Viele der Kisten im Museumsdepot sind seit 19 Jahren nicht geöffnet worden. Zudem ist durch den Umzug vom Rathaus in die Musikschule einiges durcheinandergeraten. Otto Leidenberger und Hans Dietrich Unger haben sich freiwillig gemeldet, um wieder Ordnung zu schaffen. Damit werden sie in den nächsten Wochen und Monaten gut zu tun haben. "Wir überlegen, ob wir einen Turnus einplanen", sagt Leidenberger. "Es muss so organisiert sein, dass einer notfalls alleine arbeiten kann", meint Unger.
Bei ihren Sortierarbeiten müssen sie jedoch vorsichtig sein. Denn manche Stücke bergen Verwechslungsgefahr. So zum Beispiel eine Stichwaffe, die als bayerischer Säbel gekauft worden war. Angeblich kam er aus Thüngen. Doch Roland Heinlein vom Kulturbüro hatte da so seine Zweifel und fragte einen Experten. "Ein Besucher, der sich auskennt, wusste genau, was das ist", erzählt er. Der Experte stellte fest, das es sich bei der Waffe um einen Tulwar handelt - einen indischen Säbel. Einen bayerischen Säbel der Kaisergarde gibt es im Museumsdepot aber auch (siehe Fotos).

Die Arbeit beginnt

Otto Leidenberger und Hans Dietrich Unger haben sich einiges vorgenommen. Sie werden die rund 4000 Gegenstände in Augenschein nehmen und einordnen. Sie vergleichen die Stücke mit den vorhandenen Listen, begutachten den jeweiligen Zustand, fotografieren und versuchen zu bestimmen, aus welcher Zeit die Stücke stammen. Ihre Erkenntnisse speichern sie dann mit Hilfe eines Computerprogrammes. Mittelfristiges Ziel der Aufräumaktion ist eine Ausstellung im Jahr 2016.

Vorerst gibt es nichts zu sehen

1988 waren die Museumsstücke noch in der ganzen Stadt verstreut. Unter anderem waren sie im Bauhof, im ehemaligen Schlachthof und im Keller der Musikschule eingelagert. 1996 kamen sie dann ins alte Rathaus, wo sich immer noch ein Teil der Sammlung befindet. Schon vor dem Umzug vom Rathaus in die Musikschule war einiges durcheinander. "Im Moment ist keine Ausstellung möglich, weil ich nicht genau weiß, wo ich was finde", sagt Roland Heinlein.
Zum Jubiläum im nächsten Jahr - der 200-jährigen Zugehörigkeit Bad Brückenaus zum Freistaat Bayern - soll sich das jedoch ändern. Zu den unterfränkischen Kulturtagen wollen die Mitarbeiter des Museumsdepots eine Ausstellung organisieren. Genaueres steht aber noch nicht fest.
Bis es eine Ausstellung geben kann, müssen erst einmal alle Gegenstände archiviert werden. Dafür wird zunächst der Zustand bewertet und dann nach einer geeigneten Verpackung gesucht. "Kartons vom Baumarkt können wir nicht nehmen", sagt Hans Dietrich Unger. Dafür brauche man spezielle Archivkartons.

Die Pflege

Die Restauration der Museumsstücke hält sich in Grenzen. "Man sollte so wenig wie möglich machen", erläutert Roland Heinlein. Es sei schon vorgekommen, dass Gegenstände beispielsweise bemalt wurden und dadurch historisch wertlos geworden sind. Es gehe daher mehr um Konservierung. Allein bei Rost- oder Wurmbefall müssen die Mitarbeiter des Museumdepots einschreiten.

Der Wert

Verkaufen ließen sich viele Stücke aus dem Depot wohl nicht. "Der ideelle Wert steht im Vordergrund", betont Heinlein. Es handelt sich um schöne Gegenstände aus der Gegend, die etwas Besonderes sind, weil sie einen lokalen Bezug haben. Im Moment werden nur kleine Gegenstände aufgenommen. Vor allem Bilder sind im Museumsdepot gerne gesehen. "Denn die Aufbewahrung ist einfach."