Lothar Kaidel flucht nicht. Er sagt nur: "Zwei Tropfen Nelkenöl..." Doch das Öl, mit dem er das sich windende Etwas in seiner Hand gerne betäuben würde, ist zuhause. Also zappelt die Äsche weiter in seiner Hand. Ein Jahr ist das Tier alt, schmal und etwa so lang wie eine Männerhand. Kaidel lässt den Fisch wieder zu seinen Artgenossen in den Eimer plumpsen. "Äschen sind viel schwieriger in der Aufzucht als andere Fische", sagt er. Es gebe in ganz Deutschland nur fünf Fischzuchtanstalten, die das könnten. Kaidels Betrieb in Wüstensachsen ist einer davon.

Einfall der Kormorane

Lothar Kaidel gibt den Eimer Gerhard Berkel. Der macht sich schnell auf den Weg, denn für die Fische ist der Transport Stress. Sie brauchen Sauerstoff. Berkel gehört zum Fischereiverein Bad Brückenau. Gewissenhaft trägt er die jungen Fische in Richtung Sinn, lässt sie behutsam in den Wildbach gleiten. "Das gehört zur Vereinsarbeit dazu", sagt der Brückenauer.

"Wir erhalten sie ja alle", sagt Armin Sauermann, Vorsitzender der Fischer. Wenn nicht gerade der Kormoran einfällt. "2007 hat der Kormoran kilometerweit die Sinn leergefressen", erinnert sich Sauermann. Damals bat der Verein den Bayerischen Fischereiverband um Hilfe, das Gebiet wurde ins Artenhilfsprogramm aufgenommen. Seitdem setzen die Fischer verstärkt Jungtiere in der Sinn aus: 146.000 Bachforellen und Äschen seit 2008.

Genetisch reiner Besatz

"Die Elterntiere stammen aus der Sinn", betont Sauermann. So ist sichergestellt, dass der Besatz genetisch rein bleibt. Bevor Lothar Kaidel die Tiere anliefert, läuft Gewässerwart Michael Kramer das Ufer ab, um die beste Stelle ausfindig zu machen. Wasserqualität und Temperatur müssen stimmen.

In der Nähe von Wildflecken werden die Fischer fündig. Auf einem Abschnitt von mehreren Kilometern setzen sie 10.000 Brütlinge der Bachforelle - also nur wenige Monate alte Tiere - , 5000 einjährige Bachforellen und 3000 einjährige Äschen aus. "Die Idee ist", sagt Vorsitzender Armin Sauermann, "wenn die Forellen als Brütlinge ausgesetzt werden, kommen sie zum Laichen hierher zurück."

Bestand noch nicht stabil

Wer die Tiere übrigens einmal beobachten möchte, kann das am besten am Sonnen-Plateau im Staatsbad. Hier nämlich - zwischen Villa Maria und Wandelhalle - fühlt sich die Äsche besonders wohl. "Dort vermehrt sie sich mittlerweile auch natürlich", weiß Sauermann. Allerdings sei der Stamm noch nicht stabil, deshalb ist die Äsche ganzjährig geschützt.