Die meisten Menschen wünschen sich, in ihrem eigenen Zuhause alt werden zu können. Doch leider ist dies oft nicht möglich, einerseits aus gesundheitlichen Gründen andererseits, weil gerade ältere Häuser und Wohnungen in den Ortskernen häufig nicht altersgerecht ausgestattet sind. Damit möglichst viele auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben führen können, hatte die Kreuzbergallianz mit dem Projektmanagement "Demographie" und "Mitten im Ort" des Landkreises Bad Kissingen zu einem Informationsabend in das Haus der Schwarzen Berge eingeladen.
"Wir wollen die Bevölkerung umfassend über bauliche Möglichkeiten, technische Hilfsmittel und Finanzierungsmöglichkeiten informieren", sagte Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz zur Begrüßung. Er machte deutlich, dass das Thema nicht erst für Senioren von Bedeutung sei, sondern durchaus auch von jüngeren Menschen bei weitsichtigem Neubau, Umbau und Sanierung berücksichtigt werden könne.
Zunächst informierte Architekt Albrecht Walther (Bad Neustadt) über Möglichkeiten zum barrierefreien Umbau im privaten Wohnbereich. Dabei muss es nicht immer die komplette Sanierung sein. Auch Kleinigkeiten können den Alltag wesentlich erleichtern, wie beispielsweise Handläufe auf beiden Seiten einer Treppe, Stufen ohne Übertritt und genügend Bewegungsraum zwischen dem Mobiliar. Zahlreiche individuelle Lösungen gebe es für Küche und Bad, von elektrisch absenkbaren Hängeschränken bis hin zu Badewannen mit Einstiegshilfen. Beratungsmöglichkeiten für barrierefreien Umbau gebe es zudem am Landratsamt Rhön-Grabfeld.


Technische Helfer

Welche Vielzahl an kleinen technischen Helferlein, den Alltag von alleinlebenden Senioren vereinfachen können, präsentierte Waldemar Pautow vom Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen. Von Wohnungstürfinder, Telefon mit Bildwahl, GPS-Ortung bis zur Blutdruckmessung mit Onlinemeldung zum zuständigen Arzt reichen die technischen Möglichkeiten.
"Was vor zehn Jahren in futuristischen Filmen gezeigt wurde, ist heute möglich", schmunzelte er. Sensoren können Gefahrensituationen erkennen und einen Notruf auslösen. Sei es die vergessene Herdplatte oder ein Sturz im Bad oder Schlafzimmer. Je nach Programmierung können Angehörige, Nachbarn oder Hilfsdienste benachrichtigt werden. Viele der von ihm vorgestellten Module laufen im Hintergrund, seien jederzeit erweiterbar und dank Funksteuerung ohne Kabelverlegung individuell einbaubar.
Je nach Ausstattung sei für die Maßnahmen mit Kosten ab 500 Euro zu rechnen, die je nach Pflegestufe auch von der Kasse getragen beziehungsweise bezuschusst werden. "Bei Ablehnung immer erst einmal Widerspruch mit Begründung einlegen", betonte Pautow. "Es ist immer sinnvoll so lange wie möglich zu Hause zu bleiben, die Kosten für eine Unterbringung im Pflegeheim sind deutlich höher."


Alternative Wohnformen

Albrecht Walther machte deutlich, dass jeder frühzeitig über das Wohnen im Alter nachdenken sollte. Das Eigenheim macht nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des Partners nicht immer Sinn. Ambulante Pflegedienste erlauben zwar den Verbleib in gewohnter Umgebung, ersparen aber nicht Einsamkeit, die Pflege und den finanziellen Unterhalt des oft zu großen Hauses. Er zeigte verschiedene alternative Wohnformen auf, wie die eigene Wohnung in einer Wohnanlage mit Gemeinschaftsräumen und Nachbarschaftshilfe, Mehrgenerationenhäuser oder eine ambulant betreute Wohngemeinschaft.
Weitere Infos gab es zu Helferkreisen und Nachbarschaftshilfen, die älteren Menschen und pflegenden Angehörigen Unterstützung im Alltag bieten. Die Vorsitzende der Kreuzbergallianz, Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb dankte den Referenten für die vielen Informationen. Fragen beantwortet die Innenentwicklungsberatung der Kreuzbergallianz, Tel.: 09772/ 91 91 18 oder email: innenentwicklung@kreuzbergallianz.de