Aus purem Zufall ging der Polizei ein mutmaßliches Diebes-Trio ins Netz. Weil ein Geschäftsinhaber in der Innenstadt einen Mann wiedererkannte, der schon vor einiger Zeit eine Handy-Attrappe geklaut hatte, durchsuchte die Polizei das Zimmer eines 34-Jährigen. Sehr zum Erstaunen der Beamten stießen sie auf eine große Zahl von Kosmetika, Körperpflegemitteln und weiterer Drogerieartikel. Es war klar, dass der Mann die Produkte nicht für den Eigenbedarf gehortet hatte.

Der Mann, der aktuell in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge in Volkers wohnt, gab an, die Dinge nur für einen Mitbewohner zu verwahren. Also durchsuchten die Beamten ein weiteres Zimmer in der GU, in dem sie auf weiteres Diebesgut stießen. Insgesamt wurden 757 Markenartikel - darunter elektrische Zahnbürsten, Bürstenköpfe, Rasierer, Rasierklingen sowie Cremes und Deosprays - sichergestellt. Die Waren haben einen Wert von rund 7500 Euro. Drei Männer - die alle in der GU leben - sind tatverdächtig.

"Ich gehe davon aus, dass die Produkte überwiegend nicht aus Bad Brückenauer Geschäften gestohlen worden sind", sagt Herbert Markert, Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Karlheinz Ottenweller, der den Fall bearbeitet, vermutet, dass die Ware aus größeren Geschäften beispielsweise in Fulda, Schweinfurt oder Würzburg stammt. Sobald er seine Ermittlungen abgeschlossen hat, gibt er den Fall an die Staatsanwaltschaft in Schweinfurt weiter.

Rasierklingen hinter Glas

Auch wenn der Großteil der geklauten Waren wohl nicht aus dem Stadtgebiet stammt, ganz verschont blieben die Märkte nicht. "Auch bei uns fehlen Produkte", sagt zum Beispiel Wolfgang Mahlmeister, Senior-Chef vom Rhön-Center. Nun fehlt immer mal wieder hier und dort etwas im Sortiment, aber "das ist uns in letzter Zeit gehäuft aufgefallen", sagt Mahlmeister. So ist es kein Zufall, dass im Markt Rasierklingen hinter Glas verschlossen sind - eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn vor Jahren sei der gesamte Bestand an Rasierklingen geklaut worden, berichtet Mahlmeister.

Mahlmeister sagt aber noch etwas anderes, und zwar: "Es ist schwierig, alle Ausländer unter einen allgemeinen Tatverdacht zu stellen. Das ist nicht in meinem Sinn." Und genau das ist der Punkt, der den Fall für Bad Brückenau so heikel macht. "Das schürt natürlich die Vorbehalte gegen Flüchtlinge", sagt Daniela Schad, Flüchtlingsbetreuerin beim Caritasverband für den Landkreis Bad Kissingen. "Das Vorurteil, Ausländer seien kriminell, ist statistisch nicht haltbar." Ist das wahr?

"Das stimmt schon", bestätigt Herbert Markert, und dann hat der Polizei-Chef gleich ein paar Zahlen parat. Bisher seien sechs Personen, die in Asylunterkünften der Stadt wohnen, der Polizei als Tatverdächtige aufgefallen (im Sommer hatte es einen Fall von häuslicher Gewalt in der GU gegeben). "Das macht bei rund 140 Asylbewerbern, die aktuell in Bad Brückenau leben, 4,3 Prozent", sagt Markert.

Aufruf an Einkaufsmärkte

Zum Vergleich: Im Stadtgebiet seien im vergangenen Jahr mehr als 200 Tatverdächtige von der Polizei erfasst worden. Bei rund 6500 Einwohnern ergebe sich laut Markert ein Anteil von rund 3,7 Prozent im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. "Flüchtlinge sind nicht krimineller als die einheimische Bevölkerung", stellt Markert klar. Wie hatte Wolfgang Mahlmeister vom Rhön-Center gleich gesagt? "Schlawiner gibt es überall!"

Für die Polizei ist der Fall trotzdem nicht vom Tisch. Alle Betreiber von Drogerie- und Einkaufsmärkten, denen in den vergangenen Monaten verstärkt Fehlbestände von Marken aufgefallen sind, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Tel.: 09741/ 6060. Konkret geht es um Artikel folgender Marken: Maybelline Jade, L'Oreal Paris, Nivea, Elmex, Blend a Dent, Braun Oral-B, Gilette und Axe.