Seit 1978 ist Oerlenbachs Bürgermeister Siegfried Erhard (CSU) als Kommunalpolitiker aktiv, und schon damals war das Thema Ortsumgehung Oerlenbach bzw. Eltingshausen virulent. Jetzt, wo sich abzeichnet, dass eine Ortsumgehung in den Bereich des Möglichen rückt, atmet er erleichtert auf, weil "diese unendliche Geschichte zu einem verträglichen Ende kommen wird", sagte er im Wirtschafts- und Umweltausschuss. Dort hatten, wie berichtet, Landrat Thomas Bold (CSU) und der Leiter der Kreisstraßen-Bauverwaltung, Jürgen Dobler, eine Planung und mögliche Finanzierung für eine Ortsumgehung Eltingshausen vorgestellt, und das Gremium hat den Planungsauftrag dafür vergeben.

Grundstücksverhandlungen

Aber das ist nur ein erster Schritt. Erhards Part ist es, die Grundstücksverhandlungen zu führen, um das benötigte Gelände zu kaufen. Der Pressesprecher des Landkreises rechnet damit, dass 2013 wohl die Planungsphase sein wird, dass erst noch der Haushalt 2013 verabschiedet werden muss und das Geld bereitstellen und dass frühestens im Spätherbst 2013 Baubeginn sein könnte. Aber es wird absehbar für die genervten Eltingshäuser. Die müssen sich, wie Erhard im Ausschuss drastisch schilderte, mit viel Lkw-und Schwerlastverkehr herumschlagen und seien so verzweifelt über die Verkehrsbelastung, dass sie eine Bürgerinitiative gründen wollen, wenn sich nichts tut.

Viele Transportfahrzeuge nutzen wegen der geringen Durchfahrtshöhe der Bahnbrücke in Oerlenbach die Strecke durch Eltingshausen über die Kreisstraße KG 43, die zur ehemaligen B19, jetzt Staatsstraße St 2445, führt. Und viele Fahrer aus Bad Kissingen nutzen sie als Zubringerstrecke zur A71. Während der Bauphase der Ortsdurchfahrt in Oerlenbach war sie die beste Ausweichmöglichkeit. Und das bekamen die Eltingshäuser mit voller Wucht zu spüren. Die Lkw rumpeln, beispielsweise von der KG 6 aus Richtung Deponie Wirmsthal kommend, beim Abbiegen in den Ort und Richtung Abzweigung zur KG 43, immer wieder über die neuen Bordsteine. Die gehen kaputt. Dabei waren sie erst bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt gesetzt und die Anwohner dafür zur Kasse gebeten worden. "Mancher hat seinen Kredit dafür noch gar nicht abbezahlt", weiß Erhard. Und dass auch die KG 43, die für so viel Verkehr gar nicht vorgesehen ist, viele Schäden aufweist, macht die Sache zudem gefährlich. Erhard: "Es ist eine gute Sache, wenn sich da etwas tut."

Von Kreisel zu Kreisel

Was jetzt geplant ist: Die KG 43 soll stabilisiert und in ihrer Führung verändert werden. Die neue KG 43 verliefe dann ab der einstigen B19, heute St 2445, in einem weiten Bogen nördlich an Eltingshausen vorbei durch die Flur und würde nahe des Umspannwerks in die KG 6 münden. Sowohl an der St 2445 als auch an der KG 6 soll sie mit einem Kreisverkehr angebunden werden. Die bestehende KG 43 würde zum Wirtschaftsweg.

Ob das Ganze, wie SPD-Kreisrat Christian Zoll meinte, ein Vorwahlkampfgeschenk aus München ist, "ausgeschüttet aus dem Füllhorn, mit dem Staatssekretär Gerhard Eck derzeit durch die Lande reist", oder ob die Straße projektiert wurde, weil mancher fürchtet, dass die von allen gewünschte "B 286 neu" - falls überhaupt - in absehbarer Zeit nicht gebaut werden wird, sei dahingestellt. Landrat Bold ist Pragmatiker und sieht, dass der Landkreis mit der angedachten Lösung mehr Fördergeld bekäme und quasi nur 50 Prozent der Kosten zu zahlen hätte. Und weil er der Verkehrssicherheit wegen jetzt handeln muss, sieht er vor allem, dass eine Ortsumgehung den Landkreis weniger kostet, als sie sonst kosten würde. Denn die alte KG 43 zu ertüchtigen, wäre sehr kostspielig, sagte Dobler, und die Ortsmitte von Eltingshausen würde dadurch nicht einmal entlastet. Eine Umgehung würde die Verkehrssituation indes "deutlich entschärfen."

Gefahr für die B286 neu?

Handlungsbedarf besteht wohl auch, weil die viel beschworene B 286 neu offenbar noch sehr lange auf sich warten lässt, auch wenn die Arnshäuser jüngst ihren Radweg von Staatssekretär Gerhard Eck versprochen bekamen. Denn aus dem Straßenbauamt weiß man, dass die B 286 neu 2015 vermutlich neu bewertet wird, um in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen zu werden - aber wohl nicht mehr als "vordringliche" Planung. Kein Wunder, dass manch ein Kreisrat fürchtet, durch die Ortsumgehung Eltingshausen, die auch Oerlenbach entlasten würde, würden Fakten geschaffen, die eine B 286 neu überflüssig machen könnten. Aber man war sich einig, am Wunsch nach einer B 286 neu auch weiterhin und nachdrücklich festzuhalten.