An der Tür steht "Tür", an der Tafel das Datum von heute. "Vier Kiwis, zwei Orangen, eine Ananas", sagt Bernhard Schmitt. "Vier Kiwis, zwei Orangen, eine Ananas", wiederholen die Flüchtlinge. Besonders das Wort "Orange" fällt ihnen schwer. Zwei Frauen, beide mit Kopftuch, und drei Männer sitzen konzentriert am Tisch - auf Kinderstühlen, denn der Unterricht finden in der Grundschule statt.


Pünktlichkeit war anfangs ein Problem

"Die ganze Atmosphäre ist anders, die Ernsthaftigkeit wird mehr betont", erklärt Schmitt, warum er will, dass die Asylbewerber in die Schule kommen. Eine Stunde pro Tag, vier Tage die Woche unterrichten er und Erik Duschek, Sozialpädagoge im Kinderdorf Riedenberg, die Neuankömmlinge. "Pünktlichkeit war am Anfang ein Problem", sagt Schmitt. "Das hat sich sehr gebessert, seitdem die Afghanen da sind. Die kommen weit vor der Zeit."

30 Asylbewerber leben aktuell in der Unterkunft, davon 14 Kinder. Es sind hauptsächlich Syrer, zwei afghanische Familien gehören ebenfalls dazu. Erst im Mai wurde über einige Anträge entschieden: Fast die Hälfte der Flüchtlinge im Haus darf nun ausziehen und den Integrationskurs in Bad Brückenau besuchen, berichtet Lucia Schmitt vom Caritasverband für den Landkreis Bad Kissingen. Für die, die noch warten, gibt es den Deutschunterricht in der Grundschule. "Schneiden", sagt Bernhard Schmitt und hält ein Bild hoch, das eine Kiwi und ein Messer zeigt. Marwa Alali aus Syrien steht auf und befestigt das Blatt an der Tafel.


Flüchtlinge haben unterschiedliches Bildungsniveau

Die junge Frau ist 23 Jahre alt und Mutter von zwei Töchtern. Ihr Mann ist mit den Kindern in der Unterkunft geblieben. In ihren Augen steht eine positive Erwartung auf ein gutes Leben in Deutschland. Sie blättert in einem Wörterbuch, sucht das Wort "Friseurin". Das sei ihr Beruf in Damaskus gewesen, sie wünsche sich, in Deutschland Arbeit zu finden.

"Ich erlebe es nicht so, dass die Frauen unterdrückt werden", sagt Christiane Carton, die ebenfalls zum Helferkreis gehört. Der Hausbesitzer hat sie auf Stundenbasis für die Betreuung der Flüchtlinge angestellt. Sie sagt aber auch, dass sie die Frauen ermutige, allein mit dem Bus nach Bad Brückenau zu fahren. "Das müssen sie lernen." "Die Bildungsunterschiede sind groß", ergänzt Stefan Schmitt, der den Fahrdienst organisiert. Die Integration von Menschen, die weder lesen noch schreiben können, sieht er als die größte Herausforderung an.

"Der große Vorteil ist, dass es Familien sind", sagt Joachim Hartling, der den Helferkreis koordiniert. Keinen einzigen Vorfall habe es mit den Flüchtlingen gegeben, seitdem die ersten im Frühjahr 2015 ankamen. Nur dass die Kinder ausgelassen mit ihren Rädern auf der Straße fahren, mache den Anwohnern Sorgen, berichtet Bernhard Schmitt. Helme gebe es in der Unterkunft, nur das Bewusstsein, sie auch aufzusetzen, fehle.


Nicht nur positive Signale

Anfangs kamen viele Kosovaren nach Riedenberg. Sie sind nicht mehr da - manche reisten freiwillig zurück in ihre Heimat, andere wurden in das sogenannte Balkanzentrum in Bamberg gebracht. Die Flüchtlinge, die nun in Riedenberg leben, haben überwiegend eine gute Bleibeperspektive. "Der ein oder andere würde schon hierbleiben, gerade Familien mit Kindern", schätzt Lucia Schmitt vom Caritasverband die Situation ein. Nun werde Wohnraum gesucht. Wer etwas anzubieten hat, kann sich jederzeit bei der Verwaltungsgemeinschaft oder beim Helferkreis melden.

"Es läuft gut, wir bekommen Unterstützung von allen Seiten", freut sich Joachim Hartling über die gute Zusammenarbeit mit Bürgern, Gemeinde und Landkreis - auch wenn sich der Kern der Helfer auf sechs bis acht Leute beschränkt. Dass es auch andere Meinungen zur Flüchtlingspolitik gibt, ist den Ehrenamtlichen bewusst. "Die Mehrheit schweigt", sagt Hartling. Dass die Helfer keinen Gegenwind bekommen, wertet er als positiv. Und noch etwas findet er gut: "Dass 30 Personen in einem Haus so gut miteinander auskommen, ist für mich nicht selbstverständlich."