"Es ist alles viel professioneller geworden", sagt der ehemalige Bereitschaftsleiter Steffen Koberstein. Er stand 16 Jahre an der Spitze der im Schnitt 30-köpfigen Truppe und hat kürzlich sein Amt in jüngere Hände übergeben. Alle oft recht rasanten Veränderungen in unterschiedlichen Bereichen hat der heute 46-Jährige miterlebt und mit seinen Kollegen erfolgreich umgesetzt.

"Als ich angefangen habe, hatten wir gerade einmal vier einfache Handfunkgeräte", erinnert sich Koberstein. Heute stehen den Oberbachern 16 Digitalfunkgeräte zur Verfügung. Auch der Fuhrpark hat eine stetige Modernisierung erfahren. Einem Lada Niva folgte im Laufe der Zeit ein VW-Bus mit Allrad-Antrieb, der später von einem Toyota Landcruiser abgelöst wurde. Dieses in Fachkreisen liebevoll "Buschtaxi" genannte Fahrzeug war bis Dezember 2016 im Einsatz. Seit Weihnachten steht nun ein VW Amarok bereit, der sogar eine Zulassung als Krankentransportwagen besitzt. Ein All-Terrain-Vehicle (ATV) mit zusätzlichem Raupenantrieb hat mittlerweile den altersschwachen Motorschlitten ersetzt.


Veränderung in Ausbildung

Als durchweg positiv bewertet der ehemalige Bereitschaftsleiter die gravierenden Veränderungen auf dem Ausbildungssektor und die Etablierung von Einsatzleitbereichen. Er macht bei dieser Gelegenheit kein Geheimnis daraus, das die intensiven Schulungen auch mehr Arbeit für die Bergwachtler bedeuten. Genügte einstmals für die Mitglieder beispielsweise ein Sanitätskursus beim Roten Kreuz, so ist heute wesentlich mehr Wissen bis hin zu einer Unterweisung in Notfallmedizin gefragt. Trainierte man vor einigen Jahren nur an der heimischen Steilwand in der Rhön, so werden aktuell die Übungseinheiten zusätzlich unter realen Bedingungen im Hochgebirge absolviert. Und einmal pro Jahr proben alle Einsatzkräfte im Simulator am Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung in Bad Tölz die Luftrettung mit Abseilen vom Helikopter. "Diese Halle ist einmalig in der Welt", zeigt sich Koberstein jedes Mal wieder von Neuem von dieser Anlage begeistert.


Aktuell 31 Aktive

Die Mehrzahl der Einsätze haben die Oberbacher Bergwachtler, die ein Areal von über 215 Quadratkilometern betreuen, nach wie vor im Winter bei Ski-, Snowboard oder Rodelunfällen zu absolvieren. Im Sommer brauchen in erster Linie Wanderer, Bergradler, Drachenflieger oder Paraglider die Hilfe der momentan 31 aktiven Mitglieder, zu denen aktuell auch vier Frauen gehören. Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es manchmal sogar etwas zum Schmunzeln, beispielsweise wenn ein Junge nur auf Socken im Schnee am Lift steht, weil ihm die Skistiefel an den Füßen zu schwer geworden sind. Oder die Helfer finden sich plötzlich mit einer "Horde wilder Ritter" konfrontiert, wenn kostümierte Jugendliche in den Wäldern Szenen aus dem Mittelalter nachspielen.


Erfahrung ist gefragt

Das Können und die Erfahrung der Spezialisten sind auch über die Grenzen der Rhön hinaus gefragt, so beispielsweise im Juni vergangenen Jahres nach dem Einsturz eines Teils der neuen Autobahnbrücke bei Schraudenbach. "Nicht nur in diesem Fall haben wir sehr eng mit den anderen Rettungsorganisationen zusammen gearbeitet", erinnert sich Koberstein.

Dem neuen Bereitschaftsleiter Johannes Voll und seinem Stellvertreter Pierre Martin, beide Anfang 20, ist durchaus bewusst, in welch große Fußstapfen sie treten. "Aber wir finden ja ein sehr gutes Fundament vor", meinen beide übereinstimmend. Und schließlich sind ihnen die Aufgaben in verantwortungsvoller Position nicht fremd, da sie sich schon seit 2010 bei der Bergwacht engagieren.

Ein Projekt steht ganz oben auf ihrer Wunschliste: die Erweiterung des Stützpunktes am Oberbacher Bahndamm: "Das Gebäude platzt inzwischen aus allen Nähten." Und obwohl für die Arbeiten erfahrungsgemäß einige Zuschüsse fließen werden, sind hohe finanzielle Eigenmittel erforderlich. "Da kommt uns jede Geldspende sehr gelegen", sagt Voll. "Und auch so manche geschickte und helfende Hand, die zu gegebener Zeit mit anpackt, wäre nicht schlecht."