"Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meinen 73 Jahren noch einmal in solch entlegene Ecken dieser Welt komme", resümiert Schäfer nach seiner Rückkehr. "Fast jeden Tag habe ich neue Dörfer entdeckt, die von Armut, Not und Elend geprägt waren." Und trotz dieser schwierigen Umstände seien ihm die Menschen überall mit warmer Herzlichkeit und großer Gastfreundschaft begegnet. Die Frauen, Männer und Kinder hätten sich bei allem Unbill eine bewundernswerte Würde bewahrt "und sind auf ihre ganz eigene Art und Weise zufrieden".

Zustande gekommen war die Reise auf Empfehlung von Father Napoleon Savariraj, seines Zeichens Sekretär des Erzbischofs von Pondicherry. Der Geistliche hält sich momentan zu Studienzwecken in Würzburg auf. Gleich auf der ersten Station seiner Tour in Hyderabad traf Schäfer auf seinen alten Freund Papaiah Raaddimus. Dieser war seinerzeit als erster indischer Priester überhaupt in der Pfarrei Bad Brückenau tätig gewesen. Selbst Erzbischof Antony Anandarayar hatte es sich nicht nehmen lassen, den Gast aus Bayern zu begrüßen. "Da Seine Eminenz auch schon häufiger in Deutschland gewesen war, gab es keinerlei Sprachschwierigkeiten", erinnert sich Schäfer an die reibungslose Kommunikation.


Vom Bus aufs Mofa

Im kleinen Kreis wurde für die kommenden drei Wochen ein umfangreiches Programm ausgearbeitet, das es in sich hatte. Dabei kam Schäfer in den "Genuss" ganz unterschiedlicher Beförderungsmittel vom Bus mit winzigem Schlafabteil ("Ich fühlte mich wie in einem Sarg") bis hin zum kaum noch verkehrstauglichen Mofa, wo er auf dem schmalen Soziussitz mitfuhr. "Diese Strapazen hatte ich angesichts der vielfältigen Eindrücke, die dann folgen sollten, aber schnell vergessen", erinnert sich der 73-Jährige.


Überall wird Hilfe gebraucht

Und die gesammelten Impressionen waren wirklich enorm. So lernte er nicht nur intensiv Land und Leute kennen, der Rhöner betreute während seines Aufenthalts in Asien auch Klein- und Schulkinder aus armen Familien in den Missionsstationen Sepakkam und Nolambi sowie Seniorinnen und Jugendliche in der Pfarrgemeinschaft Vridachalam. Gekümmert hat er sich darüber hinaus um Menschen mit verschiedenen Behinderungsgraden im Dekanat Gingee und um Mädchen und Jungen von an Aids erkrankten Eltern im Kinderheim Arul Ashram. Diverse Abstecher führten ihn außerdem ins Flüchtlingslager nach Keezhputhupattu, an die Famita-Hochschule in Vridachalam und an eine Grundschule in Gingee. "Beim Besuch der Slumbewohner und Obdachlosen in der Stadt Pondicherry standen mir die Tränen in den Augen", blickt Schäfer ergriffen zurück. "Solches Elend hatte ich noch nirgends auf der Welt gesehen."

Im Gepäck hatte der Gast wieder kleinere Präsente, die er bei passender Gelegenheit verteilen konnte. Die indischen Kirchenvertreter freuten sich besonders über eine finanzielle Spende, die Schäfer bei seinen Mitbürgern in der Heimat eingesammelt hatte. Dieses Geld soll zum Aufbau eines farbigen Glockenturms eingesetzt werden.


Beeindruckt vom Brückenauer

Erzbischof Anandarayar zeigte sich beeindruckt, wie der 73-jährige Bad Brückenauer seine "pastoralen, pädagogischen und medizinischen Dienste für die Kinder und die älteren Leute in den Missionsstationen unserer Erzdiözese ausgeübt hat". Es sei eine Freude gewesen, auf welche engagierte Art und Weise Schäfer seine Lebenskraft und Berufserfahrung in etliche Projekte eingebracht habe. Gelobt wurde in diesem Zusammenhang auch sein sehr gutes Einfühlungsvermögen in die indische Kultur und Lebensweise.

Vor diesem Hintergrund hat der geistliche Würdenträger bereits jetzt für den März 2017 eine erneute Einladung nach Indien ausgesprochen. Schäfer könnte dann die örtlichen Verantwortlichen der Missionsstationen Velangatur und Nolambi beim Kapellenbau unterstützen. "Ich freue mich schon heute auf diese Aufgabe, die bestimmt wieder mit einigen ganz neuen Herausforderungen verbunden ist", sagt der agile Senior.