Dieses Jahr ging die Fahrt von Ancenis aus nördlich vorbei an der Großstadt Nantes, wichtiger Handelsplatz und Universitätsstadt an der Mündung der Loire. Auch vorbei an St. Nazaire mit seinen Häfen und Werften am Nordufer der Loiremündung.

Dieser Teil der südwestlichen Bretagne wird geprägt von welligem Hügelland, weiten Mooren und Sümpfen, wie im Naturpark von Brière, den Salzsümpfen von Guérande und schließlich Badeorten an der Küste wie Batz-sur-Mer. Damit die Sprachkenntnisse gegenseitig verbessert werden konnten, hatte das Komitee von Ancenis Gastgeber und ihre Gäste je zur Hälfte auf die beiden Busse verteilt - mit Erfolg. Der eine Bus fuhr erst in Richtung der Sümpfe von Brière, der zweite nach den Salinen von Guérande. Sie passierten auf festem Land alte schilfgedeckte Granithäuser und neue Feriendomizile zwischen Pinien. Überall entfalteten Blumenbeete ihre farbige Pracht. Die mitfahrenden englischen Freunde aus Kirkham fühlten sich gleich an die heimischen Cottage-Gärten in den Cotswolds erinnert.

Die erste Gruppe durfte ein großes flaches Boot besteigen. Der Gondoliere staakte seine Passagiere sehr gemütlich auf einem der breiten Kanäle entlang. An jedem Schilfbusch und beinahe jedem Weidenbaum sprudelte sein Wissen über die Entstehung der Sümpfe, die Torfgewinnung, den Fischfang, die Schilfrohrgewinnung und die Vogelwelt nur so hervor. Nach dieser Kahnfahrt bestieg die erste Gruppe Pferdekutschen, während sich die andere Gruppe nun in die Stümpfe begab. Alle Ausflügler trafen sich wieder zu einem klassischen französischen Mittagessen. Gestärkt verabschiedeten sie sich mit einem kurzen Ständchen der Musiker und Liedern.
Nachmittags warteten die Salzsümpfe. Der Besitzer von Salinen erklärte, dass die Salzgewinnung zwar mühsam, aber wegen der hohen Qualität des Meersalzes dennoch einträglich sei.


Salzgewinnung vom Fachmann erklärt


Er demonstrierte mit alten Gerätschaften die traditionellen Tätigkeiten. In den drei bis vier heißen Sommermonaten verdunstet in den flachen Becken der Salinen genügend Wasser, um das im Meerwasser gelöste Salz zum Auskristallisieren zu bringen. Das meiste Salz setzt sich, zusammen mit Schwebstoffen, am Boden der nur wenige Zentimeter tiefen rechteckigen Becken ab. Die Kunst der Salzkonzentrierung besteht darin, von Becken zu Becken die Konzentration des gelösten Salzes zu erhöhen, bis der Sättigungspunkt überschritten ist.

Damit beginnt die Kristalisation des Salzes. Ein kleiner Teil der Salzkristalle schwimmt an der Oberfläche und wird heute wie bereits vor Jahrhunderten mit Spezialgerät abgeschöpft. Dieses ist die begehrte schneeweiße Qualität, die "Salzblume", Fleur de Sel.

Es steht auf den Tischen guter Gasthäuser, der Gast würzt damit seine Speisen selbst. Die vom Boden der Kristalisationsbecken zusammengeschabten Salzmengen werden am Rande der Becken zum Trocknen aufgehäufelt. Diese Salzqualität wird zum Kochen verwendet. Das Meersalz enthält nach der Hauptmenge an Kochsalz auch zudem geringe Mengen an anderen gelösten Salzen, sowie winzigste Spuren von gelöstem Gold.

Beladen mit Beuteln und Päckchen der verschiedenen Salzqualitäten, Souvenirs und Geschenke für zuhause machten sich Gastgeber und Gäste auf den Rückweg zum etwa 130 Kilometer entfernten Ancenis, um den Abend in unseren Familien zu verbringen.
Hubert Töpfer/Marie-Luise Geyer