Auf diesen Tag haben sich die Schüler der 4 b aus der Grundschule Bad Brückenau lange gefreut: Der Besuch der Reporterin der lokalen Zeitung. Zwei Schulstunden lang durften die Kinder Ulrike Müller, Redakteurin der Saale Zeitung, Fragen rund um den Beruf, die Ausbildung und den Alltag im Redaktionsbüro stellen.

"Das Thema Tageszeitung und deren Inhalte sind normalerweise nicht Thema im Lehrplan", erklärt Irina Klippenstein, Klassenlehrerin der 4b. Doch durch eine Mail wurde sie auf das Projekt "Klartext! in der Grundschule" der Mediengruppe Oberfranken aufmerksam. "Eine tolle Idee , denn ich finde es wichtig, den Kindern den Sinn einer Zeitung zu erklären", sagt die Klassenlehrerin. Dabei gehe es darum, den sicheren Umgang mit Medien zu lernen - auch schon in diesem Alter. Denn von klein an seien die Kinder heute mit verschiedenen Medien konfrontiert. "Zwei Wochen durften die Kinder im Unterricht jeden Tag zehn Minuten die Saale Zeitung frei lesen", erklärt Klippenstein das Vorgehen. "Dann wurde über die Beiträge gesprochen und darum, dass es unterschiedliche journalistische Textsorten gibt. "Wir haben uns hauptsächlich der Reportage und der Nachricht gewidmet", sagt die Lehrerin.


Spannendes Arbeitsfeld

Auf das Treffen mit Redakteurin Ulrike Müller haben sich die Schüler schließlich gut vorbereitet. Jedes Kind stellte mindestens eine Frage , denn so richtig konnten sich die Schüler die Arbeit in einer Redaktion nicht vorstellen. "Ich dachte immer, dass die Inhalte der Zeitung aus dem Internet kommen", sagt die 11-jährige Marissa Pfützner. Umso spannender war es für sie zu erfahren, dass die Reporterin oft an den ungewöhnlichsten Orten unterwegs ist. Für einen Artikel, so die Redakteurin, steige sie in die Kanalisation, klettere auf Berge und sitze bei wichtigen politischen Entscheidungen dabei. "Ich komme an viele Orte, wo die meisten Menschen nicht hinkomme", sagt Müller über ihren Arbeitsalltag. Ziemlich spannend fanden die Kinder auch die manchmal ungelösten und seltsamen Fälle, zum Beispiel über den umherstreifenden Luchs oder Verbrechen, die nicht gelöst werden.


Medienwandel trifft Tageszeitung

Einige Kinder wollten etwas über die Ausbildung der Redakteurin wissen. "Abitur und Studium des Journalismus sind der direkte Weg in eine Redaktion", antwortet Müller. Doch neben dem direkten Weg gebe es auch Redakteure, die auf Umwegen über andere Studiengänge und Weiterbildungen zum Journalismus gekommen sind. Wie viele Redakteure für Bad Brückenau unterwegs seien, wollte eine Schülerin wissen. Früher seien in Bad Brückenau drei oder vier Redakteure für die Saale Zeitung unterwegs gewesen, antwortet Müller. Heute sei das wegen der rückläufigen Abonnentenzahlen nicht mehr möglich. "Das Internet macht der lokalen Zeitung viel Konkurrenz", sagt die Redakteurin über die Arbeitssituation. Deshalb arbeite sie mit vielen freien Mitarbeitern aus den umliegenden Ortschaften zusammen, die Berichte über ihre Gemeinden schreiben.

Die zwei Schulstunden wurden ausgefüllt mit vielen weiteren Fragen, beispielsweise darüber, wie viele Artikel die Redakteurin in ihrem Berufsleben geschrieben hat, welches die aufregendste Reportage war, ob sie einen Chef habe, in welchen Ländern sie bereits unterwegs war und welche berühmten Personen sie schon getroffen habe. Dabei mussten die Schüler auch lernen, dass es Unterschiede zwischen den lokalen Tageszeitungen und den großen, überregionalen Zeitungen gibt. Denn bei den großen Nachrichtenformaten habe ein einzelner Redakteur keine Freiheiten, was die Berichterstattung betreffe. Hingegen könne Müller selbst entscheiden, über welche Themen in der aktuellen Ausgabe geschrieben wird. Die Schüler zeigten sich beeindruckt von den durchaus überraschenden Einsichten aus dem Arbeitsalltag einer Redakteurin. "Jetzt können sich die Schüler viel besser vorstellen, was die Arbeit bei der Zeitung bedeutet", sagte Klippenstein zum Abschluss.

Und das sagen einzelne Schüler:
Fiona Schlothauer (9): "Ich dachte immer, die Arbeit als Reporterin wäre leicht. Heute haben wir erfahren, dass es sehr vielseitig und auch anstrengend sein kann, für die Zeitung zu schreiben. Es hörte sich alles sehr spannend an, was uns Frau Müller erzählt hat. Besonders die seltsame Geschichte über die vier gerissenen Rehe durch einen Luchs hat mich sehr beeindruckt."

Marissa Pfützner (11): "Ich fand die Stunde mit der Reporterin sehr cool, weil wir viel über ihre Arbeit erfahren haben. Ich dachte, dass die Reporter sich die Infos aus dem Internet holen. Aber dass sie selbst überall hinfahren, alles ausprobieren und mit so vielen Menschen zu tun haben, ist mir neu."

William Greenberg (10): "Dass man so viel arbeiten muss, das war mir nicht bewusst. Meine Eltern lesen die Zeitung als e-paper und meine Oma hat noch die richtige Zeitung. Zuhause lese ich dann die Kinderseite. Besonders die Comics mag ich gerne."