Vom Gastronomen zum ehrenamtlichen Helfer für die Armen dieser Welt: Der ehemalige "Sternwirt" Alfred Schäfer engagiert sich seit Jahren in so genannten Schwellen- und Entwicklungsländern. Jüngster Einsatzort des 71-jährigen Bad Brückenauers war zum wiederholten Male Ruanda in Afrika.

Dass er dabei Besuch aus seiner Rhöner Heimat bekommt, hätte er sich wahrlich nicht träumen lassen. Da hatte er die Rechnung aber ohne Peter Kiefl gemacht, mit dem Schäfer entfernt verwandt ist. Beide kennen sich seit frühester Jugendzeit. Und Kiefl ist eben ein Mann der Tat. "Als Alfred mir mehrfach vorgeschlagen hat, ihn in Ruanda zu besuchen, habe ich einfach mal mit den Planungen begonnen", so der 58-Jährige. Dabei kamen ihm seine früheren beruflichen Erfahrungen zugute. Kiefl war früher nämlich für die Vereinten Nationen unter anderem in Angola, Namibia und Simbabwe unterwegs.

Gesagt, getan: Flug buchen, Koffer packen und ab nach Kigali. Bereits kurz nach der Ankunft in der Hauptstadt Ruandas begann für Kiefl das erste Abenteuer, die Fahrt ins Kinder- und Jugenddorf in St. Kizito, wo er während seines Besuches wohnte: "Die Straßenverhältnisse dort sind katastrophal, ich dachte, ich bin in einem steinzeitlichen Umfeld gelandet." Auch in der Einrichtung selbst, in der Straßen- und Waisenkinder versorgt, betreut und unterrichtet werden, sind laut Kiefl die Rahmenbedingungen für den ehrenamtlichen Helfer Schäfer nicht gerade ideal.

Hände und Füße

"Ich bewundere den Alfred für das, was er dort macht, aber er hat in seinem Leben auch unter schwierigsten Voraussetzungen immer etwas auf die Reihe gekriegt." Das sei umso erstaunlicher, da man sich meist nur mit Händen und Füßen verständigen könne.

Die Sprache der Einheimischen spricht Schäfer nicht. Immer wieder neu zeigte sich Kiefl von dessen Improvisationstalent vor Ort beeindruckt.

"Ein Erholungsurlaub war das nicht", sagt der Gast aus Bad Brückenau im Rückblick auf den dreiwöchigen Aufenthalt in Ruanda. "Die ersten zehn Tage nur Reis, Bohnen und Kochbananen, da wird die Sehnsucht nach Schweinsbraten und Currywurst mit jeder Stunde größer." Er habe dann auf dem Markt zur Abwechslung zumindest ein paar Eier besorgen können. Ein Flop seien hingegen Pfeffer und Paprika gewesen, die Kiefl auf Wunsch von Schäfer aus Deutschland mitbringen sollte. "Mit diesen Gewürzen wussten sie in St. Kizito praktisch nichts anzufangen." Auch Spätzle, die Schäfer liebevoll mit einem abenteuerlichen Hobel fertigte, hätten nicht unbedingt den Geschmack der Einheimischen getroffen. Eine besondere Beobachtung hat Kiefl an seinem entfernten Verwandten gemacht: "Der Alfred ist sehr religiös geworden."

Mit Händen und Füßen

Was sich an Schäfer aber nicht verändert habe, sei dessen Kontaktfreudigkeit und Ideenreichtum. So habe er beispielsweise den deutschen Botschafter von einem Oktoberfest in Kigali überzeugen wollen. Diesen Plan wolle der gelernte Koch unbedingt in die Realität umsetzen und habe schon erste konkrete Schritte unternommen, die bei Schäfers nächstem Aufenthalt in Ruanda Formen annehmen sollen. Bei seinem Afrika-Trip hätte Kiefl gern noch einige Nachbarländer bereist, was aus verschiedenen Gründen aber nicht möglich war. "Im Kongo wollten sie eine exorbitante Summe für ein Visum, in Burundi war die Lage wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen angespannt und in Uganda ging wegen heftiger Überschwemmungen gar nichts."