Sonne über Schondra und Bürgermeister Bernold Martin kommentiert trocken: "Wir haben bis heute Morgen noch gebibbert". Denn eigentlich sah die Prognose gar nicht gut aus, aber der Wetterfrosch hat einmal mehr gelogen und so feierte ganz Schondra ein rauschendes Jubiläumsfest, wie es die nächsten hundert Jahre keines mehr geben dürfte.
Mit viel Liebe und Sorgfalt haben die Schondraer ihr Dorffest vorbereitet. Ob in der Kirche, bei der Feuerwehr oder den Taubenzüchtern, überall finden die Besucher historische Details über das Dorf- und Vereinsleben. Bernd Enzinger beispielsweise dokumentierte 128 Jahre Brieftaubenzucht der Einsatzstelle Schondra.
Mehr als 60 Attraktionen präsentierten sich an über 40 Ständen. Backen wie zu Uromas Zeiten zum Beispiel war das Thema auf dem Metze-Hof . "Wir wollten einfach mal wieder den alten Holzbackofen anschmeißen", sagt Sandra Schuhmann. Vor sich hält sie ein rundes Blech, fast in der Größe einer Bahnhofsuhr. "Dröschmaschinekuchen"heißt der Hefekuchen mit Quark und Streuseln. Das Rezept stammt übrigens von Oma Helena vom Zimmer-Hof.
Ein paar Häuser weiter führt Anton Morshäuser Regie. 25 Brotlaibe backen bei etwa 250 Grad. Mit einem Handfeger bestreicht Morshäuser die Brote mit Wasser, damit sie glänzen. Der Schweiß tritt ihm auf die Stirn, aber der Hobby-Bäcker sagt, das mache ihm nichts aus. "Ich bin während des Brotbackens zur Welt gekommen." Was will man also erwarten. Nebenan bäckt Armin Scheller mit seinem Team Plootz und Pizza. Die lange Schlange vor dem Zelt verrät, dass es bei den beiden schmecken muss.
Jede Menge Oldtimer und historische Kostüme dürfen natürlich nicht fehlen. Bei Schlereths wird nach alter Manier Hochzeit gefeiert und in einer alten Garage bei Schlomm versetzt ein altes Wohnzimmer die Gäste in die Zeit vor vielleicht hundert Jahren zurück."Vier Familien haben originale Möbel von Oma und Opa zusammengetragen", erzählt Hannelore Karges. Nichts sei dazugekauft worden und die Kleidungsstücke hätten die Vorfahren selbst getragen. Katharina Wüst hat zur Probe im historischen Wohnzimmer Platz genommen. "Einer spinnt immer", sagt sie, während sie ein altes Spinnrad ausprobiert. Ein paar Straßen weiter probiert auch jemand etwas aus, und zwar den Vorläufer eines Drehmomentschlüssels. Stefan Kronewald, Gemeinderat und leidenschaftlicher Oldtimer-Sammler, hat die ältesten Modelle seiner Sammlung für das Dorffest ausgewählt. Zum Beispiel seinen Mercedes 170 V Diesel von 1952 oder ein Zündapp-Motorrad, das im Jahr 1933 angemeldet wurde. "Man träumt immer davon, die alten Fahrzeuge zu restaurieren und damit zu fahren", sagt Kronewald. 30 Oldtimer gehören zu seiner Sammlung, wenn auch die Hälfte davon eher als Ersatzteillager dient.
Ein schöner Höhepunkt des Jubiläumsfestes war der Taubenauflass am Sonntag. Landrat Thomas Bold und Bürgermeister Bernold Martin ließen etwa 400 bis 500 junge Tauben in den Himmel steigen. Heinz Schuhmann, ebenso wie Enzinger ein begeisterter Brieftaubenzüchter, besitzt ungefähr 200 Vögel. "Ich erkenne meine Tauben im Flug. Jede hat ihr eigenes Gesicht", behauptet er, und man glaubt es ihm erst, als er tatsächlich blind nach einer Taube greift und die Nummer am Ring richtig vorhersagt.
Auch der alte Dorfschmied hat seinen Platz auf dem Fest - auch wenn es nicht mehr der alte Dorfschmied ist, sondern die Firma Metallbau KG. Der 200 Jahre alte Traditionsbetrieb sei der älteste Handwerksbetrieb in der Gemeinde, sagt Karl Schneider, der von 1979 bis 2002 Bürgermeister in Schondra war. Mit kräftigen Bewegungen kurbelt er eine Bohrmaschine mit Handantrieb an. Nach dem besten Stück seiner Ausstellung gefragt, muss der Altbürgermeister aber leider passen: "Des is mei Frau und die is grad net da".

Fotos vom Fest zum Nachbestellen gibt`s hier: