Michael Herbert sieht sehr zufrieden aus, als er den Blick über die zahlreichen Ordner schweifen lässt, die er auf dem Tisch vor sich aufgereiht hat. Sie enthalten die Chronik der Bad Brückenauer Polizei, alle außergewöhnlichen Ereignisse aus dem Polizeialltag, sorgfältig abgeheftet und beschriftet. Herbert darf stolz sein, denn im Laufe der Zeit hat er einen beträchtlichen Teil dazu beigetragen: Seit 1998 sammelt er Fotos, Einsatzberichte, Statistiken, verschiedene Unterlagen und Zeitungsartikel und füllt damit jedes Jahr einen Ordner. "Ich hatte schon aus meinem Schützenverein Erfahrung mit dem Führen einer Chronik, deshalb habe diese Aufgabe übernommen", erzählt Michael Herbert. "Und Spaß macht es außerdem auch." So ist es auch kein Problem für ihn, die arbeitsintensive Chronik noch neben seinen anderen Verpflichtungen bei der Polizei zu pflegen.
Eigentlich ist Michael Herbert nämlich Schwerpunktsachbearbeiter für Asyl, Waffen und Umwelt und kümmert sich um Ermittlungsersuche von Behörden. Vorher war er 20 Jahre lang als stellvertretender Dienstgruppenleiter tätig und hat so selbst schon viel erlebt.


Auch skurrile Geschichten

Einen Eintrag in die Chronik bekommt alles, was auf irgendeine Weise außergewöhnlich ist. "Nicht so schön ist es natürlich, schwere Unfälle oder Gewaltverbrechen zu dokumentieren. Das geht einem nahe, und man fühlt sich hilflos. Aber es gehört eben leider dazu", berichtet der Chronist, während er durch die Seiten blättert. "Da freut man sich doch, wenn es auch immer mal was zum Schmunzeln gibt." Und davon gibt es eine ganze Menge: Im Ordner von 1998 findet sich zum Beispiel die skurrile Geschichte von 12-jährigen Zwillingsmädchen aus Kothen, die mit Papis Auto einfach mal Richtung Süden durchbrannten und so die Hessische und Bayerische Polizei ganz schön in Atem hielt.


Pferd eingefangen

Lachen muss Michael Herbert auch über einen Bericht von 1996. Er beschreibt den wagemutigen Einsatz eines Polizeibeamten, der ein ausgebüxtes Pferd, das auf der Straße am Hammelburger Berg herumtrabte, "mittels eines alten Cowboytricks" wieder einfing und so die Gefahr bannte. Manchmal kommen auch Anordnungen von der Direktion, die einfach festgehalten werden müssen. So wurden die Beamten kurz vor der Sonnenfinsternis im August 1999 darauf hingewiesen, dass der Tag trotz der Dunkelheit nicht als "Dienst zu ungünstigen Zeiten" gezählt werden kann. Ganz besonderen Einsätzen wie der Sprengung der Sinntalbrücke werden dann auch entsprechend viele Seiten gewidmet.


Personelle Veränderungen

Ein wichtiges Element der Chronik sind außerdem organisatorische und personelle Veränderungen in der Polizeiinspektion. So kann man zum Beispiel heute noch nachvollziehen, dass 1994 die erste weibliche Polizistin ihre Ausbildung in Bad Brückenau absolvierte. "Manchmal kommen auch Kollegen zu mir und sagen: ,Ich hab da was für dich!‘", erzählt Herbert. Dann finden auch mal Zitate aus dem Dienstalltag, die legendären Aprilscherze der Bad Brückenauer Polizei oder lustige Geschichten aus der Nachtschicht einen Platz in der Chronik. Das unterscheidet die jüngeren Aufzeichnungen von denen aus früheren Zeiten: "Heute ist das alles etwas lockerer, wenn auch immer noch sorgfältig und korrekt. Damals hat man stark auf Sachlichkeit beim Dokumentieren von Vorfällen geachtet", weiß Dienststellenleiter Herbert Markert, denn es ist noch Material vorhanden, das bis in die Anfangszeit der Polizeiinspektion zurückgeht. Teilweise bis 1946, als die Dienststelle in Bad Brückenau als sogenannte Landpolizei-Bezirksinspektion gegründet wurde und so die nach dem Krieg provisorisch aufgestellte Notpolizei ablöste. Das ist heuer genau 70 Jahre her.


40-jähriges Jubiläum

Von 1970 bis 1989 gibt es eine Lücke in der Chronik; da aber in dieser Zeit eine allgemeine Umstrukturierung bei der Bayerischen Polizei stattfand, kann sich Herbert Markert noch über ein weiteres Jubiläum freuen: "Die Inspektion, wie sie heute organisiert ist, gibt es seit 1976, also genau 40 Jahre."