War der Angeklagte in der Tatnacht am Schwarzen Meer oder auf der Wasserkuppe? Das war die Frage, die vor dem Amtsgericht Fulda geklärt werden musste. Vier Zeugen, extra aus Rumänien eingeflogen, sollten Licht ins Dunkel bringen. Der Angeklagte betreibt ein Ferienhaus am Schwarzen Meer - zwei der Zeugen sind Angestellte von ihm, die anderen Stammgäste. Alle vier sagten, dass sie ihn Ende Juli 2011 täglich dort gesehen hätten.

Das Problem: Im gleichen Zeitraum, in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli, wurde bei der Flugschule auf der Wasserkuppe eingebrochen, Bargeld und Gleitschirme im Wert von 70 000 Euro gestohlen. Die Polizei fand DNA-Spuren des Angeklagten am Garagentor und an einer Blechschere, die am Tatort zurückgelassen wurde.
Die Aussagen der Zeugen, die mit dem 51-Jährigen teilweise seit Jahrzehnten befreundet sind, waren geprägt von Ungenauigkeiten. Zwei sagten sogar aus, dass sie gar nicht wüssten, worum es in der Verhandlung geht - dabei waren die Rumänen vom Bruder des Angeklagten vom Flughafen abgeholt und nach Fulda gefahren worden.

Staatsanwalt: Alibi konstruiert

Aufzeichnungen, Belege oder Beweise, dass sich der 51-Jährige im Juli 2011 in Rumänien aufhielt - die gab es nicht. Staatsanwalt Andreas Hellmich bezeichnete das Alibi als "konstruiert" und die Einlassungen als "Gefälligkeitsaussagen". Der Beschuldigte selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

Schon mehrere Einbrüche

Hellmich verwies auf die Vorstrafen des Angeklagten, der wegen Einbrüchen schon mehrere Jahre hinter Gittern verbringen musste - und vor allem auf die DNA-Spur. Eine Rechtsmedizinerin hatte bestätigt, dass diese fast zu 100 Prozent dem 51-Jährigen zugeordnet werden kann, und betont, dass keine anderen Spuren an Türknauf oder Schere gefunden wurden.

Verteidiger Armin Golzem erklärte, dass jemand anderes die Handschuhe seines Mandanten getragen habe. Das hielt Richter Ulrich Jahn für unrealistisch: "Dass ein anderer an mehreren Stellen DNA-Spuren des Angeklagten, nicht aber von sich selbst hinterlässt - das wären zu viele Zufälle." Die Aussagen der Rumänen bewertete er als "wenig verlässlich": "Zwei Zeugen dürfen kostenlos beim Beschuldigten Urlaub machen, die anderen beiden werden von ihm als Chef des Ferienhauses bezahlt. Sie halten aus Solidarität zu ihm."

Strafverfahren eingeleitet

Richter Jahn verurteilte den Angeklagten zu dreieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung. Staatsanwalt Hellmich leitete noch während der Verhandlung gegen die Zeugen Strafverfahren wegen Falschaussage ein.
Sebastian Kircher