Dieter Seban sammelt alte Kameras, eine Vitrine in seinem Arbeitszimmer zeigt die wertvollsten Stücke. Seit 2008 sitzt Seban im Stadtrat und vertritt seitdem die Stadt als dritter Bürgermeister. Zudem engagiert er sich seit Jahrzehnten bei den Karnevalisten.


Herr Seban, wie bewertet der CSU-Ortsverband jetzt mit etwas Abstand das Ergebnis der Wahl?
Dieter Seban: Ich bin froh, dass das Ergebnis so gut war. Wir haben alle mit einer Stichwahl gerechnet. Sicher wünscht man sich die nicht, allein des Aufwands wegen. Ich persönlich war überrascht, dass Mike Richter so schlecht abgeschnitten hatte. Meine Einschätzung lag bei 45 Prozent für Meyerdierks, der Rest der Stimmen, so dachte ich, verteilt sich ungefähr gleich auf die anderen Kandidaten.

Mit 50,96 ist die Amtsinhaberin nur knapp der Stichwahl entgangen. Eine Ohrfeige für die CSU?
Das habe ich nicht so empfunden. Als Bürgermeisterin muss sie viele Entscheidungen treffen, nicht jede ist allen Bürgern recht. Da ist es ganz natürlich, dass Gegenstimmen entstehen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Fraktion? Ab und zu drängt sich der Eindruck auf, dass im Stadtrat Eigeninteressen vertreten werden. Ein Beispiel ist das geplante Baugebiet im Straßfeld.
Als Stadtrat stellt man eigene Interessen zurück. Ich glaube nicht, dass bei der Diskussion um ein Baugebiet Eigeninteressen im Vordergrund gestanden haben.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen CSU-Gremien, etwa der Frauen oder Senioren-Union?
Wir arbeiten gut zusammen. Vor allem organisatorisch gibt es viele Schnittmengen. Etliche Mitglieder der Frauen Union gehören zum CSU-Ortsverband. Aus der Senioren-Union kommen immer wieder Impulse, zum Beispiel was verkehrstechnische Anliegen angeht.

Was in Bad Brückenau fehlt, ist die Junge Union. Wie steht's um den politischen Nachwuchs?
Dass wir ein Überalterungsproblem haben, ist uns bewusst. Bei der nächsten Kommunalwahl wird wohl die Hälfte der Stadträte aus Altersgründen nicht mehr antreten.

Ist der Ortsverband nach der Wahl auf den Herausforderer Claudio Kleinhans zugegangen?
Nicht als Verband, aber auf persönlicher Ebene. Als er sich entschlossen hatte, zu kandidieren, ist er ausgetreten. Ich habe ihm gesagt, dass er das nicht müsse. Er hätte ja auch formal Mitglied bleiben können. Aber das wollte er nicht, wohl aus Fairness.

Ein Verlust?
Ja, schon. Ich glaube, man hätte durchaus eine Perspektive für ihn schaffen können. Aber es ist seine Entscheidung. Ich muss das akzeptieren.

Noch einmal zurück zum Stadtrat. Gelegentlich kommt es einem so vor, als ob wichtige Themen, die durchaus einer intensiven Diskussion bedürfen, einfach abgenickt werden. Ist dieser Eindruck falsch?
Ja. Als Stadtrat geht man ja nicht in eine Sitzung, um sich zu informieren. Gerade bei wichtigen Themen finden viele Gespräche schon vorher statt. Die persönliche Vorbereitung und Meinungsbildung, auch außerhalb der Fraktion, ist eine Arbeit, die der Bürger nie sehen wird.

Wie viel Zeit steckt man in so ein Ehrenamt als Stadtrat?
Es gibt Pflichttermine, und es gibt freiwillige Termine. Es kommt außerdem darauf an, ob man zusätzliche Aufgaben übernimmt. Als Stadtrat allein sind es vielleicht zwischen 60 und 100 Stunden im Jahr. Die Präsenz, die der Stadtrat bei öffentlichen Veranstaltungen zeigt, ist aus meiner Sicht aber zu wenig.

Wer die CSU-Fraktion fragt, was für Ziele sie in der laufenden Periode noch erreichen will, stößt auf Allgemeinplätze und Pflichtaufgaben. Wo bleiben echte Impulse?
Ich denke, dass wir im Moment als Stadt erst einmal unsere Hausaufgaben machen müssen. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Dinge angestoßen oder beendet, die notwendig und zum Teil überfällig waren.

Zum Beispiel?
Mit dem Fachmarktzentrum ist es uns gelungen, eine verfallene Industriebrache im Zentrum zu beseitigen. In die Sinnaustraße ist früher doch kein Mensch reingefahren. Für mich ist auch wichtig, dass die Textilfabrik weg ist, unabhängig davon, was jetzt dort hinkommt. Das neue Haus Waldenfels steht und strahlt schon in die Umgebung aus. Auch die Alte Post...

... deren Sanierung höchst fragwürdig erscheint...
Nach meinen Informationen ist der Investor nicht abgesprungen, sondern hat die Vermarktung selbst in die Hand genommen. Ich halte es durchaus für möglich, dass das Projekt doch noch verwirklicht wird.

Zurück zu den echten Impulsen...
Um Impulse setzen zu können, muss man erst einmal die Basis schaffen. Da sind wir dabei.

2004 haben Sie als Bürgermeister kandidiert. Werden Sie es 2022 noch einmal probieren?
Kann ich nicht. Es ist aus Altersgründen nicht möglich.

Wie wird die CSU den Machterhalt an der Spitze sichern?
Es geht uns weniger um den Machterhalt als vielmehr um einen fähigen Bürgermeister.

Gibt's noch etwas, das Ihnen wichtig ist?
Ich war von der geringen Wahlbeteiligung sehr enttäuscht. Ich selbst überlege, was man tun kann, um das Interesse an politischer Arbeit wieder zu wecken. Ich frage mich, ob es einfach nur Desinteresse ist oder ob wir die falsche Informationspolitik verfolgen. Immer wieder fällt mir auf, wie schlecht die Bürger informiert sind. Die pauschale Aussage, in Bad Brückenau passiert nichts, stimmt einfach nicht.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.