Rosa (Name von der Redaktion geändert) "weiß so viel, hat aber niemanden, dem sie es erzählen könnte", berichtet Monika Wiesner, die Vorsitzende des Netzwerkes, bei einem Helfertreffen der Ehrenamtlichen des Netzwerks "Sinnbrücke". Rund ein Jahr gibt es diese Initiative schon.

"Ich komme gerne zu ihr, weil man sich so gut mir ihr unterhalten kann. Manchmal erzählt sie Stories." Monika Wiesner besucht Rosa im Rahmen des im vergangenen Jahr gegründeten Besuchsdienstes regelmäßig an ihrem einzigen freien Nachmittag. Die beiden sind schon längst beim "Du", es hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt.

Ein reger Austausch von Dingen aus der guten alten Zeit und Neuem aus der Stadt herrscht zwischen den beiden Frauen. Die Stunden vergehen wie im Flug, so gut hat beiden der Be such getan.

Nicht nur Rosa ist dankbar für den Besuch, auch Monika Wiesner empfindet Dankbarkeit für die mit Rosa verbrachte Zeit: "Es geht mir gut damit." Die anderen pflichten ihr bei. Johanna Schießl, die den Besuchsdienst mitaufgebaut hat, weiß: "Man gibt nicht nur, man bekommt auch. Manchmal springt ein Funke über." Beide Seiten sind glücklich und dankbar - so macht die Sinnbrücke Sinn. Oder, wie es auf dem Flyer des Netzwerkes heißt: "Ehrenamtliches Engagement macht nicht reich, aber bereichert."

Mit dem Besuchsdienst engagiert sich das Netzwerk in einem Bereich, der zwischen gut organisierter Pflege und geförderter sozialer Betreuung zu kurz kommt: der persönliche Kontakt. Jeder Mensch möchte "wahrgenommen werden", erklärt Johanna Schießl. Dementsprechend ist das Ziel des Netzwerks, Zeit zu geben. Zeit für Gespräche oder einfach Zeit zum Da-Sein.

Großer Bedarf

Der Bedarf ist groß, sowohl in den Brückenauer Seniorenheimen als auch in Privatwohnungen. Das Netzwerk ist auf der Suche nach weiteren Helfern mit Zeit. Dabei möchte das Netzwerk nicht verschweigen, dass die Arbeit anspruchsvoll ist. Bisweilen muss mit Demenz umgegangen werden, bisweilen mit dem schlechten Gewissen, das der Bewohner dem Besucher zu machen versucht, wenn dieser gehen möchte. Im vergangenen Jahr gab es im Netzwerk bereits Schulungen. Auch bei den regelmäßigen Treffen hat sich ein "Austausch-Forum" gebildet, in dem die Helfer ihre Erfahrungen weitererzählen.

Zweifel erhebt eine Dame, die sich zunächst über das Engagement beim Netzwerk informieren möchte: "Manchmal reicht das Wissen nicht, man hat trotzdem das Gefühl, das schafft man nicht." Doch laut Monika Wiesner braucht man "nicht viel Stärke, man braucht Freude". Die vielseitig engagierte Brückenauerin hat selbst oft erfahren: "Man weiß selbst nicht, was man kann. Es tut gut, gebraucht zu werden."

Weiter auf der Suche

Die Gruppe denkt an Menschen, die in Rente gegangen sind, oder Eltern, deren Kinder aus dem Haus sind. "Es wäre schön, wenn aus dieser Gruppe jemand Zeit für andere finden würde", möchte Johanna Schießl vorsichtig ermutigen, etwas Neues auszuprobieren. Der erste Schritt muss "Geben" sein. Vielleicht findet man nicht gleich beim ersten Bewohner einen Zugang, vielleicht überwiegt zuerst die Antipathie. Interessierte finden in Monika Wieser eine Ansprechpartnerin, die sowohl informieren, als auch Kontakte knüpfen kann. Bei weiterhin regelmäßigen Treffen des Netzwerkes können Probleme, gute Geschichten und Erfahrungen weitererzählt werden.