsorden in die Runde, der ihm vor der Lesung gemeinsam mit dem Pfarrvikar mit zahlreichen Küsschen von der Prinzessin verliehen wurde.

Kulturgut erhalten, Kraft schöpfen

Kirchner machte deutlich, dass die Narren nicht die Kirche wegen des "Halligallis suchten", sondern um Kraft zu schöpfen für die Zukunft des Brauchtumsvereins und wie es Dieter Seban in seiner Eröffnung formulierte: "Wir möchten uns in dieser Stunde an all die Menschen erinnern, die diesen Verein gegründet, und an jene die ihn in verantwortlicher Position geleitet haben. In all den Jahren seit der Gründung haben hunderte von Mitgliedern über Generationen hinweg durch ihre unermüdliche ehrenamtliche Arbeit dafür gesorgt, dass uns dieses Kulturgut erhalten bleibt. Wir danken ihnen für ihre Arbeit, denn ohne sie stünden wir heute nicht hier."

Über das katholische Dreikönigsfest mit seinen Weihrauchgaben spannte Kirchner den Bogen über die zeremonienreiche orthodoxen Kirche und ihrem Ikonenkult, die eine Art der Verwandlung oder Maskierung darstellt hin zum Maskennutzen im Fasching. "Keiner von uns lebt ohne alltägliche Masken, tragt diese stets bewusst, auch die Masken im Fasching", mahnte Kirchner. "Spielt mit euren Masken und findet dahinter das Gute in euch und den Mitmenschen", so sieht er im Spiel der Masken ein Wunder der Verwandlung der Menschen.

Selbst Nichtkirchgänger und Konfessionslose zeigten sich nach dem Gottesdienst beeindruckt und begeistert. "Ich hatte Gänsehaut danach", so der Ordenskanzler Thomas Haubold. "Ich denke, wir werden im nächsten Jahr wieder einen thematisch zum Fasching gehörenden Gottesdienst in Brückenau feiern", versprach Prinz Matthias, der mit diesem Gottesdienst der Ökumene und der Sinnhaftigkeit des närrischen Treibens gute Dienste geleistet hat.

Diese Sinnhaftigkeit wird die Gesellschaft auch bei den Auftritten in den Altenheimen der Stadt präsenterien. Ganz im christlichen Sinn werden hier die älteren Mitbürger wie selbstverständlich in die fünfte Jahreszeit mit integriert, beispielhaft für viele andere.