Es ist ein eher leiser Sport. Nach zwei mal 15 Minuten ist alles vorbei, und das Runde muss in das Runde. Unterwasserrugby (UWR) wird in Deutschland nicht gerade zur besten Sendezeit übertragen. In Kolumbien, wo die Weltmeisterschaft stattfand, ist es der Renner. Seitdem kann sich Unterfranken mit einer Weltmeisterin und einem Vize-Weltmeister, die miteinander verheiratet sind, schmücken.

Der "Vize" Andreas Weißenberger ist gebürtiger Bad Brückenauer, seine Unterwasserrugby-Karriere nahm denn auch dort ihren Anfang. Das Ehepaar lebt nun in Höchberg, und wenn Julia und Andreas Weißenberger keine Flossen tragen würden, wären ihnen wohl welche gewachsen.


Töchterchen bestimmt Training

Dabei haben die beiden früher intensiver trainiert. Zwei, drei Mal pro Woche ging es ins Schwimmbad. Julia Weißenberger spielt in der Bundesliga für den TC Heilbronn, ihr Mann Andreas für den TC Bamberg. Lieber würden sie mit der Wasserwacht Bad Brückenau üben, wo Andreas UWR-Karriere mit acht Jahren begann. Doch seit Töchterchen Luisa den Zeitplan mitbestimmt, findet das Training nur einmal in der Woche in Würzburg statt. Für die Weltmeisterschaft, die im kolumbianschen Cali stattfand, kürten die beiden ihre Eltern und Schwiegereltern zu Babysitter-Weltmeistern, ohne sie wären die intensiven Vorbereitungen nicht möglich gewesen.

Andreas Weißenberger war bereits Anfang des Jahres für die WM nominiert und konnte das Training eher locker angehen. Julia erfuhr von ihrer Nominierung erst im Mai und hatte ein strammes Pensum zu stemmen. Neben den beruflichen Verpflichtungen als Ärztin und Elektrotechnik-Ingenieur hieß es für die Unterwasserrugby-Amateure, an den Wochenenden für die Weltmeisterschaft zu trainieren. In mehreren Lehrgängen wurden die Damen von den Nationaltrainern Jörg Örtel und Tanja Scherer und die Herren von Wilhelm Nier und Roland Wiesner für die WM fit gemacht.


Den Trainern aufgefallen

Bei Sichtungsspielen fielen sie den Nationaltrainern auf, die sie bei Qualifizierungslehrgängen noch einmal unter die Lupe nahmen - und für die WM nominierten. "Nominiert zu sein, war fast noch schöner, als die WM zu gewinnen", erinnert sich Julia Weißenberger. Andreas nahm seine Nominierung gelassener: "Schau'n wir mal."
Pro Tag fanden bei der WM ein bis zwei Spiele statt, die die beiden Runde um Runde dem Ziel näher brachten. Zuerst kam das Frauenfinale, Julia war mit ihrem Team nach einer halben Stunde Weltmeisterin. Andreas konnte sich mit ihr "nur kurz freuen", da sein Endspiel gleich stattfand. Sein Team unterlag Norwegen. Dennoch blickt Andreas bereichert auf die WM zurück: "Ein Großereignis in einem sportfanatischen Land."


Selbst um Fitness kümmern

Waren WM und Vorbereitungen von Profi-Training dominiert, müssen sich die Amateure um ihre Grundfitness das Jahr über selbst kümmern. "Außerhalb einer WM hat jeder seinen eigenen Trainingsplan", erzählt Julia. Die 32-Jährige absolviert ihre Laufeinheiten, Sprints und das Krafttraining mit Eigendisziplin. "Die Grundfitness ist wichtig", sagt Andreas. "Die Spielpraxis, die Angriffsstrategien, die werden in der Gruppe geübt." Das Spiel ist das Training, und die Gruppe ist mehr als nur Trainingspartner. Sie fungiert als Coach für die Psyche, puscht, wenn man einen schlechten Tag hat, und motiviert bei eintönigen Technik-Übungen. "Der Grundspaß sollte aber trotzdem da sein", betont Julia. Verletzungen gibt es beim Unterwasserrugby eher selten. Julia und Andreas Weißenberger berichten da gerade mal von blauen Flecken oder Kratzern.


Geht schon ruppig zu

Bisweilen geht es allerdings schon ruppig unter Wasser und um das Tor zu. Julia Weißenberger ist Torwart - der "Deckel". Der Torwart legt sich mit dem Rücken auf das Tor, damit der Ball draußen bleibt. Vor dem Tor liegt der "Dackel", der Verteidiger, um Angreifer abzuwehren. Andreas ist Stürmer. Der 31-Jährige wird weniger oft ausgewechselt, da er ein "freieres Spiel" spielen kann. Im günstigsten Fall muss er nur gezielt zu Angriffen runter.
Und was bekommt ein Zuschauer mit? In der Bundesliga sind die Spieler nur unter sich. Bei der WM wurde das Geschehen von Unterwasser-Kameras auf eine große Leinwand übertragen. Mehrere hundert Zuschauer waren dabei. "Die Atmosphäre war großartig", schwärmen Julia und Andreas von zwei Wochen Kolumbien.