In Haselbach vernimmt man den Ruf des Kreuzberges besonders deutlich. Am Wochenende scheint der heilige Berg der Franken außerordentlich laut gerufen zu haben, denn es schicken sich etwa 60 Wintersportler aus Bayern, Hessen und Thüringen an, einen rund sechs Kilometer langen Anstieg zum Kloster auf ihren Skirollern zu bewältigen. "Mit so vielen Teilnehmern haben wir anfangs gar nicht gerechnet", zieht Wettkampfleiter Manfred Reder schon vor dem Startschuss ein positives Fazit der Erstauflage des Haselbacher Skiroller-Berglaufs.
Das Wetter meint es gut mit den Sportlern. Die Sonne scheint, die Aussicht reicht kilometerweit, der erste Schnee des Winters säumt die Kreuzbergstraße, auf der sich die Sportler hochkämpfen. 6,5 Kilometer lang geht es von Haselbach aus immer bergauf in Richtung Kloster.
Alexander Eckert (WSV Oberweißenbrunn) stellt sich der Herausforderung und liegt zur Halbzeit gut im Rennen. Gleichmäßig klackern seine Skistöcke auf dem Asphalt, während er sich mit kräftigen Stockschüben und regelmäßigen, langen Schritten Stück für Stück dem Gipfel entgegenschiebt. "Das heute ist mehr ein Spaßwettkampf. Da gehe ich ohne Druck ran und schaue, was am Ende dabei herauskommt", meint der 19-jährige Oberweißenbrunner vorab.
"Ein schneller Radfahrer braucht für die Strecke 21 Minuten. Ein guter Skiroller ist fast genauso schnell", schätzt Organisator Manfred Reder, wie lange die Sportler vom Start in Haselbach bis zum Kloster Kreuzberg benötigen. Er kann nur tippen, denn bisher fehlen noch Richtzeiten, weil die Strecke noch nicht unter Wettkampfbedingungen gelaufen wurde. Reders Tipp von 25 Minuten wird am Ende durch die Siegeszeit von Sebastian Hopf (Rhöner WSV Dermbach) um 11,7 Sekunden unterboten.
Für Alexander Eckert ist es in diesem Jahr der erste Skiroller- Wettkampf, mit dem er sich auf die anstehende Langlaufsaison vorbereitet. "Im Frühjahr war ich lange an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt", schildert der Nachwuchssportler, der dem Langlauf-Landeskader des Bayerischen Skiverbandes angehört, seine Probleme in der Vorbereitung. Das Training sei nicht ideal verlaufen, und er musste in der Folge sogar die zentrale Leistungskontrolle in Oberhof ausfallen lassen.
Das Sommertraining besteht für Eckert normalerweise aus Ausdauersportarten wie Joggen oder Mountainbiken. Da ist es gut, dass er in der Rhön ideales Trainingsgelände direkt vor der Haustür hat. Für ein gezieltes Langlauftraining braucht es jedoch auch Schnee: Bis er sich heuer zum ersten Mal die Langlaufski unterschnallen kann, wird wohl noch eine Weile vergehen. "Für die Wintervorbereitung würde ich am liebsten in die Alpen auf einen Gletscher fahren und dort trainieren", sagt er. Das sei allerdings aufgrund des anstehenden Abiturs zeitlich nicht möglich.
Immerhin sei Oberhof noch eine gute Alternative. "Ansonsten warte ich eben, bis in der Rhön Schnee fällt", bleibt der junge Sportler, der im Alter von acht Jahren zum Langlauf kam, gelassen.
Am Ende kann Alexander Eckert zufrieden sein, wie er trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt mit hochgekrempelten Ärmeln im Ziel ankommt. Er hat, all seiner Probleme zum Trotz, dem Kreuzberg heute die siebtbeste Gesamtzeit und die Spitzenplatzierung seiner Altersklasse abgerungen.