Armin Förg ist ein Urgestein. Seit 41 Jahren schon arbeitet er bei der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau und seine Stamm-Filiale ist, wenn man so will, Geroda. 15 Jahre schaffte er dort. In letzter Zeit - Förg ist als Direktor inzwischen für alle Filialen im Bereich Bad Brückenau und Burkardroth zuständig - ist er nur noch wenige Stunden in der Woche in Geroda zu finden. Am Freitagabend, 30. September, wird er in der kleinen Filiale die Türen schließen. Für immer.

32 Geschäftsstellen hatte die Bank noch vor einem Jahr im Raum Bad Kissingen und Bad Brückenau. Ende November wurden allein im Bereich Bad Kissingen zwölf Geschäftsstellen geschlossen oder in SB-Filialen umgewandelt. Ein solcher Standort verfügt nur noch über Automaten, um Kontoauszüge ausdrucken oder Geld abheben zu können. Nun folgt die zweite Welle: Die Filialen in Detter, Geroda, Oberbach, Riedenberg, Unterleichtersbach sowie in Völkersleier (Altlandkreis Hammelburg) schließen ab Oktober. Die Geschäftsstelle in Zeitlofs wird in eine SB-Filiale umgewandelt.

Rainer Geis, seit Februar Vorstandssprecher der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau, nennt mehrere Gründe für die drastische Verkleinerung. Zum einen sei man im Vergleich zu anderen VR-Banken in Bayern noch lange sehr gut aufgestellt gewesen. Geis sagt, im Durchschnitt habe eine VR-Bank in Bayern 16 Filialen. Mit jetzt 13 Geschäftsstellen und vier SB-Filialen sieht er die Kunden noch immer gut versorgt. Zum anderen - und das ist der wesentlich wichtigere Punkt - spricht Geis die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die Folgen der Finanzkrise im Jahr 2009 an.


Zinspolitik der EZB

Mario Draghi, seit 2011 EZB-Präsident, steuert die Geldpolitik in Europa so, dass Anleger praktisch keine Zinsen mehr für ihr Vermögen bekommen. Auch die Zinsen, die Kunden für Darlehen zahlen, rutschten in den Keller. Für die Banken aber bedeutet das schmalere Gewinne. "Genossenschaftsbanken oder Sparkassen hängen zu 80 Prozent von der Zinsmarge ab", erklärt Geis, dass die VR-Bank in besonderer Weise den Kostendruck zu spüren bekomme. Ein zweiter Grund sei die Verschärfung der Kontrollmechanismen nach der Finanzkrise. Der Aufwand für Bürokratie binde Personal, das drücke ebenfalls langfristig auf die Bilanz, begründet Geis. Auch anderen Geldhäusern mache der wachsende Kostendruck zu schaffen.

Finanzpolitik hin oder her, der Zeitlofser Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) ist ganz und gar nicht von den Schließungen begeistert: "Ich finde es ganz schlimm. Einst hatten wir zwei Banken." Die Filiale der Sparkasse sei schon etliche Jahre zu, nun stehe der Markt gänzlich ohne eine Anlaufstelle für finanzielle Angelegenheiten da. "Wenigstens Kontoauszüge können geholt werden und auch ein Geldautomat bleibt da", sagt Friedrich nur halb versöhnt. Dass der Rückzug aus den Dörfern wirtschaftlich unumgänglich sei, zweifelt er an.


Trend zum Online-Banking

"Wir haben eine Frequenzanalyse gemacht", begründet Rainer Geis, warum manche Filialen geschlossen werden und andere nicht. In Zeitlofs und Geroda waren es durchschnittlich neun Kunden pro Stunde, sieben in Riedenberg, sechs in Unterleichtersbach. Der Trend gehe zum Online-Banking. Um ältere Kunden, die nicht mehr mobil sind, nicht völlig abzuhängen, gebe es die Möglichkeit, das Bankangestellte direkt nach Hause kommen. Im Raum Bad Kissingen habe man damit bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt Geis.

Der Strukturwandel ist noch nicht zu Ende. Aktuell ist eine Fusion mit der Raiffeisenbank Hammelburg im Gespräch, berichtet Rainer Geis. Die Entscheidung darüber falle aber erst im nächsten Jahr. Und Armin Förg, der Filialdirektor? Zehn Stellen wurden insgesamt eingespart, über Altersteilzeit oder weil Angestellte die Bank auf eigenen Wunsch hin verlassen haben. "Ich bin froh, dass wir für alle einen Job gefunden haben, der auch geeignet ist", sagt er über die Angestellten der Filialen, die nun geschlossen werden. Kein einziger habe seine Arbeitsstelle durch betriebsbedingte Kündigung verloren.