Geschäftiges Treiben herrscht am Vormittag in der Innenstadt. Am Abend wird das Rakoczy-Fest eröffnet, überall in der Fußgängerzone bauen Gastronomen und Vereine ihre Getränkestände und Imbisszelte auf. Nur beim Kebap Haus in der Oberen Marktstraße ist in Sachen Aufbau nicht viel zu bemerken. Die Betreiberfamilie hat sich ganz im Gegenteil sogar darauf vorbereitet, ihre Außenbestuhlung wegzuräumen. Bis 14 Uhr hätten die acht Tische und 32 Stühle aus der Oberen Marktstraße verschwunden sein sollen. Und das, obwohl sie bereit sind, die Standgebühr von 480 Euro für das Wochenende zu zahlen. "Wir müssen unsere Stühle nach nebenan in eine kleine, private Hofeinfahrt stellen", sagt Ümit Kurt noch am Vormittag. Da könnten sich die Gäste zwar hinsetzen, ideal sei das aufgrund der etwas abseitigen Lage aber nicht.

Was war passiert? Gastronomen können sich beim städtischen Ordnungsamt eine Erlaubnis holen, Tische und Stühle gegen Gebühr auf öffentlichen Straßen aufzustellen. Diese Erlaubnis gilt nicht für Sonderveranstaltungen wie das Stadtfest. Dafür sind Extra-Genehmigungen zu beantragen. Hier haben die Kurts allerdings die entsprechenden Fristen verstreichen lassen. "In den Wochen vor Rakoczy haben wir viel Stress, das ist bei uns Hochsaison. Wir sind nicht dazugekommen, uns rechtzeitig bei der Stadt zu melden", erklärt der 28-Jährige.

Am Donnerstag, also erst einen Tag vor Rakoczy, ist Kurt dann auf das Ordnungsamt gegangen, um sich die Erlaubnis zu holen. Weil er zu spät dran war, wurde er jedoch zunächst abgewiesen. Das fand er schade. Er hätte mit mehr Entgegenkommen gerechnet. "Wir haben gehofft, dass das Ordnungsamt ein Auge zudrückt, aber man hat nicht mit sich reden lassen", berichtet er.


Verwaltung um Flexibilität bemüht

Freitagmittag: Das Rathaus will am traditionellen Stadtfest nicht den Spielverderber geben und lenkt ein: "Nach einer kurzfristigen Einzelfallabwägung haben wir entschieden, die Außenbestuhlung doch zuzulassen", erklärt Pressesprecher Thomas Hack. Es gebe für den Ablauf des Festes keine Bedenken in dem Bereich, etwa hinsichtlich von Rettungsgassen. Die Verwaltung bemühe sich zudem, flexibel und bürgerorientiert zu handeln. Hack erläutert die grundsätzlichen Bedenken, weshalb die Erlaubnis anfänglich nicht erteilt worden ist. "Rakoczy ist ein riesiges Fest für die Bürger", sagt er. Stadt und Staatsbad treiben einen immensen logistischen Aufwand, um viele Menschen in die Stadt zu locken.

Daran sollen möglichst alle mitverdienen, Gastronomen wie auch Vereine. Die Stadt führe Monate im Vorfeld umfangreiche Absprachen mit den Beteiligten, etwa bei Wirteversammlungen. "Die Wirte werden schon im April aufgefordert, sich zu melden", sagt er. Damit die Organisation für so eine Großveranstaltung funktioniert, ist die Stadt auf das Mitwirken aller angewiesen. "Normalerweise halten sich auch alle an die Regeln", sagt Hack weiter. Sich erst einen Tag vorher zu melden, sei grundsätzlich zu spät und nur in absoluten Ausnahmen möglich. Wenn alle Wirte so kurzfristig kämen, wäre das Fest nicht mehr zu organisieren.

Für Ümit Kurt ist das ein Happy End. "Ich freue mich, dass die Stadt es uns jetzt doch kurzfristig erlaubt hat", sagt er. Für das nächste Jahr gelobt er Besserung. "Wir werden uns in Zukunft rechtzeitig um die Erlaubnis kümmern", verspricht er.