Es war ein feuchter Frühling, als die Arbeiten für den Neubau von Haus Waldenfels anliefen. 25.000 Kubikmeter Erde trugen die Arbeiter unterhalb der Hartstraße ab. Was dann passierte, war für viele Brückenauer absehbar: Der Hang geriet ins Rutschen. Im Mai 2013 machten die am stärksten betroffenen Anlieger die Schäden an ihren Anwesen öffentlich. Drei Jahre später steht der Neubau kurz vor der Fertigstellung. Die Geschädigten aber sind keinen Schritt weitergekommen.

"Das kann man alles gar nicht glauben", brummt Josef Werner durchs Telefon. Sein Haus liegt direkt über der Baustelle. "Die Situation ist unverändert", sagt Werner. Mehr noch: Die Risse würden immer größer. Er habe alles mit Fotos dokumentiert. Hans-Jörg Heidelmeier berichtet Ähnliches vom Anwesen seiner Mutter. In der Stützmauer zur Hartstraße sei erstmalig ein Riss entdeckt worden. Auch im Einfahrtsbereich und an der Außentreppe lösten sich Platten, und Fugen platzten auf. Erst vor zwei Wochen hätten die Heidelmeiers ihren Sachverständigen erneut informiert.


Anwesen verlieren an Wert

"Der Hang hat seine neue Ruhelage noch nicht gefunden", meint Heidelmeier. Er spricht von mindestens 20.000 Euro Schaden bisher, was langfristig aber auf die Familie zukomme, lasse sich noch nicht beziffern. "Der eigentliche Schaden ist ja der Wertverlust der Häuser", benennt Werner den Schaden hinter den Schäden. "Die Sache stinkt zum Himmel! Es ist so viel Zeit vergangen", schimpft er.

Auch die Stadt Bad Brückenau und die Stadtwerke haben Schaden davongetragen. Ein Teil davon wurde schon beglichen, und zwar für die Maßnahmen, die die Stadt damals aus Sicherheitsgründen veranlasste. Die Hartstraße wurde für Lkw gesperrt, Risse in der Straße wurden repariert, eine provisorische Leitung für Trinkwasser gelegt und die Müllabfuhr zwischenzeitlich anders organisiert. Rund 57.000 Euro habe der Bauherr, die landkreiseigene Carl von Heß'sche Sozialstiftung, übernommen, gibt Kämmerer Leo Romeis Auskunft.


Klage noch nicht eingereicht

Was die bleibenden Schäden an der Straße jedoch angeht, so kann auch Romeis keine Zahlen nennen. Eine konkrete Summe müsse erst vor Gericht ermittelt werden. Der Rechtsanwalt der Stadt hat sich mit den Anwälten der Klagegemeinschaft Werner-Nöth-Heidelmeier und der Carl von Heß'schen Sozialstiftung zusammengetan. "Es ist sehr, sehr umfangreich", seufzt Vorsitzender Marco Schäfer. Der Bauherr selbst hat wohl den größten Schaden. Die Baukosten kletterten von anfangs 18 Millionen auf 23,5 Millionen Euro. Die Mehrkosten werden zum kleineren Teil vom Steuerzahler getragen. Der Großteil bleibt bei der Stiftung hängen. Welche Summe am Ende des Bauprojekts stehen wird, kann Schäfer erst sagen, wenn die Baustelle abgeschlossen ist.

Drei Jahre nach dem Hangrutsch ist immer noch nicht Klage eingereicht worden. "Im Sommer", sagt Schäfer vage. Die Versicherungskammer Bayern, die mit dem Fall betraut ist, hat inzwischen eine Stellungnahme abgegeben. Anfang Juli soll der Neubau eingeweiht werden. Für die betroffenen Anlieger - es dürften mehr als die drei genannten sein - wird es ein Fest mit Wermutstropfen sein. Gerüchte, wonach die Schäden bis hinauf zur Malteser Klinik reichen sollen, bestätigten sich indes nicht. "Unser Haus ist ein gutes Stück von der Baustelle entfernt. Wir hatten bislang keine Probleme", teilt Sprecher Christoph Hartmann mit.