Das Mittagessen ist gerade vorüber, als vom Feuerwehrhaus mit Blaulicht und Signalhorn die gesamte Feuerwehr Bad Brückenau, unterstützt von den Fahrzeugen der Ortsteilwehren Volkers und Römershag und Feurwehrlern aus Wernarz in Richtung Schulzentrum braust. Dicht dahinter der komplette SEG-Zug des Bad Brückenauer Roten Kreuzes.
Bei Reparaturarbeiten an der Heizungsanlage des Schulzentrums im Heizraum im Untergeschoss kam es zu einem Brand mit starker Rauchentwicklung. fünf Arbeiter werden vermisst, ein Arbeiter, der die Alarmierung auslöste, konnte sich selbst retten. Zwei der Arbeiter konnten sich dabei wohl in einen Verbindungsgang zum Sportzentrum retten. Zusätzlich ist die Wasserversorgung im gesamten Bereich ausgefallen.
So lautete das Szenario, welches sich Holger Kucsera und Gerhard Knüttel ausgedacht und mit Unterstützung der Jugendfeuerwehr als Statisten umgesetzt hatten. Rasch standen die Atemschutzträger bereit, um über die total verrauchte Mittelschule zum Heizungskeller vorzudringen. Die Wehren aus Volkers und Römershag bauten eine Wasserversorgung von der Sinn her auf, die Drehleiter nebelte mit dem Wenderohr das Schulgebäude ein, um ein eventuelles Übergreifen des Feuers zu vermeiden, über einen engen Schacht zwischen Schule und Sporthalle drangen Fuerwehrler und Rettungssanitäter in den Verbindungskanal ein, um dann die Verletzten mittels Seilzügen daraus zu retten und an die bereitstehenden Rettungsfahrzeuge zu übergeben. Lediglich eine vermisste Person, eine Übungspuppe, konnte nur noch "tot" geborgen werden. Auch die nicht als Statisten eingespannten Jugendfeuerwehrler bauten unter den Augen ihres Ausbilders eine eigene Schlauchstrecke auf.

Realistisches Szenario

Um das Szenario auch für die Sanitäter realistisch zu gestalten, kollabierte schließlich noch einer der Atemschutzgeräteträger und musste vor Ort versorgt werden. "Wir sind der Feuerwehr immer dankbar, wenn sie uns so realistisch und intensiv in die Übung einbindet, denn wir haben nur selten die Möglichkeit, die komplette Logistik zu üben", so der verantwortliche Notarzt vor Ort, Doktor Rainer Nelkenstock. Selten geübt wird in der Regel das manuelle Retten mittels Flaschenzügen und Gurtzeug. Feuerwehrler Stephan Heil: "Wir haben im Schlauchturm extra oben eine Lastaufnahme und haben uns dort drin schon öfters auf und abgeseilt."
Die kleinen Fehler, die bei der anschließenden gemeinsamen Besprechung im Feuerwehrhaus offengelegt wurden, sind überwiegend auf fehlende Routine und Übung zurückzuführen, lassen sich also für den Ernstfall beheben.
Bereits am Vortag der Hauptübung hatte die Feuerwehr an einem überregionalen Übungsszenario in Wildflecken teilgenommen (wir berichteten). Noch am selben Abend wurde es ernst: ein heftiges Gewitter rief die Wehrler auf den Plan. Sie überprüften und beseitigten kleinere Unwetterschäden im Stadtgebiet. Zudem wurde ein Dachstuhlbrand gemeldet. Dieser entpuppte sich als der missglückte Versuch, ein Grillfeuer auf einem Balkon mittels Haarspray zu beschleunigen.