"1954 bin ich in Würzburg geboren und jetzt, 60 Jahre später, wünsche ich mir, dass Deutschland wieder Weltmeister wird", erzählte Wilhelm Friedrich am Tag des historischen Halbfinales gegen Brasilien. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Die Nationalmannschaft machte ihm sein größtes Geschenk. Bereits vor 24 Jahren, auch damals gewann Deutschland 1:0 gegen Argentinien, begann Friedrich seine politische Karriere im Markt Zeitlofs. Von 1990 bis 1996 saß er noch im Gemeinderat. Anschließend kandidierte er erstmals für das Bürgermeisteramt und gewann die Wahl. Es folgten vier weitere Wahlsiege - zuletzt ohne Gegenkandidaten.

"Meinen Wahlauftrag werde ich noch erfüllen", sagt Wilhelm Friedrich. Wie es danach weitergeht, lässt er allerdings offen. Immerhin hat seine vierte Amtsperiode auch gerade erst begonnen. In den kommenden sechs Jahren will er die Straßen- und Liegenschaftssanierungen in der Gemeinde weiter voranbringen. "Mir ist wichtig, dass der Staatsstraßenbau vorangeht, gerade im Bezug auf die Bahntrasse", sagt Friedrich. Der Ausbau der Ortsdurchfahrt Zeitlofs liegt seit dem andauernden Anhörungsverfahren zwischen dem "Förderverein Hessisch-Bayerische Sinntal-Kreuzbergbahn" und der "Deutschen Bahn" weiter auf Eis. Das ärgert den Bürgermeister, der den Straßenausbau in der jetzigen Amtsperiode unbedingt noch auf den Weg bringen will.

Aber auch so werden die Sanierungsarbeiten in der Gemeinde nur Schritt für Schritt erfolgen und nicht komplett an einem Stück. Das hat hauptsächlich finanzielle Gründe: "Wir werden dafür keine neuen Schulden aufnehmen." Schulden sind ein wichtiges Thema in der Gemeinde. Erstmals in seiner 18-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister sank die Pro-Kopf-Verschuldung in der Gemeinde unter 1000 Euro.

Gemeinde gut aufgestellt

Aber auch so ist die Gemeinde gut für die Zukunft aufgestellt. "Die Infrastruktur, das Vereinsleben und das Rundherum passt einfach", freut sich Friedrich. Bäcker, Metzger, Arzt und zahlreiche Handwerksbetriebe haben sich in der Gemeinde niedergelassen. "Hut ab vor den Leuten, die diese Möglichkeiten auch annehmen", sagt Friedrich. "Wir sind keine reiche Gemeinde, aber mit klarem Verstand haben wir bisher auch die schwierigste Aufgabe bewältigt", schaut Friedrich auf seine Zeit als Bürgermeister. Außer bei der Entscheidung über die damaligen Abwasseranschlüsse in Detter und anderen Orten der Gemeinde blickt er etwas wehmütig zurück. "Das würde ich heute anders anpacken", gesteht Friedrich. "Aber es war richtig, dass sich die Gemeinde durchgesetzt hat und eine zentrale Lösung gefunden hat", sagt er. Ansonsten steht aber der Dialog mit dem Bürger für Friedrich an oberster Stelle. In seiner Freizeit hat Friedrich gerne Freunde um sich herum. So gehört zum Beispiel der Sonntagabend-Stammtisch schon zur festen Tradition. Auch im Kultur-, Sport- und Gesangsverein ist er Mitglied. "Die Leute, die die Vereinsarbeit unterstützen, die sind wichtig. Das sind die Macher", kons tatiert der Bürgermeister. Aber auch Nordic Walking, Fahrradfahren und ausgiebige Spaziergänge in familiärer Begleitung zählen zu seinen Hobbys. Und er betont: "Ich bin Bürgermeister mit Leib und Seele, auch wenn der Beruf nicht familienfreundlich ist."