Travis' Jacke ist am Rücken schon ganz nass. Wieder und wieder nimmt er Anlauf und rutscht mit Schwung einen kleinen Hang vor der Grundschule Bad Brückenau hinunter. "Ich bin heute zur Schule hoch", erzählt er, "da haben wir schon gesehen, dass die Autos gerutscht sind." Sein Freund Kevin - ebenfalls im Hangrutschen erprobt - erzählt: "Von Frau Buz haben wir erfahren, dass heute keine Schule ist. Dann hat Herr Schubert mit uns einen Ausflug in die Kletterhalle gemacht."

Barbara Buz ist die Leiterin der Grundschule. "Ich habe es bis jetzt zwei- bis dreimal erlebt, dass wegen des Wetters der Unterricht abgesagt wurde", erzählt sie. Vor zwei Jahren zum Beispiel seien auch heftige Schneefälle der Grund gewesen. Einige Jahre zuvor habe es mal einen Sturm gegeben. "Die Eltern werden immer im Herbst informiert, dass es wetterbedingte Schulausfälle geben kann", berichtet Buz. Trotzdem liefen am Morgen die Telefone heiß. Einige wenige Kinder blieben in der Grundschule und wurden betreut.

Um 4 Uhr war die Nacht vorbei

Auch Chantal und ihre Geschwister freuen sich über den freien Tag. "Wir gehen heute noch rodeln", erzählt die 8-Jährige aus Bad Brückenau. Ihre Mutter macht mit den Kindern spontan einen Stadtbummel. Auf dem Weg in Richtung Ludwigstraße freilich muss noch eben ein Schneemann gebaut werden. Nino, der kleine Bruder von Chantal, schafft eifrig Schneebrocken herbei.

Was für die Kinder pure Freude ist, bedeutet für die Einsatzkräfte von Winterdienst, Feuerwehr und Polizei harte Arbeit. "Die Nacht war um 4 Uhr vorbei", berichtet Michael Krug, Kommandant der Bad Brückenauer Wehr und Leiter des städtischen Bauhofes. Der erste Einsatz, zu dem die Feuerwehr ausrückte, war um 4.05 Uhr. Auf der B 286 war ein Baum umgefallen.

Der Winterdienst kann nicht überall sein

"Heute gilt's!", sagt Jürgen Groh und packt seinen Schneeschieber. Der vertretende Hausmeister der Georgi-Halle räumt zusammen mit Uwe Meißner und Gebhard Betz vom Bauhof die Schneeberge vor der Halle weg. "Man kann einfach nicht gleichzeitig überall sein", bittet Krug um Verständnis.

Der Winterdienst ist in voller Besetzung mit zwölf Leuten und zwei Räumfahrzeugen im Dienst. Die Feuerwehr rückte sechsmal aus, 18 Kameraden waren im Einsatz. Acht Bäume stürzten im Stadtgebiet um oder mussten notgefällt werden, berichtet Krug.

Auch die Polizei hatte eine ereignisreiche Nacht. "Es ist ein Ärgernis, dass man Lkw ohne Schneeketten bei angekündigtem Wintereinbruch in die hohe Rhön schickt", sagt Christian Pörtner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Gleich mehrmals hatten die Brummis sich auf den Straßen festgefahren.