Im Februar 1998 saß im Windheimer Gasthaus eine Runde fröhlicher Menschen zusammen und erinnerte sich an die gute alte Zeit. Damals, als auch in Bocklet noch in vielen Häusern Brot gebacken wurde im hauseigenen Backhaus oder gemeinsam im Dorfbackofen. Warum - so fragte man sich, kann das heute nicht auch noch so sein? Die Backhäuser freilich sind verschwunden, aber man könnte doch wieder eines bauen. Und je länger der Abend, umso mehr begeisterten sich die Frauen und Männer für diese Idee. Einen Verein wollte man gründen zur Pflege und Erhaltung der traditionellen Kunst des Brotbackens. Und sie schrieben ihre Namen auf einen Bierdeckel - sozusagen die Gründer des Vereines. Und nun konnte der Verein bereits sein 20-jähriges Bestehen feiern.

Was zunächst als "Schnapsidee" begann, war auch nüchtern betrachtet eine tolle Sache. Und so fand dann am 7. März 1998 im Pfarrheim in Bad Bocklet die Gründungsversammlung des Bockleter Backofenvereins statt - eines gemeinnützigen eingetragenen Vereins zur Pflege des Brauchtums der traditionellen Backkunst. Und auf Anhieb hatte der junge Verein 40 Mitglieder. Ein richtig schönes Dorfbackhaus wollten die Mitglieder bauen, aber das geht ja nicht so schnell und muss auch finanziert werden. Also wurde beschlossen, zunächst einen mobilen Holzbackofen anzuschaffen, denn die Mitglieder wollten ja so schnell wie möglich gutes ehrliches Brot backen, das keine unerwünschten Zusatzstoffe enthält und auch nach Tagen noch schmeckt. Außerdem wollten sie sich damit an Festen beteiligen, um das Geld einzunehmen, das für den Bau eines traditionellen fränkischen Backhauses benötigt wurde.

Die Kunst des Backens will gelernt sein

Jetzt hatte der Verein also einen Holzbackofen, viel Begeisterung und sehr wenig Ahnung. So begannen die Mitglieder zu experimentieren. Welche Mehlsorten braucht man? Hefe oder Sauerteig oder beides? Wie hält man den Ofen auf Temperatur? Doch es dauerte gar nicht lange, und sie hatten ihr erstes selbst gebackenes Holzofenbrot. Und dann lernten die Mitglieder, was man sonst noch so alles backen kann. Vor allem die Älteren kannten noch Matte-Plootz, Zwibbelsplootz, Dätscher und noch so manches.

Feste für Alle

Als die Backbegeisterten genug geübt hatten, trauten sie sich an die Öffentlichkeit. Bereits das erste Backofenfest war ein voller Erfolg. Die Bockleter Bevölkerung und auch so mancher Kurgast waren begeistert von Zwiebel-Plootz und Pizza, und das Holzofenbrot war im Handumdrehen ausverkauft. Seitdem veranstaltet der Verein jedes Jahr ein solches Fest, und da er ja ein gemeinnütziger Verein ist, beteiligt er sich auch jedes Jahr am Pfarrfest. Hier ist der Backofen ebenso eine Attraktion wie auf den Benefiz-Veranstaltungen der Familie Eisenmann, und bei dem Bayern-1-Fest im Kurgarten konnte der Verein die Nachfrage kaum befriedigen.

Ein besonderes Highlight war es für die Mitglieder, als die Familie Mahlmeister ihnen einen eigenen Backraum zur Verfügung stellte. Dort steht vereinseigene Knetmaschine und die Gerätschaften, die im Laufe der Jahre vor allem von Willi Mahlmeister in liebevoller Handarbeit angefertigt wurden. Es gibt genug Platz, um den Teig vorzubereiten und für den Backofen. So kann jedes Mitglied ganz in Ruhe backen, wann immer man mag.

Fröhliches Vereinsleben gehört dazu

Aber das gemeinsame Backen ist nicht der alleinige Zweck des Vereins. Im Laufe der Jahre haben hatten die Mitglieder auch viele schöne Ausflüge unternommen. Jedes Mal hat sich das Vorstandsteam etwas Neues für uns ausgedacht. Sie haben Schlösser, Kirchen und ein Brotmuseum besichtigt, bekamen Führungen in Brauereien, Weinkellern und einer Schokoladenmanufaktur, lernten wie Schnaps gebrannt wird, und wurden vom Kitzinger Hofrat persönlich empfangen. Sie besuchten so manches Stadtfest, erklommen den Baumwipfelpfad und manch andere Höhen, und immer wurden sie belohnt mit reichlich gutem Essen und Trinken. Bei den Jahresfesten, die regelmäßig im Herbst stattfinden, konnten sie sich schon an so manchem Spanferkel oder Gänsebraten erfreuen.

Alles in allem ist der Verein auch nach 20 Jahren ein sehr lebendiger und aktiver Verein. Hier kommt Jung und Alt zusammen - ob 20, 50 oder 80 - egal, sie haben alle ein gemeinsames Hobby, das sie verbindet. Jeder, der sich anschließen möchte, ist herzlich willkommen. Die Mitglieder geben ihr Wissen gerne weiter: einfach beim Vereinsvorsitzenden Siegmar Mahlmeister anrufen: Tel.: 09708/6267.

Traum vom Backhaus

Und was ist mit dem Backhaus? Das gestaltete sich dann doch schwierig, denn irgendwie kamen die Gemeinde und der Verein nicht überein, wo ein solches Dorfbackhaus gebaut werden sollte. Aber jetzt rückt der Traum in greifbare Nähe: Sobald die Gemeinde ihre Pläne für einen Festplatz auf dem Gelände des ehemaligen Rathauses in die Tat umsetzt, ist der Bockleter Backofenverein gerne mit dabei. Dann ist Bad Bocklet um eine Attraktion reicher, denn was zieht Gäste mehr an, als der köstliche Duft von frisch gebackenem Holzofenbrot.

Karin Wollinger